Carracci oder Caracci, berühmte ital. Malerfamilie, welche gegenüber dem Manierismus für die Reform der ital. Kunst gegen Ende des 16. Ja rh. vorzüglich thätig war. Die C. folgten keinem Meister unbedingt, vielmehr suchten sie die Vorzüge der Antike und der großen neuern Meister zu vereinice Sie wurden dadurch die Gründer der eklektichen Richtung, sind also auch als die eigentlichen Stifter der noch jetzt herrschenden akademischen Lehrmethode zu betrachten. Die Komposition führten die C. zu größerer Einfachheit zurück, übten strenge Korrektheit der Zeichnung und legten vorzüglich viel Wert auf eine gute Anordnung, sodaß es oft scheint, als sei die Handlung der Gruppierung angepaßt. Dadurch kommt freilich mitunter Absichtlichkeit hinein und eine Nüchternheit, die an schulmäßige Modelle erinnert. Doch, wo sie naiver auf das Vorbild der Natur eingingen, vermochten sie eine nachhaltige Wirkung zu erreichen. Lodovico C., der Sohn eines Fleischers, geb. 1555 zu Bologna, studierte EUnter zu Pass Andrea del Sarto und genoß den Unterricht Passignanos, wandte sich dann nach Parma und kehrte später nach Bologna zurück. Hier verband er sich mit Tbentals der ostino und Annibale C., welche sich ebenfalls der Malerei gewidmet hatten, sendete dieselben 1580 nach Parma und Venedig und arbeitete nach ihrer Rückkehr nach Bologna gemeinschaftlich nach gleichen Grundsätzen mit ihnen. In stetem Kampfe mit einer mächtigen Gegenpartei, stiftete Lodovico die Accademia degli incamminati (von incamminare, auf den Weg, in Gang bringen). Als ersten Grundsatz stellte er auf, daß man die Beobachtung der Natur mit der Nachahmung der besten Meister verbinden müsse. So lehrten die vereinigten Künstler das Praktische nach Gipsabgüssen, Kupferstichen, durch zweckmäßiges Zeichnen und Malen nach dem Nackten, das Theoretische durch Unterricht in der Perspektive, Anatomie u. s. w. Die Zeichnung sollte Rafael, das Kolorit den Venetianern, die Beleu tung und die Grazie dem Correggio entlehnt werden. Ihre Schule wurde mehr und mehr besucht, und alle übrigen derartigen Anstalten der Stadt gingen aus Mangel an Teilnahme ein. Die schönsten Werke Lodovicos sind zu Bologna, vornehmlich in der Pinakothek. So die Madonna, in einer Engelsglorie auf dem Monde stehend, mit Franziskus und Hieronymus an den Seiten. Im Kloster San-Michele in Bosco befinden sich Scenen aus der Geschichte des heil. Benedikt und der heil. Cäcilie. Schon mit C. beginnt die Vorliebe für das Pathos des Schmerzes, von welcher später die vielen Eece homo und leidenden Marien der Bolognesischen Schule ausgegangen sind. Das letzte Werk Lodovicos ist die Verkündigung der Maria in übermenschlicher Größe in der Kathedrale zu Bologna. Er starb 1619. Agostino C., des vorigen Neffe, geb. 1558 zu Bologna, kunt. Ee sich neben Malerei auch mit Kupferstechkunst. Sein ausgezeichnetstes Gemälde ist die Kommunion des heil. Hieronymus. Später half er seinem Bruder Annibale bei den Arbeiten an der Farneseschen Galerie in Rom, und ging endlich an den Hof des Herzogs von Parma, wo er 1601 starb. Er war ein Mann von gelehrter Bildung, besorgte an der neuen Akademie die Aufgabe des vortragenden Theoretikers und vervollkommnete als Kupferstecher namentlich die Technik des Stichs. Unter seinen zahlreichen, zum Teil sehr berühmten Kupferstichen finden sich auch manche erotische, die jetzt ziemlich selten geworden sind. Annibäle C., Bruder em Pakert geb. 1560 zu Bologna, lernte erst bei seinem Vater als Schneider, wurde aber vom Oheim ebenfalls der Malerei zugeführt. Durch seinen heil. Rochus, welcher Almosen verteilt (in der Galerie zu Dresden), machte er sich Rarn bekannt, sodann durch seinen Genius des —. (gleichfalls in der Galerie zu Dresden). Bald darauf berief ihn der Kardinal Farnese nach Rom, wo er in der Galerie des Der areh.2 Palastes eine Reihe von Scenen aus der griech. Mythologie ausführte, sein Meisterwerk. Durch die Ränke des Spaniers Juan de Castro erhielt Annibale für seine siebenjährige Arbeit nur die Summe von 500 Goldthalern. Empört über solchen Undank legte er den Pinsel aus der Hand und starb zu Rom 1609. Er war der bedeutendste unter den C., besonders wegen seiner großartigen Auffassungsweise. rmißt, sind unter K aufzusuchen.