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BaukunstBrockhaus 1882

Capna, eine herabgekommene, schlechtgebaute Stadt in der ital. Provinz Caserta (Terra di Lavoro), links am Volturno, an der Eisenbahn Rom-Neapel, 29 km nördlich von Neapel, liegt in fruchtbarer, aber ungesunder Gegend, ist der Sitz eines Erzbischofs und e (1881) 12241, als Gemeinde 13820 E. Außer der Kathedrale und ihrem Vor⸗ —* mit 12 antiken Säulen und der Kirche dell' nnunziata sind die Piazza de' Giudici und die antike Brucke über den Volturno bemerkenswert, welche unter Friedrich II. und nochmals 1756 retauriert wurde. Der Brückenkopf, welchen Kaiser Friedrich II. vor ihr erbaute, wurde 1557 5 00 und durch einen größern Bau ersetzt. Reste von den Skulpturen, mit denen er geschmückt war, eine leider verstümmelte und des Kopfes beraubte Statue des Kaisers, sowie die Büsten des Petrus de Vinea (s. d.) und Thaddäus von Suessa und der Kopf der Kolossalstatue der Stadt sind jetzt im Museo pano, im frühern Palast der merbalb von San-Cipriano. Die Torre mignana innen und die Kapelle de' Morti vor der Stadt erinnern an eine Schreckenskatastrophe von 1501, wo Cäsar Borgia, um sich wegen vergeblicher Brautbewerbung an Friedrich von 00 Meufa zu rächen, C. verräterisch überfiel und 5000 Menschen ermordet wurzwischen C., ola und Reapel, rechtfertigt ihren alten Ruf paradiesischer Fruchtbarkeit. Das heutige C. ist 856 n. Chr. an der Stelle der seit dem zweiten Punischen Kriege zerfallenen Stadt Casilinum von dem Grafen Lando und dessen Brüdern erbaut worden. Um 900 wurde C. selbständiges Fürstentum, 968 ward es Sitz eines Erzbischofs. Der letzte longobard. Hhen. Landulf VIII. mußte den Normannen weichen, indem Richard I., Graf von Aversa, 1059 vom Papst Nikolaus II. mit dem Fürstentum murde 1062 Stadt und Land eroberte. Die Stadt wurde 1252 von Kaiser Konrad IV. eingenommen. Ende 1347 erfocht König Ludwig von Ungarn bei C. einen Sieg. Am 24. Juli 1501 eroberten es die Franzosen. Im Spanischen Erbfolgekriege besetzten es 3. Juli 1707 die Kaiserlichen unter Daun, welche die seit 1718 neu befestigte Stadt 24. Nov. 1734 an die Spanier übergeben mußten. Nachdem C. 10. Jan. 1799 durch Kapitulation an die Franzosen unter Championnet übergeben worden, siel es schon 28. Juli desselben ar die wieder den Neapolitanern unter Ruffo in die Hände. Im Okt. 1860 fanden bei C. und auf der ganzen Volturnolinie Kämpfe zwischen den Neapolitanern und der ital. Südarmee unter Garibaldi statt. Am 2. Nov. übergab sich die Stadt den Piemontesen. Das Capua des Altertums, einst die Hauptstadt Campaniens und eine der reichsten und schönsten Städte Italiens, solange es nicht durch Unglücksfälle schwer heimgesucht wurde, lag 4 km südöstlich vom jetzigen C., an der Stelle der Stadt Santa-Maria di Capua, einer freundlichen, lebhaften, zum Teil mit den Ruinen antiker Bauten errichtete Stadt von (1871) 16 651, als Gemeinde 17896 E., mit großem, 1766 völlig modernisiertem Dom mit 5 Schiffen und 52 Säulen und vielen Resten der alten Stadt C. Die Stadt wurde nach Cato um 600 v. Chr. von den Etruskern gegründet. Doch lag wahrscheinlich schon vorher ein Ort an der Stelle; diesem gab man nach dem Flusse Volturnus den Namen Volturnum (Geierstadt), wovon C. die etruskische Übersetzung sein sollte. Nach einer andern Sage sollte Capys, welcher für den Großvater des Aneas gehalten und dessen Grabmal in C. gezeigt wurde, die Stadt gegründet und ihr den Namen gegeben haben. Die Fruchtbarkeit des Bodens, der blühende Handel und die Thätigkeit der Einwohner erhob die Stadt früh auf eine hohe Stufe des Glanzes und des Reichtums, aber im Gefolge des wachsenden Reichtums fand auch üppigkeit, Verweichlichung und Sittenverderbnis Eingang. In der zweiten Hälfte des 5. Jahrh. wurde die Stadt eine Beute der Samniten welche in ihr aber bald verweichlichten, sodaß schon ein ahrhundert darauf C. sich in die Abhängigkeit von öffnete ffnung, na Hannibal ihre 5 in der Ho m Falle Ro in die Sklaverei verkauft. Das städtische Gemeinwesen als solches ward aufgelöst, das Gebiet röm. Staatsdomäne. Erst durch Cäsar wurde C. wieder 50 wirklichen Stadt erhoben und 20000 röm. ürger in der Stadt und Umgegend angesiedelt 68 v. Chr.). Neue Kolonisten schickten die Triumvirn nach der Schlacht bei Philippi — v. Chr.), dann Augustus und nochmals Nero (57 n. Chr). Im J. 69 stand C. auf Seiten des Vitellius gegen Bespasian, und wurde dafür, als Vitellius unterlegen war, hart bestraft. Im übrigen blieb es noch Jahrhunderte eine reiche und blühende Stadt, die zweite nach Rom an Größe und Pracht, an Uppigkeit die erste. Im J. 456 verwüsteten C. die Vandalen unter Genserich. Unter den Longobarden sank es abermals herab, bis es 840 von den Arabern völlig zerstört ward. Unter den Resten des alten C. — das Amphitheater, vom Volke jetzt Virilasci (früher Berolais, Berelasis, d. h. Reine cände genannt, bemerkenswert. Dasselbe hatte eine Länge von 170 m, eine Breite von 140 m, die Arena eine Länge von 76, eine Breite von 46 m; die Fagade ward von 80 Bogen gebildet, es stand also dem Kolosseum in Rom an Größe nicht nach; doch wird die br der Plätze nur auf 42 500 berechnet. Hadrian hat es restauriert. Es erinnert daran, daß C. ein Hauptsitz der Gladiatorenschule war. Etwa 7 km von C., am Fuße des Berges Tifata, lag das berühmte Heiligtum der Diana Tifatina, wo jezt die altchristliche Basilika San-Angelo in Formis steht, die schon 944 erwähnt wird. Zahlreiche Altertümer fand man auch um die Ruinen eines Tempels unmittelbar vor der alten Stadt. Was von nach Nen und von andern Resten des alten C. nicht nach Neapel gekommen ist, wie die phiheate Venus und die sog. Psyche aus dem Amphitheater, oder verkauft und zerstreut wurde, befindet sich jetzt im heutigen C. im Museo Campano. Sehr reich ist noch die ja 1. 55 Ausbeute aus den Gräbern rings um C. Val. Beloch, «Campanienv 9ꝰ¹*— 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 932Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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