Cassiodorus (Magnus Aurelius C. oder richtiger Cassiodorius Senator), ital. Staatsmann und Historiker, geb. zu Scyllacium in der damals noch bruttischen, nachmals Calabrien genannten Landschaft um 480 n. Chr., bekleidete unter dem Ostgotenkönig Theodorich und dessen Nachfolgern mehrere wichtige Staatsämter, zog sich aber um 540 nach dem von ihm erbauten Kloster Vivarium in seine Heimat zurück. Dort beschäftigte er sich mit theol. und weltlichen Studien, hielt seine Mönche namentlich auch zum Abschreiben alter Handschriften an und war überhaupt zur Erhaltung und Verbreitung wissenschaftlicher und r Kenntnisse unausgesetzt thätig. Er starb, nahezu 100 J. alt, um 575. Das wichtigste auf uns gekommene Werk C.' sind seine Variarum (sc. epistolarum) libri XII˖, welche die von ihm als Minister unter Theodorich und dessen Nachfolgern abgefaßten Schreiben und Verordnungen enthalten und für die Geschichte der damaligen Zeit eine reiche Fundgrube sind. Seine Historia Gothorums ist nicht erhalten, nur ein Auszug daraus von Wert, (s. d.). Kümmerlich, aber immerhin von Wert, ist seine Weltchronik bis 519 n. Chr., neu herausgegeben und bearbeitet von Mommsen in Abhandlungen der Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaftens (Bd. 8, Lpz. 1861). An sich ohne höhern wissenschaftlichen Wert, aber von großer Wichtigkeit für die tionesämpiunrun des Mittelalters sind seine Institutiones divinarum et saecularium lectionumo, in denen C. mit einer Einleitung in das theol. Studium eine freilich nur sehr summarische Encyklopädie der profanen Wissenschaften verbindet. Ahnliches gilt von den meisten seiner übrigen theol., philos. und grammatischen Schriften, welche einen wenn auch geringen Furten, klassischer Bildung dem Mittelalter überlieferten. Eine Ausgabe seiner Werke besorgte der Benediktiner Garet (2Bde., Rouen 1679); neue Fragmente publizierte Baudi de Vesme in den Memorier der turiner Akademie der Wissenschaften (Serie 2, Bd. 8). Vgl. Thorbecke, «C. Senatoro (Heidelb. 1867); Franz, C. Senator, ein Beitrag zur Geschichte der theol. Litteraturd (Bresl. 1872); Ebert,