FeedCatilina (Lucius Sergius)
GeschichteBrockhaus 1882

Catilina (Lucius Sergius), der Anstifter der nach ihm benannten Verschwörung, aus einer patricischen, aber verarmten röm. Familie, geb. um 108 v. Chr., schloß sich als Jüngling an Sulla an und nahm in grausamster Weise Anteil an der Ausführung der von jenem verhängten Achtungen. Sein kräftiger abgehärteter Körper vermochte Entbehrungen leicht zu tragen und ward durch Ausschweifungen aller Art nicht erschüttert; sein Geist schreckte vor keinem Verbrechen zurück; seine Entschlossenheit, sein militärisches Talent, seine Menschenkenntnis, die fast dämonische Gewalt, welche er über alle, welche sich ihm näherten, besonders aber über die Jugend ausübte, machten ihn in einer Zeit des tiefsten sittlichen und polit. Verfalls zum geeignetsten Führer eines Bundes zum Umsturz des Bestehenden. Die öffentliche Stimme bezichtigte ihn des Mordes seines Bruders, seiner ersten Gattin und seines Sohnes, der einer neuen Verbindung hinderlich schien; wegen Incests, mit einer Vestalin begangen, wurde er im J. 73 angeklagt, ward aber freigesprochen. Im J. 78 bekleidete er die Prätur und verwaltere dann im 67 die Provinz Afrika, die er in so schamloser Weise bedrückte und ausbeutete, daß noch 2 155 seiner Abwesenheit im I. 66 Gesandte der Provinz im Senat über * Beschwerde führten und insoige dessen seine beabsichtigte Bewerbung um das ißt, sind unter K aufzusuchen. Konsulat für das 30 65 zurückgewiesen wurde. So ward er durch Rachgier und die Aussicht, bei einer Umwälzung des Staats sich der Schulden, in die er sich gestürzt Lanne zu entledigen und Macht und Reichtum zu erlangen, schon damals bewogen, zum gewaltsamen Umsturz der Verfassung und Tilgung aller Schulden eine Verschwörung zu stiften, an welcher angeblich über 400 Männer in Rom und dem übrigen Italien teilnahmen und der auch die Führer der demokratischen Partei, Crassus und Caäsar, nicht fern blieben. Die Ausführung des Unternehmens, die schon einmal verschoben worden war, unterblieb aber, weil das Zeichen Doch Losschlagen zu früh gegeben worden war. och an C. deshalb seinen Plan nicht auf. Von der nklage wegen Erpressungen freigesprochen, erschien er im J. 64 wieder unter den Bewerbern um das Konsulat, jedoch ohne Erfolg. Es wurden M. Tullius Cicero und neben ihm C. Antonius, ein unbedeutender Mensch, aber Gesinnungsgenosse des C., zu Konsuln gewählt; doch Cicero trat diesem seinem Amtsgenossen die ihm selbst zugefallene reiche Provinz Macedonien ab und gewann dadurch. Noch zögerte C., der für das nächste Jahr das Konsulat zu erlangen hoffte, mit der Ausführung seines Vorhabens. Endlich am Tage der neuen Wahlen, die bis zum 28. Okt. 63 verschoben worden waren, sollte mit der Ermordung Ciceros, des gefährlichsten Gegners, der Anfang gemacht werden. Aber Cicero, durch Fulvia, die Geliebte des Verschworenen Q. Curius, welcher ihr die Sache verraten hatte, benachrichtigt, erschien bei den Wahlen von einer Schar gerüsteter Ritter umgeben, sodaß die Catilinarier nichts zu unternehmen wagten; auch hatte der Senat schon 21. Okt. den Konsuln außerordentliche Vollmachten zum Schutze des Staats übertragen. Inzwischen ließ C. durch einen Sullanischen Veteranen, den Centurio L. Manlius, in Etrurien die Fahne der Empörung aufpflanzen; aber auch von seiten des Senats wurden endlich Gegenrüstungen veranstaltet. In der Nacht vom 6. bis 7. Nov. versammelte hierauf C. seine Genossen und eröffnete ihnen seine Absicht, sich, sobald Cicero getötet sein würde, was am Morgen des 7. Nov. geschehen sollte, in das Lager des Manlius bei Fäsulä (ietzt Fiesole) zu begeben; die Zurückbleibenden sollten Rom anzünden, die feindlichen