Bengalen (lengl. Bengah) ist, in weitester Wort⸗ . der Name der nasten von den am stärksde bevõ erten und wichtigsten von den drei Präidentschaften des Indo-Britischen Reichs. (S. Ostindien.) Dieselbe umfaßt nämlich nach dem Census von 1881 ein Areal von 1674279 akm mit 162 607 990 E. An ihrer Spitze teht der Vizekönig-Generalgouverneur mit dem ndischen Rate Governor-geneéral of India in Councih). Sie entält gegenwärtig 10 Hauptabteilungen oder Provinzen, nämlich: 1) die Untern Provinzen oder B. im engern Sinne; 2) die Nordwestprovinzen mit Oude (engl. Oudh); 3) das Pendschab; 4) die Centralprovinzen; 5) Mysore; 6) Curg; Ranrmnnr Birma: 8 Assam; 9) Adschmir und airwara: 10) Berar. Dazu kommen noch die Tributärstaaten mit 455 422 qkm und 9445 563 C In dem Pendschab, den Untern und den Nordwestprovinzen stehen Lieutenant-Gouverneurs an der Spitze der Civilverwaltung; in Birma, Assam und den Centralprovinzen dagegen Oberkommissäre (Chief-Commissioners). düer und Mairwara, Berar, Mysore und Curg stehen unter direkter Verwaltung des Generalgouverneurs von Indien. B. im engern Sinne, ** die gegenwärtige Lieu-Gouverneurschaft B. oder der Untern Provinzen (Lower Provinces), umfaßt, seitdem 1874 Assam davon getrennt und zu einem besondern Oberkommissariat erhoben worden ist, 404541, mit den Tributärstaaten 502 926 qkm. Seine Grenzen sind im N. Nepal, Sikkim und Bhutan; im O. Assam und das der Meerourer im S. das letztere, Britisch-Birma, der Meerbusen von B., die Präsidentschaft Madras und die Central rovinzen; im W. die zu Centralindien gehörende gentschaft Bhagalkhand und die Division Benares der Nordwestprovinzen. Sich von 19. 15“ bis 26 15, nördl. Br. und 82? bis 92“ östl. L. (von Greenwich) ausbreitend, umfaßt B. die Landschaften und frühern Provinzen Soubahs) B., Behar, Orissa und Chota-Nagpur. it Ausnahme seines südl. Teils, der Division Chota-Nagpur, einer sich wellenförmig bis gegen 1000 meüber den Meeresspiegel erhebenden Bergebene, und des östlich an dieselbe angrenzenden, Cattack-Mahals genannten Teils der Division Orissa sowie der im NO. des +* von B. gelegenen Disahr u Chittagong besteht B. fast ganz aus einem sehr niedrig gelegenen Spatan Der Himalaja, durch Nepal, Sikkim und Bhutan von B. getrennt, erstreckt sich in letzteres kaum noch mit seinen untersten Stufen hinein. Die Niederung von B. bildet die untern Stromgebiete des Ganges (s. d.) und des Brahmaputra (s. d.). Der erstere tritt dort, wo auf Eud nördl. oder linken Seite die Ghaghra oder sardschu in ihn einmündet, aus den Nordwestprovinzen in B. ein; der andere, nachdem er eine Strecke lang die Grenze zwischen letzterm und Assam gebildet hat, südlich von der zu Assam gehörenden Division Goalpara. Der müftl. eil des Brahmaputra verbindet sich mit dem östl. Hauptarme des Ganges und ergießt sich unter dem Namen Megna in das Meer. Zwischen der vor seiner Mündung gelegenen . Rabnabad und der vor der Mündung des westichsten, Hugli genannten Armes des Ganges lie5.1915 nsel Sagar erstrecken sich, als Ende der eltabildung beider Ströme, namentlich aber der des Ganges, in der Breite von 260 bei einer Länge von 75 Em und ein Areal von 17674 akm enthaltend, die Sunderbunds (Sanskr. Sundarivana), ein Labyrinth von Meereseinbuchtens owie größern und kleinern mit Wald und Dschangelgebüsch bedeckten useln, Sand⸗ und Schlammbänken, zwischen denen ich zahlreiche schmälere oder breitere, teilweise selbst für ** Schiffe fahrbare Wasserwege durchwinden. Die Sunderbunds bilden eine besondere Division. Sie sind sparsam bevölkert, nur zum kleinsten Teile in Anbau gebracht und die Brutstätte miasmatischer Krankheiten. Durch die Vereinigung des Brahmaputra mit dem Ganges, die vielen und Die aalre Nebenflüsse zu beiden Seiten des letztern, die zahlreichen, häufig miteinander in Verbindung stehenden Arme, durch welche er sich in das Meer ergießt, ist B. eins der am besten bewässerten