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GeschichteBrockhaus 1882

Carafa, ein altes neapolit. Geschlecht, das unter seinen Gliedern auch Papst Paul IV. (s. d.) zählt und + in zwei Hauptlinien teilt, C. della Spina und C. della Statera, welche gegenwärtig noch in mehrern Linien blühen. — Oliviero C., * 1406, wurde Erzbischof von Neapel und 1467 ardinal. Sixtus IV. übertrug ihm mehrere diplomatische Geschäfte und gab ihm 1472 den Befehl über eine Flotte gegen die Türken, mit welcher er Smyrna und den afrik. Hafen Satalia nahm. C. starb 20. Jan. 1511. — Carlo C., geb. 1517 zu Neapel, diente im span. Heere unter dem Herzoge von Parma in den Niederlanden und wurde unter seinem Oheim Papst Paul IV. als Kardinal-Nepote Hauptlenker der päpstl. Politik, namentlich während des unglücklichen Kriegs gegen Philipp II. von Spanien. Später fiel C. bei Paul IV. in Ungnade und wurde unter dessen Nachfolger Pius IV. nebst seinem ältern Bruder 1559 verftet und Rorbenen Er gehörte zu der unängst ausgestorbenen Linie der C. von Maddaloni, welche in den Masanielloschen Händeln eine wichtige Rolle spielten. (Vgl. Reumont, „Die C. von addaloni», 2 Bde., Berl. 1851.) — Antonio C., geb. zu Neapel 1538, Kardinal unter Pius V. und rästdent der Kongregation für die Verbesserung des Bibeltextes und die Erläuterung des Tridentinischen Konzils, machte sich als Kirchenschrift⸗ ö steller vielfach verdient. Er sammelte die päpstl. Dekretalien und besorgte eine bessere Ausgabe der Septuaginta. Er starb 1591. — Geronimo C, geb. 1564 zu Neapel, Marquis von Montenegro, nahm 1584 Dienste unter Farnese in den Niederlanden und verteidigte 1597 Amiens gegen Heinrich IV. Auch kämpfte er tapfer 1620 in + 1621 im Mailändischen. Der Kaiser erhob ihn Bi Reichsfürsten, der König von Spanien zum izekönig von Aragonien. Er dm u Genua 1633. — An tonio C., österr. Fe dmarschal trat 1665 in österr. Dienste, nahm an dem Entsatze Wiens (1683) und an der Wiedereroberung Ofens (1686) lebhaften Anteil, machte sich aber durch seine Grausamkeit gegen die Anhänger Tökölys verhaßt. Zum Kommandanten von Oberungarn ernannt, errichtete er ein Kriegsgericht, das als Cperieser Blutgericht bald im ganzen Lande Schrecken verbreitete. Im J. 1687 vom Kommando in Oberungarn entfernt, wurde er doch vom Hofe mit dem Orden vom Goldenen Vlies beschenkt und mit manchem wichtigen Auftrage betraut, z. B. mit der übernahme Siebenbürgens, das damals an Osterreich fiel. Später kämpfte er unter Herzog Karl von Lothringen gegen die Franosen. Er starb 9. März 1693 zu Wien. — In en neapolit. Revolutionstagen von 1798 bis 1799 machte sich Ettore C., Graf von Ruvo, bemerklich, der als Führer eines mit den Franzosen vereinten Korps die Stadt Andria, ein Lehn seiner zamilie, erstürmte und anzündete und nach der testauration auf dem Blutgerüst endete. ßt, sind unter K aufzusuchen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 935Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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