Senatoren und Bürger ermorden. Auch hiervon erhielt Cicero Kunde. Als der Ritter Cornelius und der Senator Varguntejus, die es übernommen hatten, ihn bei einem Besuche zu ermorden, an seiner Thür erschienen, wurden sie abgewiesen. In der Senatssitzung, die am Tage darauf gehalten wurde, erschien auch C. mit stecher Stirn. Da trat Cicero gegen ihn mit einer heftigen und drohenden Rede (der sog. ersten Catilinarischen) auf. C.s Verteidigung wurde nicht mehr angehört. Doch wagte der Konsul immer noch nicht, thätlich gegen den Verbrecher einzuschreiten, sondern ließ ihn unge1 aus der Stadt ziehen, worauf er mit Manlius geächtet und der Konsul Antonius an der Spitze eines Heeres gegen die Aufrührer gesendet ward. Die Rüstungen, die Cicero in der Stadt anordnete, und die Erwartung, daß C. vor Rom rücken werde, bewogen Lentulus, der nach C.s Wegang die Leitung der Verschwörung übernommen s — an endlich ward der Ausbruch für die acht der Saturnalien (17. Dez.) festgesetzt. Cicero kam ihnen jedoch zuvor. Gesandte des kelt. Stammes der Allobrogen, die bei dem Senat Beschwerden angebracht hatten, waren von Lentulus, der durch sie ihr Volk zur Empörung zu bewegen hoffte, in das Geheimnis eingeweiht worden, hatten aber dem Cicero alles entdeckt. Dieser, dem an der Erlangung unbestreitbarer Beweise lag, wies sie an, sich von den Häuptern der Verschworenen Briefe mitgeben zu lassen, als wenn sie deren zum Ausweis bei ihrem Volke bedürften. Dies geschah; die Gesandten reisten mit den Briefen ab und wurden dann unweit der Stadt auf Ciceros Anordnung angehalten und zurückgeführt. Am 3. Dez. versammelte Cicero den Senat. Dahin wurde Lentulus und andere Verschworene, die am Morgen verhaftet worden waren, gebracht und bald durch die Aussagen der Allobroger sowie durch ihre eigenen Schreiben berführt. Noch am Abend des Tages benachrichtigte Cicero, dem zu Ehren der Senat ein Dankfest beschloß, das Volk in der dritten Catilinarischen Rede von den Vorfällen. Cicero berief dann 5. Dez. den Senat, damit er über das Verfahren gegen die Gefangenen Beschluß fasse; er selbst empfahl lin der vierten Catilinarischen Rede), wenn auch nicht direkt und bestimmt, die sofortige Hinrichtung derselben zu beschließen, und der Senat erklärte sich, trotz Cäsars Widerspruch, unter dem mächtigen Eindruck einer Rede des M. Porcius Cato, mit großer Mehrheit dafür, obgleich ein solcher Beschluß verfassungswidrig war, da es dem Senate keineswegs zukam, über einen röm. Bürger das Todesurteil auszusprechen. Noch am Abend desselben Tages ward die Hinrichtung in dem unterirdischen Gefängnis am Fuße des Kapitols vollzogen. Die zwei von C. zusammengebrachten, aber mangelhaft bewaffneten Legionen lösten sich zum Teil auf. Mit dem Reste versuchte C. sich nach Gallien durchzuschlagen, wurde aber im Jan. 62 bei Pistoria (jetzt Pistoja) von zwei Heeren, dem des Q. Metellus, der von Ariminum (Rimini) Aisker r war, und dem des Antonius, eingeschlossen. Es kam zur Schlacht zwischen C. und dem Heere des Antonius; von beiden Seiten ward mit der nich, sten Erbitterung gefochten. C. selbst stürzte sich, als er die Schlacht verloren sah, mitten in die Feinde und fand so den Tod wie die meisten seiner Krieger. Die Geschichte der Catilinarischen Verschwörung ist von Sallust (s. d.) in dem Bellum Catilinarium o (auch Liber de Catilinae conjuratione o genannt) dargestellt worden. ů Vgl. Hagen, «Catilinad (Königsb. 1854); Wirz, „C.s und Ciceros Bewerbung um den Konsulat für das J. 635 (Zür. 1864).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 72Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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