Cassel (Paulus Stephanus, früher Selig), verdienter deutscher Gelehrter, geb. 27. Febr. 1821 zu Glogau, von jüd. Abkunft, befuchte erst das kath., dann das evang. Gymnasium in Schweidnitz und widmete sich hierauf zu Berlin geschichtlichen Studien, war 1850—56 Redacteur der Erfurter Zeitungo und trat 1855 zur evang. Kirche über. Mehrere Jahre fungierte er dann an der königl. Bibliothek Erfurt als Bibliothekar. Seit 1859 lebt C. in erlin; 1866 ward er für den Wahlkreis Teltow-Beeskow-Storkow in das preuß. Abgeordnetenhaus gewählt, wo er der Fraktion der Konservativen sich Ienit Später wurde er Prediger an der Christuskirche, mit welchem Amt er eine Sonntagsschule mit circa 1000 Kindern und 60 Lehrerinnen, ein Kinderheim zur Aufnahme armer Kinder und einen Verein zur Unterstützung Armer verbunden hat. Seine öffentlichen Vorträge, die er im Winter von 1869—70 über das röm. Konzil und die Geschichte der Päpste, dann die „Deutschen Redenv (2. Aufl., 2 Tle., Berl. 1871), die er nach Ausbruch des Deuts eitall Won chen Kriegs zu Berlin hielt, fanden viel Beifall. Von seinen zahlreichen Arbeiten histor., kulturgeschichtl. und litteraturgeschichtl. Inhalts sind hervorzuheben die Magyar. Altertümer » (Berl. 1848), Von Warschau bis Olmützo (Verl. 1851), die Geschichte der Juden in der Allgemeinen Encyklopädieß von Ersch und Gruber (Sekt. II, Bd. 27, Lpz. 1851), «über thüring. Ortsnamen (Abteil. 1 u. 2, Erf. 1856—58), „Eddische Studieno (Weim. 1857), «Uüber Schamiro (Erf. 1856), Erfurt und die Zäunemanniav (Hannov. 1857), Der Schwand (Berl. 1860; 3. Aufl. 1872), (Rose und Nachtigallo (Berl. 1860), „Weihnachten. Ursprung, Bräuche und Aberglaubeno (Berl. 1862), Drachenkämpfer (Berl. 1868; 2. Aufl. 1878), (Symbola Renatio (3. Aufl., Berl. 1872), «Über den Goldenen Thron Salomoniso (Erf. 1863), „Hohenzollern. Ursprung und Bedeutung dieses Namensy (Berl. 1873), Kaiser- und Königsthrone in Geschichte, Symbol und Sagey (Berl. 1874), «Der Chezarische Königshof aus dem 10. Jahrh.»(Berl. 1876), „(Vom Nil zum Gangesv (abgedruckt in euttere nteratard des Allgemeinen Vereins für deutsche Litteraturv Berl. 1880), „Die Symbolik des Bluteso (Berl. 1882) und viele andere. T eol. 9½% sind: „Die Bücher der Richter und uth, theologisch-homiletisch bearbeitete (Bielef. 1865), «Altkirchlicher N (Berl. 1869), «über Renans Leben Jesup GBerl. 1863), Das Evan elium des Sohnes ebedäis (Berl. 1870), Vom Wege nach Damaskuso (Gotha 1872), Aus guten Stundeno (Gotha 1874), Apologetische Briefer (2 Hefte, Berl. 1875), „Löwenkämpfe von Nemea bis Golgathas (Berl. 1875), Das Buch Esthero (Berl. 1878). Hierzu kommen außer mehrern homiletischen Schriften 905 zahlreiche Beiträge zu Zeitschriften sowie eine große Anzahl von einzelnen Vorträgen. Seit 1875 ber C. auch eine theol. Wochenschrift Sunemv eraus. Sie ist im Sinne des positiven Christentums, aber in tolerantem und liberalem Geiste abgefaßt. C. gehört keiner spezifischen kirchlichen Partei rmißt, sind unter K aufzusuchen. an. In der neuesten Zeit hat er sich namentlich als Gegner der Antisemiten hervorgethan und in diesem Sinne mehrere Broschüren, wie «Wider Heinrich von Treitschkes, «Die Antisemiten und die christl. Kircheß, Die Juden in der Weltgeschichtes, „Die Abstammung der Engländerv verfaßt.