FeedCarpenter (William Benjamin)
HeilkundeBrockhaus 1882

Carpenter (William Benjamin), engl. Naturforscher, geb. 1813 in Bristol, erhielt seine Schulbildung in Bristol, studierte dann, zuerst im University College in London, später in Edinburgh, Ber Wat und praktizierte seit 1839 als Arzt in seiner Vaterstadt, siedelte jedoch 1843 nach London über. Nachdem er seit 1847 mehrere Jahre den Posten des Examinators in Physiologie und vergleichender Anatomie an der londoner Universität, von 1849—56 den des Professors der gerichtlichen Medizin am University College bekleidet hatte, wurde er 1856 zu der einflußreichen Stelle des Registrators der londoner Universität berufen, die er erst 1878 niederlegte. In weitern Kreisen wurde er zuerst bekannt durch seine Principles of general and comparative physiologyv (1839; 3. Aufl., 1854), eins der ersten engl. Werke, welche die Wissenschaft der Biologie in übersichtlichem Zusammenhange darstellten. Hierauf folgten die Principles of human physiologys (Lond. 1844; 9. Aufl. 1881), „Principles of comparative physiologyo (Lond. 1853), Principles of general physiologys (Lond. 1854), On the use and abuse of alcoholic liquorso (Lond. 1850), The microscope and its revelationsv (Lond. 1856; 5. Aufl. 1875), Principles of mental physiologyr (Lond. 1874) und eine Reihe von Abhandlungen in den Verhandlungen der Royal Society, wofür ihm 1861 die große Medaille der Gesellschaft verliehen wurde. Von 1868—70 leitete C. gemeinschaftlich mit Wyville Thomson die von der engl. Regierung ausgerüsteten Expeditionen zur Erforschung des Meeresbodens in der Nordsee und im Mittelmeere. Seine Berichte über diese Expeditionen, welche in Bezug auf Temperatur, Strömungen und Organismen der tiefern Meeresschichten wichtige Resultate lieferten, erschienen zuerst in den Verhandlungen der Royal Society, wurden aber später von dem Verfasser in % populärer Vorträge auch einem größern Pulikum zugänglich gemacht. Neuerdings nahm C. an der wissenschaftlichen Bekämpfung der engl. Spiritualisten einen hervorragenden Anteil und veröffentlichte u. a. Mesmerism and Spiritualism historically consideredo (Lond. 1877). Hrifttelerin — — engl. Philanthropin und Schriftstellerin, die Schwester des vorigen, geb. 18. Aug. 1807 in Bristol, nahm schon früh viel Anteil an der sozialen Reformbewegung, welche sich die Rettung und Besserung ktellagen, die Kinder, die Erziehung der niedern Volksklassen, die vernunftgemäße Reorganisation der Strafanstalten und des Gefängniswesens zum Ziele setzte, und begründete nicht nur in ihrer Vaterstadt mehrere wohlthätige Anstalten, welche diese Zwecke verfolgten, sondern eroberte durch ihre begeisterte persönliche Opferwilligkeit, durch Schriften und durch Vorlesungen dem Interesse für die Sache, der ihr Leben ewidmet war, ein immer weiteres Gebiet. Unter Miß C.s Schriften sind hervorzuheben: «Morning and evening meditations for every day in the montho (1842), (Reformatory schools for childreno (1851), Juvenile delinquents, their condition and treatmento (1853), The claims of ragged schools to pecuniary aid from the annual parliamentary grants for educational purposeso (1859), 40ur conxictso (2 Bde., 1864). Wiederholt nahm sie auch teil an den Jahresversammlungen der British Association for the promotion of social science, und manche Sozialreform war zum Teil ihren Anregungen zu danken. In den J. 1866 —67 unternahm sie zu philanthropischen Zwecken eine Reise nach Indien, deren Resultate sie niederlegte in Suggestions on prison discipline and female education in Indias (1867) und «Six months in Indiao (2 Bde., 1868). Zur fernern Beförderung der Gefängnisreform und der weiblichen Erziehung besuchte Miß C. dann, unter leb-Judie öffentlicher und auch offizieller Teilnahme, Indien noch dreimal, 1868—69, 1870—71 und 1875—76. Die Resultate ihrer letzten Reise faßte sie zusammen in mehrern Briefen an Lord Salisbury, damals Staatssekretär für Indien, von dem sie in offizieller Form dem Parlament mitgeteilt wurden. Sie starb in Bristol, 14. Juni 1877.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 14Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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