FeedCastelnau (C.)
GeschichteBrockhaus 1882

Castelnau (C.), franz. General und vertrauter Adiutant des Kaisers Napoleon III. Sein Name ist namentlich durch die ihm 1866 übertragene Mission nach Mexiko bekannt geworden. Kaiser Napoleon hatte 30. Juli 1866 einen Vertrag mit Kaiser Maximilian abgeschlossen, nach welchem die franz. Truppen das mexikanische Gebiet in drei Terminen vom November 1866 bis zum Herbst 1867 räumen sollten, wurde indessen von der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika zur Beschleunigung der Räumung gedrängt und auch durch die kriegerischen Erfolge Preußens veranlaßt, Frankreichs Streitkräfte möglichst zusammenzuhalten. Napoleon beschloß, die franz. Truppen schleunigst und auf einmal aus Mexiko zu entfernen, und sandte C. zur Bemäntelung seines Wortbruchs nach Mexiko mit dem Auftrage, den Kaiser Maximilian durch Güte oder Gewalt zur Abdankung und sofortigen Rückkehr nach Europa zu bestimmen. C. traf 12.Okt. 1866 in Mexiko ein und beriet dort mit dem franz. Gesandten Dano und Marschall Bazaine über die Vollziehung des kaiserl. Befehls, wurde jedoch zunächst von Kaiser Maximilian gar nicht vorgelassen und erst am 25. Dez. von demselben in Puebla empfangen, aber abschlägig beschieden. Nunmehr rüsteten sich die franz. Truppen zum Abzug, räumten 8. Febr. die Hauptstadt und schifften sich in Veraeruz nach Frankreich ein. Der von Frankreich verlassene Kaiser Maximilian fand bald darauf seinen Untergang in Queretaro. C. blieb Adjutant Kaiser Napoleons und begleitete ihn, seit 1867 Divisionsgeneral, in den Deutsch-Franz Hündig Krieg; in der Schlacht bei Sedan war er bestän 10 an der Seite des Kaisers und nahm mit General Wimpffen an nißt, sind unter K aufzusuchen. den Kapitulationsverhandlungen im Schlosse Donchery teil zur Wahrung der persönlichen Interessen Napoleons. Am Morgen des 2. Sept. begleitete C. den Kaiser in die Kriegsgefangenschaft. Im März 1871 war C. in geheimer Sendung in Berlin und erhielt dort den Degen Napoleons zurück, begleitete seinen Souverän dann bis Ostende und kehrte von dort nach Frankreich heim, wo er in stiller Zurückgezogenheit lebte. Hauptort eines Arrondissements des südfranz. Depart. Aude in Languedoc, in 160m Höhe, 36 km in WNW. von Carcassonne, an einer 11 in einer fruchtbaren, mit Dörfern und Land äusern bedeckten Ebene, am Südkanal und an der Linie Bordeaux-Cette der Französischen Südbahn, die hier nach Mazamet abzweigt, hat ein Tribunal erster Instanz, ein Handels⸗ und zwei Friedensgerichte, ein Kommunal-Collége, eine Börse, eine Ackerbaugesellschaft und zählt (1876) 7628, als Gemeinde 9042 C., welche Fabriken für Tuch, Leinwand, 0 ence, Thongeschirre und Kähne unterhalten und ebhaften Handel mit Getreide, Obst, Eisen, Vieh und Wolle treiben. Bemerkenswert erscheint außer dem Stadthaus das Wasserbehältnis des Kanals (ie reservoir de St.-Ferréoh, welches als Hafen dient, 1200 m im Umfange hat und mit Quais, Werften und Holzmagazinen umgeben ist. — Hier lieferten Raimund VI. von Toulouse und Raimund Roger, der Graf von Foix, gegen Simon von Montfort 1211 eine blutige Schlacht. Der erstere mußte 1229 die Mauern schleifen. C. wurde 1355 vom Schwarzen Prinzen eingenommen und verbrannt, aber 1366 wieder aufgebaut. Unter seinen Mauern siegten 1. Sept. 1632 die königl. Truppen über die Partei des Herzogs von Orleans unter Montmorency (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 53Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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