und an Wasserwegen reichsten Länder auf der Erde. Daher war dasselbe, bis es in verschiedenen Richtungen von Eisenbahnen her Derteh wurde, sehr arm an Landwegen, und aller Verkehr A Was und geschieht auch jetzt noch hauptsächlich zu Wasser. Bei der hohen, 25,7 C. betragenden mittlern ahrestemperatur, welche während des kältesten Monats (Januar) nur auf 18,1 sinkt, in dem heic sten Monate (Mai) aber bis auf 31,5 C. steigt, trägt der Ganges dadurch, daß er fortwährend eine ewaltige diese Schlammes mit sich nach unten sn und diesen auf die von ihm durchströmten tiederungen absetzt, sobald er während der periodischen Regenzeit über seine Ufer tritt, in hohem ** zu der außerordentlichen Fruchtbarkeit von B. bei. Diese jährlichen, sich weit über das Delta hinauf erstreckenden übers I* setzen namentlich das zwischen dem Ganges und dem Brahmaputra gelegene Land auf Hunderte von Quadratmeilen unter Wasser. Die große Feuchtigkeit der 1e in B. wird teils durch die Menge der Flusse, teils aber durch den starken, jährlich 1„8 bis 2,3 m betragenden Regenfall bedingt. Was die Erzeugbobl etrifft, so finden sich daselbst Eisenerze, Steinkohlen, Salpeter, ein roter, vortreffliches Baumaterial gebender Sandstein und, wiewohl in geringerer Menge, zu Sumbalpur in Ori a Gold und Diamanten. Salz wird in enge in den Sunderbunds bereitet. Aus dem Tierreiche kommen daselbst Elefanten, Rhinocerosse, wilde Schweine, Antilopen, Hirsche, Rehe, wilde Büffel und wilde Ochsen (Gayal), von Raubtieren Tiger, Panther, Bären, Wölfe, Luchse und Füchse sowie mehrere Arten wilder Hunde vor. Von Affen wimmelt es in allen Wäldern. Von Haustieren finden sich daselbst, außer dem gezähmten Elefanten, Büffel, Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen. Die Pferde sind teils aus Arabien und Persien eingeführt, teils in B. von einheimischer Rasse gezeugt. Letztere stehen bedeutend hinter den erstern urück. An Geflügel ist allenthalben Überfluß. Seidenwürmer und Bienen, letztere namentlich des Wachses wegen, werden in großer Menge gezogen. Haupter eugnisse des Pflanzenreichs sind eis, das Hauptnahrungsmittel, in einer Menge von Spielarten Weizen, Gerste, mehrere Arten von Ete, die . Mais, verschiedene Ol⸗ und Hülsenfrüchte, die Rizinus⸗ und Sesampflanze, Ingwer und Spanischer Pfeffer, die meisten europäischen und viele einheimische Gemüsearten. Von Fruchtbäumen werden hauptsächlich Mangas, der ganzblätterige Brotfruchtbaum (Artocarpus integrifolia), viele Arten von Citronen⸗ und Orangebäumen, Tamarinden, Kokos⸗, Dattel⸗ und Arekapalmen, Bananen, Guavas und Maulbeerbäume ezogen. Vorzugsweise für den Handel und die ussuhr angepflanzte Gewächse sind Baumwolle, Indigo, Kaffee, Saflor, Hanf, Flachs, Tabak ucker⸗ — und für die Gewinnung des Opiums Mohn. ie Lieutenant-Gouverneurschaft B. besteht aus den neun Divisionen: Bhagalpur, Bardwan, Chittagong, Chota-Nagpur, Dacca, Orissa die Präes ganzen Indo-Britischen Reichs, Patna und Radschahi mit Kuch-Behar, welche wieder in 44 Distrikte zerfallen. In jeder Division steht ein Beamter mit dem Titel Kommissar an der Spitze der Civilverwaltung. Die Bevölkerung ist außerordentlich zahlreich und belief sich 1881 auf 68 750 747 Seelen, sodaß durchschnittlich auf jeden Quadratkilometer 169 Seelen kamen. Die Tributärstaaten ählen außerdem noch 2328 440 E. Die ungeheuere Bichtigkeit der Bevölkerung in einzelnen Gegenden ist eine der Ursachen von der in B. trotz seiner überden Hungers Fruchtbarkeit so häufig vorkommenen Hungersnot, durch welche noch in den J. 1866 und 1873—74 viele Hunderttausende um das Leben kamen. Etwa ein Dritteil der Bevölkerung (32 Proz.) besteht aus Mohammedanern 64 Proz. sind indus, der Rest Buddhisten und Christen. Die Mohammedaner sind aber nur zum kleinsten Teile Nachkommen der alten mohammed. Eroberer von Hindostan, sondern hauptsächlich im Laufe der Zeit zum Slam konvertierte Hindu der u auch