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GeschichteBrockhaus 1882

Carlopago (auch Carlobago, d. i. Karlsbai), kleine freie Seehafenstadt im kroat.⸗slawon. Küstenland am Adriatischen Meere, mit 750 kath. E., hat eine Bürgerschule, ein Bezirksgericht, ein Post⸗„Telegraphen⸗ und Zollamt. Der kleine . Snn dient nur dem Küstenverkehr, die jährliche Einfuhr beträgt bei 120000 Fl., die Ausfuhr an 80000 Fl. Der Handelsverkehr erstreckt sich auf Holz, Wein, Honig und Kolonialwaren. Die Umgebung besteht aus kahlem, felsigem Karstboden, eh ist der Ausblick auf das Meer, auf die vorgelagerte Insel Pago u. s. w. von bezaubernder Wirkung. Sohn Philipps II., ward 8. Juli 1545 zu Valladolid geboren. Seine Mutter, Maria von Portugal, starb vier Tage nach der airchwichn Frühzeitig entwickelte sich in dem stets schwächlichen Knaben ein bis zur Unbändigkeit heftiges und eigensinniges Temperament, und weder die erste Erziehung durch seine Tante Juana noch die folgende durch den gelehrten Hönorato Juan, dem er während der Abwesenheit des Vaters in den Niederlanden und in England anvertraut blieb, war geeignet, ihn zu bessern. Als Philipp nach seiner Rückkehr (1559) plötzlich mit äußerster Strenge einzugreifen begann, entwickelte sich rasch zwischen Vater und Sohn ein feindlicher Gegensatz, der mit den Jahren immer tiefere Wurzeln schlug. Daß zwischen C. und seiner Stiefmutter Isabella (Elisabeth von Valois, der dritten Gemahlin Philipps), die einst ihm selbst als Braut zugedacht war, ein sträfliches Liebesverhältnis stattgefunden habe, ist eine Erfindung; aber auch die gegenseitige wohlwollende Neigung beider, die eine Thatsache ist, war nicht angethan, jenen feindlichen Gegensatz zu mildern. C. hatte 1560 von den Ständen Castiliens als Thronerbe die Huldigung empfangen; 1561 bezog er, zugleich mit seinem jugendlichen Oheim Don Juan d'Austria und mit seinem Vetter Alexander Farnese, die Universität Alcala. Eine lebensgefährliche Krankheit, die er sich daselbst 1562 infolge eines schweren Falls bei einem Liebesabenteuer zuzog, führte auf kurze Zeit eine äußerliche Versöhnung zwischen Vater und Sohn herbei. C. erlangte 1564 die Teilnahme an den Sitzungen des Staatsrats, aber die längere Zeit beabsichtigte Verlobung mit Anna, der Tochter Kaiser Maximilians II., wurde ihm fort und fort vorenthalten. Bald traten neue Zerwürfnisse ein, nißt, sind unter K aufzusuchen. die seit 1565 durch die Konflikte Philipps mit den Niederlanden, deren Statthalterschaft dem Infanten von Kindheit an verheißen worden, wesentlich geschürt wurden. Trotz der angewandten uchtmittel war C. in seinem ganzen Denken und Bollen, in Sitten und Grundsätzen zum Gegenbilde seines Vaters gediehen und brachte daher auch den Vertrauten desselben, wie dem Herzog von Alba, dem Minister Ruy Gomez (Fürsten von Eboli) und dem Großinquisitor Kardinal Espinosa, eine unüberwindliche scer Vorte entgegen. Während Philipp, als fanatischer Vorkämpfer des Katholizismus, die geringste Abweichung von der Kirche als Ketzerei und die bloße Lauheit gegen deren Interessen als Ketzerbegünstigung verurteilte und verfolgte, beeigte sich C., obwohl Verehrer des Papstes, mehr5 als ein Gegner der Geistlichkeit und der Inquisition, sowie der Beichte und der Messe; und während jener, den strengsten Grundsätzen des Absolutismus huldigend, seine Unterthanen durch ein Regiment von Rechtsgelehrten und Theologen in blinder Unterwürfigkeit niederzuhalten bedacht war, schien C. die polit. Hebung des Adels und der Städte zu begünstigen. Da nun —— vor allem seine Grundsätze vererben, die Fortdauer seines Systems gesichert sehen wollte, so erachtete er diesen seinen einzigen Sohn für unfähig, nach ihm die Zügel der Regierung