FeedCentral Provinces
ErdkundeBrockhaus 1882

Central Provinces, eine der Hauptabteilun-En der Präsidentschaft Bengalen (s. d.) des Indo-Britischen Reichs. Dieselben, fast in der Mitte der vorderind. Halbinsel zwischen 17² 34 und 24 8 nördl. Br. sowie 84 30 und 76, 40/ östl. L. (von Greenwich) gelegen, werden nordwestlich von der polit. Agentschaft Centralindien, nordöstlich von der Lieutenant-Gouverneurschaft der Untern Provinzen, östlich und südöstlich von der Präsidentschaft Madras, südlich und südwestlich von Haidarabad und westlich von Berar begrenzt. Sie enthalten ein Gesamtareal von 292769 qkm, von denen 218 092 den Engländern unmittelbar unterworfen sind, 74 677 aber einer Anzahl kleinerer Vasallenstaaten angehören. Bei diesem so beträchtlichen Flächeninhalte der C. ist ihre Bodenbeschaffenheit nicht allenthalben dieselbe. Den rößten Teil des Areals nimmt wellenförmiges sich mehr oder weniger hoch erhebendes, nicht selten Vhgstund be-Hügelland ein. Aus wirklichem Gebirgslande bestehen die C. sowohl in ihrem nördlichsten, sich weit in die Provinz Centralindien einschiebenden Teile durch die sich daselbst ausbreitende östl. Fortsetzun der Windhjiakette, die sog. Keimor Hills, als au in ihren südlichsten und westlichsten Teilen, wo sich die westl. Stufen der östl. Ghats in sie hineinerstrecken. Auch werden die C. durch die halbbogenförmig von W. nach O. streichende Kette des Satpuragebirges in eine kleinere nördliche und ungleich größere südl. Hälfte geteilt. Das Satpuragebirge bildet mit der östl. Hälfte der Windhjakette ein breites, von dem, die Grenze zwischen den C. und Centralindien bildenden mittlern Teile der Narbada durchströmtes Thal. Die größte zusammenhängende Ausbreitung von Flachland in den C. ist die Ebene von Chatisgarh in ihrer östl. Hälfte. Diese Ebene wird nördlich von dem mittlern und obern Laufe des Mahanadi, dem Hauptstrome der C., umfaßt. Außerdem werden dieselben im Süden von dem Sibri, dem Indrawatti und der Wain-Ganga, linken Nebenflüssen des Godawari, bewässert, während der untere Lauf des letztern einen Teil der Grenze zwischen den C. und Haidarabad, sein östlicher Arm, die Wardha, die Grenze zwischen den C. und Berar bildet. Die Narbada gehört nur mit ihrem obern Stromgebiete den C. an. Der in Kulturzustand befindliche Boden verhält sich zu dem Gesamtareal wie 1:3,76, der 110 kulturfähige wie 1:3,11, der nicht kulturfä ige wie 1: 2,140. Diesen letztern Teil nehmen hauptsächlich undurchdringliche Wälder und von Tigern bevölkerte Dschungels ein. Die fruchtbarsten, am besten bebauten und zugleich am dichtesten bevölkerten Gegenden sind die Den vom Satpuragebirge sowie die nördlich von dem renzflusse Wardha gelegenen, überhaupt die Flußgebiete, sowie auch die Ebene von Chatisgarh. Bodenerzeugnisse sind Baumwolle, Reis, Mais, Weizen, Zuckerrohr, Olsamen, Farbestoffe, 4 sowie Saflor, Opium, verschiedene Baumharze, sowie Bau⸗ und Nutzholz. Zahllose Bienenschwärme liefern Wachs in beträchtlicher Menge. In den nördl. Abhängen des Satpuragebirges finden sich Eisenerze und Steinkohlen. Das Klima ist heiß und im 1. Gegenden wenig gesund. Nur die höher gelegenen egenden Die Bevölkerung der C. belief sich beim Census von 1872 auf 10240539 Seelen, von denen 9066038 auf den unmittelbar unter der engl. Regierung stehenden Teil, 1174 201 aber auf die zu den C. ehörenden Vasallenstaaten kamen. Im J. 1881 beief sich die Gesamtbevölkerung auf 11 505 149 C., wovon 5801 794 männlichen, 5 703 355 weiblichen Geschlechts waren. Sie besteht hauptsächlich aus Gonds, welche vor der Stiftung des Reichs von Delhi in diesen Gegenden unter einheimischen Fürsten vier Staaten bildeten, sich später aber mit Radschputen vermischten; einzelnen Maharattenstämmen, wie die Kumbi; Hindus, wie die Kurmi, Katschi, Pomwar und Bagri, sowie auch aus hindostan. Stämmen aus dem Delkan. Die Zahl der Mohammedaner, Parsi, Perser und anderer Fremdlinge unter ihnen ist nur sehr gering. errschende Sprachen sind das Hindi im N. und O., im S. das Telagu, im W. das Maharattische, in den mißt, sind unter K aufzusuchen. abgelegenen Gegenden die Sprache der Gonds. Allgemeine Umgangssprache und jedem verständlich ist das Hindostani. Hauptbeschäftigungen der Bevölkerung sind Ackerbau und Rindviehzucht. Sie treibt verhältnismäßig wenig Handel und steht, was industrielle und technische Thätigkeit betrifft, auf einer sehr niedrigen Stufe. Die C. wurden erst bei Regierungsbeschluß vom 2. Nov. 1861 gebildet und bei Beschluß vom 30. April 1872 erweitert. Sie bestehen aus den Unterabteilungen, engl. Divisions, Chatisgarh mit drei, Dschabalpur, Nagpur und Narbada mit je fünf Distrikten und dem selbständigen Distrikt Ober-Godawari. Verwaltungschef der Provinz ist der zu Nagpur residierende Oberkommissar, engl. Chief Commissioner, während an der Spitze jeder Division Kommissare, engl. Commissioners, stehen und an der von Ober-Godawari ein deputierter Kommissar, engl. Deputy Commissioner, gestellt ist. Die zu den C gehörenden 15 Vasallenstaaten sind: Kawarda, Sakti, Kanker, Khairagarh, Khondka, Nandgaon, Bamra, Karond oder Kalahandi, Patna, Raigarh-Bargarh, Rairakhol, Saranghar, Sonpur, sämtlich zu der Division Chatisgarh, sowie Makrai zu der Division Narbada gehörend, und Bastar. Hauptorte sind Nagpur, Sitz der höchsten Verwaltungsbehörden, mit 84 441, Dschabalpur (Jubbel-Eulind mit 55 188 und Sangor mit 45655 CE. Den inländischen Verkehr, sowie den mit den benachbarten Provinzen und der Seeküste vermitteln teils Landwege in der Länge von 3345 Km, teils die genannten, innerhalb der C. in der Gesamtlänge von 1693 km schiffbaren Flüsse, teils aber auch mit 378 km die Great-India-Peninsula-Eisenbahn, sich mit ihrem Hauptzweige von Bombay durch das Narbadathal nach Nordosten, mit einem Nebenzweige aber direkt nach Nagpur erstreckend. Die Kaicht der genannten rohen Bodenerzeugnisse geschieht aus dem westl. Teile der C. hauptsächlich nach Bombay, aus dem östl. Teile aber auf dem Mahanadi und Godawari nach den an den Mündungen derselben gelegenen Hafenorten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 127Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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