FeedCato (Marcus Porcius)
ErdkundeBrockhaus 1882

Cato (Marcus Porcius), zum Unterschiede von C. Censorius, seinem Urgroßvater (durch seinen zweiten Sohn Marcus Porcius C. Salonianus), der 118 gen oder, vom Orte seines Todes, Uticensis genannt, geb. 95 v. Chr., wurde, da er in frühester Kindheit beide Eltern verlor, in das Anab seines Oheims aufgenommen. Schon als mabe zeichnete er sich durch Ernst, Beharrlichkeit, Tiefe des Gemüts und Unerschrockenheit aus. Er diente zuerst im J. 72 gegen Spartacus mit Auszeichnung, ohne jedoch an dem Kriegshandwerk Gefallen zu finden. Von Macedonien, wo er im J. 67 als Kriegstribun stand, reiste er nach Per-Deruhn und —— von da den Athenodoros, einen erühmten Lehrer der stoischen Philosophie, in welche C. als Jüngling eingeweiht worden war und der er sein Leben Imdurch mit Begeisterung ergeben blieb, mit sich nach Rom. Hier verwaltete er im J. 65 die Quästur mit großer Sachkenntnis und Gewissenhaftigkeit. Die nächstfolgende Zeit, in der er 62 v. Chr. das Volkstribunat bekleidete, bot ihm, da Pompejus und Cäsar mit ihrem Streben nach der Obermacht immer offener hervortraten, reichliche Gelegenheit, seinen Eifer für Erhaltung des Staats, des Gesetzes und Rechts zu bethätigen. Die Tüchtigkeit seines Charakters, der Ruf seiner unbescholtenen Tugend und eine Beredsamkeit, die weniger durch Kunst als durch kernige Kraft und innern Gehalt sich auszeichnete, unterstützten ihn hierbei; aber er, fast der einzige, der aus reinen, uneigennützigen Gründen 10 die Republik kämpfte, vermochte nicht, zumal gegen einen ihm an polit. Genie weit überlegenen Gegner wie Cäsar, den innerlich zerrütteten Staat zu retten. Vergeblich widersetzte er sich der Bewerbung Cäsars um das Konsulat für das J. 59, seine Opposition trieb die Gegner nur zu desto rascherer Vereinigung unter sich selbst und mit dem reichen Crassus. Der Versuch, den er mit Cäsars Kollegen, Marcus Calpurnius Bibulus, machte, das agrarische Gesetz, durch welches jener Staatsländereien verteilte, zu verhindern, mißglückte, und er wurde trotz seines Widerstrebens genötigt, nach Cypern zu gehen, um die Insel, nach bsetzung des Königs Ptolemäus, zur Provinz zu machen. Nach seiner Rückkehr im J. 56 ward er auf dem Wege zu den Comitien, wohin er sich begeben wollte, um sich der Wahl des Pompejus und nißt, sind unter K aufzusuchen. Crassus zu widersetzen, verwundet. Mit seiner eigenen Bewerbung um die Prätur und mit seinem Widerstande gegen das Trebonische Gesetz, das den Konsuln auf fünf Jahre Provinzen und Heere verschaffte, vermochte er ni 91.„one vete Doch wurde C. im J. 54 Prätor. Zwar vereitelte er den Plan des Pompejus, im nächsten Jahre Diktator zu werden; aber als im J. 52 in der Stadt der Kampf zwischen den Anhängern des Clodius und Milo ausbrach, sah sich C. selbst genötigt, dafür zu stimmen, daß Pompejus zum Konsul ohne Kollegen ernannt würde. C.s Bewerbung um das Konsulat für das J. 51, bei der er verschmähte, die üblichen Mittel anzuwenden, scheiterte. ů Bei dem Ausbruche des Kriegs im J. 49 ging C. in die ihm zugeteilte Provinz Sicilien, gab sie aber auf, als Gajus Curio, der Cäsarianer, landete, da er zum erfolgreichen Widerstande nicht gerüstet war, und begab sich zu Pompejus, dem er übrigens durch seine strengen republikanischen Grundsätze unbequem war, weshalb man ihn lieber außerhalb der Hauptarmee verwendete. Als Pompejus dem C. nach Thessalien folgte, wurde C. in Dyrrhachium zurückgelassen. Nach dem Tode des Pompejus begab er sich in die Provinz Afrika, wo die Pompejaner sich im J. 47 sammelten. Das Heer verlangte ihn zum Oberbefehlshaber; er ordnete sich aber dem Konsularen Scipio unter, übernahm den Befehl in Utica und schlug vor, einer Schlacht auszuweichen und den Krieg in die Länge zu ziehen, sowie ihn selbst mit einer Abteilung nach Italien übersetzen zu lassen, um dadurch Cäsar zur Teilung seiner Macht zu der⸗ alle Scipio wies jedoch diesen Vorschlag, der allein noch helfen konnte, mit Hochmut ab. Auf die Kunde von Cäsars Sieg bei Thapsus sorgte er, da er bei dem Mangel an Soldaten und der feindseligen Haltung der Einwohner die Unmöglichkeit erkannte, Utica zu halten, für die sichere Flucht derjenigen Römer, welche namentlich Cäsars Rache zu fürchten hatten, sowie dafür, daß die in der Stadt bleibenden möglichst günstige Bedingungen von Cäsar erhielten. Während er auch die Fürbitte für seinen jungen Sohn Marcus annahm, verschmähte er es, für sich selbst um Cäsars Gnade zu flehen, und wählte, um des Staates Fall nicht zu überleben, den Tod durch eigene Hand. Eine Statue bezeichnete später den Ort am Meere, wo er begraben ward. Die Kinder Cis hatten des Vaters republikanische Gesinnung; seine Tochter Porcia tötete sich als Gemahlin des Marcus Brutus, sein Sohn Marcus fiel in der Schlacht bei Philippi. Gleich nach seinem Tode wurde die Person CE.s ein Streitgegenstand für die Parteien in mehrern Schriften. Den Anstoß gab eine Lobschrift Ciceros auf seine Person, wogegen zuerst Hirtius, dann Cäsar selbst Gegenschriften verfaßten. Auch später unter den julischen Kaisern wurde C. vielfach in Prosa und Versen gefeiert. Eine Biographie C.s ist von Plutarch überliefert. Vgl. Wartmann, Leben des C.y (Zür. 1859); Köchly in den Akademischen Vorträgen und Redend (Zür. 1859); Gerlach, «Marcus Porcius C. der Jüngere (Bas. 1866).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 75Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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