zu übernehmen. Er trug sich bereits mit dem Gedanken, ihn zu enterben, einzusperren, unschädlich zu machen und die eventuelle Erbfolge seinem Neffen, dem Erzherzog Rudolf, zu übertragen, als das ufwogen des niederländ. Aufruhrs 1567 die Katastrophe beschleunigte. C. forderte dringend, daß ihm die Sendung nach Flandern anvertraut werde, und die schließliche Ernennung Albas erbitterte ihn dergestalt, daß er den Dolch gegen diesen zückte. Die Ernennung zum Präsidenten des Staats⸗ und Kriegsrats und das trügerische Versprechen des Königs, 1 alsbald selbst nach den Niederlanden zu führen, hielten die Katastrophe nur wenig auj. Des steten Mißtrauens sowie der bevormundenden Gewalt seines Vaters überdrüssig und ahnend, daß ½ gegen seine Person im Werke seien, wollte sich C. dem allem durch die Flucht entziehen. Zunächst war er bemüht, seinen Oheim und Freund Don Juan d'Austria zur Teilnahme an der Flucht zu bestimmen. Dieser aber verriet den Plan dem König, und letzterer schritt jetzt sofort zum Außersten. Am 18. Jan. 1568 um 11 Uhr abends 2910 5 er selbst, an der Spitze seiner Vertrauten, die Verhaftung des C., entschlossen, mindestens ihn von der Thronfolge jangen zu hal und für den Rest seines Lebens gefangen zu halten. Zu diesem Zwecke wurde eine Tüctickeit aer kommission (nicht die Inquisition) in Thätigkeit ge-Rait während der König das Geschehene durch die ücksicht auf den «Dienst Gottes und das Wohl des Reichso, durch die lange erkannte Untüchtigkeit der Natur und des Charakters des Prinzen, nicht durch einzelne Vergehen, uoh im Her suchte. Nur wenige Monate lebte C. noch im Kerker; am 24. Juli 1568 starb er. Ob sein rasches Ende dadurch herbeiefhrt worden, daß man dem Verzweifelnden Geegenheit bot, auf seine Gesundheit einzustürmen und sich selber aufzureiben, oder ob man durch künstliche Veranstaltungen, wie manche behaupteten, den Tod beschleunigte, ist nicht mit Sicherheit zu ermitteln; doch kommt das eine wie das andere der Ermordung gleich. Der unter Leitung des Königs lauf der Kran Bericht über den angeblichen Verauf der Krankheit ist ein an d Machwerk, das keinen Glauben verdient. an hat sich in C. keineswegs, wie auf Grund der offiziellen Ausstreuungen aarge Rie ist, einen wahnsinnigen oder gar blödsinnigen Menschen, sondern vielmehr eine war unbändige, aber originelle Persönlichkeit von scharsem Verstande vorzustellen. Er liebte das Ungewöhnliche und Seltsame; er war voll Ruhmesderse stolz, herrschsüchtig und, im Gegensatz zu dem verschwiegenen und verstellungssüchtigen Wesen seines Vaters, von leidenschaftlich keckem Mute, rückhaltsloser Offenheit und so großer Wahrheitsliebe, daß selbst Gegner von ihm sagten, er trage adas Herz auf den Lippen». Allgemein wurde der Tod des C. in Spanien betrauert. Die Volksstimmung machte sich alsbald in kräftigen und zum Teil noch erhaltenen Volkspoesien Luft. Schon in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde C. zum Gegenstand eines span. Dramas von Montalvan gemacht; 1672 erfuhr er durch Saint-Real eine romanhafte Behandlung, welche die Unterlage für die Dramen von Campistron, Lefevre, Aalern Alfieri und Russell bildete. Vgl. außer den ältern Forschungen von Llorente, Ranke und Raumer besonders Prescott, History of the reign of Philip the Second (Bd. 2, Boston 1856); Gachard, HDon C. et Philippe II5 (2 Bde., Brüss. 1863): Mouy, Don C. et Philippe II (Par. 1864); Warnkönig, Don C. Leben, Verhaftung und Tod dieses Prinzen⸗ (Stuttg. 1864); Ad. Schmidt, Don C. und Pbilipp II. v (in „Epochen und Katastropheno, Berl. 1874). ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 952Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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