kei Kasten. Dieselben, ungleich verteilt, leben auch keineswegs vorzugsweise an den frühern Hauptsitzen der mohammed. Machthaber. Ihre Zahl ist auch im Zunehmen. uptsprachen ind das Hder Nepa oder Urdu, das engali und das Orissa oder Urya. (S. Indi che Sprachen.) Zwei Dritteile der Bevölkerung sind Landbauer. Die inländische Industrie — durch die massenhafte, stets zunehmende Einfuhr aller nur denkbaren engl. Manufakte außerordentli elitten Die früher so berühmten, ausgebreiteten Musselin reien zu Balasore fast gänzlich zu Grunde egangen 905 und um Kalkutta bestehen jedoch ½ edeutende Fabriken von groben Baumwo stoffen. Segeltuchwebereien, Seilereien, Zuckerraffinerien mbrennereien unb Gerbereien. Zu Cossipur au dem linken Hugliufer, befindet sich eine Stückgi i, wo jährlich gegen 200 Kanonenrohre sehr ben werden können. Der Handel von B. ist sehr beträchtlich. Die H1π 1 besteht hauptsächlich in Baumwolle, Rum, Reis, Indigo, Zucker, Salpeter, Lak, Seide, Opium, Kaffee und Tabak, die Einfuhr hauptsächlich in en I. Baumwollmanufakten, Salz, Eisen, Kupfer, 6 und fat ausschtt Die Ausfuhr wie die hr finden fa anern, dehr über Kalkutta (. d.) statt. Für den innern, sehr ausgebreiteten Handelsverkehr sind der Ganges mit seinen zahlreichen Armen, Nebenflüssen und den Verbindungen derselben untereinander noch immer die Hauptstraßen. Landwege vermitteln den Verkehr mit Nepal, Silkim, Bhutan und Tibet. Durch Eisenbahnen steht B. mit allen Teilen der vorderind. Halbinsel in Verbindung. Innerhalb der Lieutenant-Gouverneur-Ban sind die Cast-Indian⸗ und die Castern-Bengalahn in Betrieb. eschichte. Von der ältesten Geschichte von B. ist nur Ben 2 bekannt, und dieses Wenige besteht zum großen Teil in halb mythischen Legenden. Erst mit den Einfällen der Mohammedaner in Indien en die Überlieferungen zuverlässiger. 1203 wurde B. von letztern erobert und 1225 mit dem 2 8⸗ Delhi vereinigt. Später, 1279, ver⸗ —— „ es der Gouverneur von B., Tograb, sich unabhängig zu machen. Er nahm den Königstitel an, unterlag aber in dem zwischen ihm und seinem Gebieter entstandenen Kriege. Auch die spätern Statthalter den Derfus mit größerm oder geringerm olge den Versuch, sich von der Herrs⸗ ft von hi zu befreien, sodaß die Geschichte von B. während des Mittelalters nur in einer Rei enfolge von Revolutionen und Usurpationen für kürzere oder längere aung bestand. Erst dem atdem Nen Akbar „d.) gelang es, B. wieder fest mit dem Reiche von elhi zu vereinigen. Seit 1585 wurde es von Subahdars oder Vizekönigen verwaltet. Als die Engländer 1633 die Erlaubnis 1sedase atten, in . Handel zu treiben, errichteten sie daselbst Faktoreien und breiteten sich mehr und mehr aus. Unter ihren aktoreien waren die zu Hugli und Cossimbazar die edeutendsten. G J. 1698 erhielten sie das Recht, dieselben — befestigen. Vier ber später verlegten sie die Faktorei von Hugli nach dem e Eschakannttl Kalkutta, nachdem sie diesen Ort sowie Tschatanutti und Govindpur angekauft hatten. Im J. 1756 vertrieb der Statthalter von B., der, dieselben aus ein erbitterter Feind der Engländer, dieselben aus Cossimbazar und rückte vor Kalkutta, welches sich na kurzer Verteidigung übergeben mußte. Die gefangenen Engländer wurden in die so berüchtigt gewordene Schwarze Höhle geworfen, wo der größte Teil von ihnen umkam. Der Generalgouverneur Clive aber nahm 1757 Kalkutta wieder ein. Der Friede wurde Ailcessen, aber sehr bald kam es zu neuen Feindseligleiten, welche zu der die Macht der Engländer in Indien begründenden Schlacht von Plassy führten. Wenige 7 I.Alar 1765, wurden von dem Großmogul Schah-Alam die Provinzen Frindische L Behar und Orissa an die Englischindische Kompagnie übertragen. Litteratur: Vgl. Dalton, Descriptive ethnology of Bengals (Kalk. 1872); Barton, „Bengal. An account of the country from the earliest timeso (Lond. 1874); Hunter, Statistical account of Bengals (5 Bde., Lond. 1875).