Champollion (Jean Frangois), der Begründer der Agyptologie, insbesondere der Hieroglyphenkunde, geb. 23. Dez. 1791 zu Figeae im franz. Depart. Lot, erhielt seine Bildung seit 1801 zu Grenoble bei seinem ältern Bruder, wo er schon mit besonderer Vorliebe das Studium der kopt. Sprache und des ägypt. Altertums betrieb. Im J. 1807 überreichte er der Akademie von Grenoble eine Arbeit über die ägypt. Städtenamen, welche er aus der kopt. Sprache zu erklären suchte. In demselben Jahre ing er nach Paris, um dort seine orient. Studien ortzusetzen, kehrte nach zwei Jahren wieder nach Grenoble zurück, wo er eine Professur an der dortigen Fakultät übernahm, wandte sich aber nach kurzer Wirksamkeit wiederum nach aris, wo er sich fortan ausschließlich dem Studium des ägypt. Altertums widmete. Von 1824 bis 1826 hielt er sich zu diesem Zwecke in Italien besonders zu Turin, dann in Florenz, Rom und Neapel auf. Nach seiner Rückkehr erhielt er die Aufsicht über die ägypt. Sammlungen des Musée Charles Xzu Paris und schrieb seine Notice descriptive des monuments du musée des antiquités égyptiennes (Par. 1827). Im J. 1828 ward C. von Karl X. mit Zeichnern und Architekten in das Land seiner Forschungen gesandt, das er in Gemeinschaft mit der Expedition Rosellinis durchwanderte. über den Vexlauf dieser Reise berichten die «Lettres écrites d'Egypte et de Nubie o (Par. 1833; neue Ausg. 1867; deutsch, Quedlinb. 1835). Nach seiner Rückkehr erfolgte 1830 seine Aufnahme in die Akademie der Inschriften, und ein Jahr später, 18. März 1831, wurde für ihn der erste ägypt. Lehrstuhl am College de France gegründet. Doch starb er schon 4. Marz 1832 zu Paris. C.s Forschungen waren auf alle Cein der ägypt. Altertumsforschung gerichtet. Sein Hauptverdienst besteht 1 darin, daß er die von dem Engländer oung aufgestellte Hypothese über die Natur der Hudoontuss einesteils berichtigte und ergänzte, andernteils für die Lesung der altägypt. Inschriften fruchtbar machte. (S. Hieroglyphen.) Seine ersten, aber bereits entscheidenden Entdeckungen legte er in der berühmten Lettre à Monsieur Daciero (Par. 1822) nieder. Dieser folgte 1824 die ausführliche Darlegung seines Systems in dem Précis du système hiéroglyphiquen (2 Bde., Par. 1824; 2. Aufl. 1828), während die Hauptwerke seiner Thätigkeit, die (Grammaire égyptiennen (Par. 1836—41) und das Dictionnaire égyptieno (Par. 1842—44) erst nach seinem Tode durch seinen Bruder C.- igeac veröffentlicht wurden. Von C.s übrigen Werken sind noch besonders hervorzuheben: L'Egyptesous les Pharaonso (2 Bde., Par. 1814), welches jedoch nur die geogr. Beschreibung des Landes enthält; De Lécriture hiératique des anciens Egyptiensv (Grenoble 1821, Fol.), jetzt, wie es scheint, in allen Bibliotheken außer in der großen von Paris, verschwunden; Panthéon égyptieno mit den Zeichnungen von Dubois (Heft 1—15, Par. 1823—31), unvollendet geblieben; Lettres à Monsieur le Duc de Blacaso (2Tle., Par. 1824 - 26), in denen er den Grund zu den chronol. Bestimmungen der nach den Denkmälern rekonstruierten Dynastien des Manethös legte; KMonuments de I'Egypte et de la Nubiep (4 Bde., Par. 1835—45, mit 400 Kupfern) nebst den dazugehörigen Notices descriptivesop (begonnen 1844, neuerdings wieder aufgenommen); Mémoire sur les signes, employés par les anciens Egyptiens à la notation des divisions du tempso (Par. 1841).