Chase (Salmon Portland), amerik. Politiker, eb. 13. Jan. 1808 zu Cornish im Staate Neu-Humpshire, erhielt seine erste Erziehung bei einem Onkel, dem Bischof Philander C. in Ohio, vollendete seine Ausbildung in seiner Heimat, graduierte 1826 im Dartmouth-College und ließ sich bald darauf als Privatlehrer in Washington nieder, wo er sich der besondern Gunst Henry Clays und des berühmten Juristen W. Wirt erfreute. Nachdem er sich bei letzterm als praktischer Jurist ausgebildet hatte, zog C. 1829 nach Cincinnati, wurde hier bald einer der gesuchtesten Advokaten und erwarb sich ein besonderes Verdienst durch Sammlung und Kommentierung der Statuten des Staates Ohio. Vielfach von den aus Kentucky und andern Grenzstaaten nach Ohio geflüchteten Sklaven als Verteidiger und Anwalt engagiert, widmete er der Frage, ob und wieweit die Bundeskonstitution die Schwarzen schütze, seine besondere Aufmerksamkeit und erlangte einen ausgebreiteten Ruf als einer der beredtesten Vorkämpfer für die freiheitliche Auslegung der Verfassung. C. war einer der ersten, welcher konstitutionell nachwies „daß die Sklaverei eine rein örtliche Angelegenheit sei und daß die Verfassung stets zu Gunsten der Freiheit interpretiert werden müsse. So wurde er einer der Begründer der spätern republikanischen Partei. Im J. 1851 als Vertreter dieser damals noch als ketze risch geltenden Grundsätze zum Senator in Washington gewählt, zeichnete er sich hier besonders als Gegner der Nehraska-Bill und als warmer Anwalt der Heimstätte-Bill und Pacific-Eisenbahn aus. Er wurde 1855 zum ersten mal und 1857 zum zweiten mal zum Gouverneur des Staates Ohio gewählt. Lincoln ernannte ihn bei seinem Amitsantritt 4. März 1861 zum Finanzminister, von welcher bewar C. 30. Juli 1864 zurücktrat. Seine Aufgabe war keine leichte, und er vermochte trotz allem guten Willen nicht, sie befriedigend zu lösen. Zunächst ging er zu einer Zeit, wo gute Geld. Lur Per noch ausgereicht hätten, von der Gold-zur Papierwährung über, dann wirtschaftete er ohne Vorsicht und warf seine Anlehen im Augenblicke auf die Börse, wo der Markt nicht im Stande war, sie günstig aufzunehmen. Sobald er aber Geld besaß wies er günstige europ. Angebote ab und vermehrte das unfundierte Papiergeld ganz unverhältnismäßig. Präsident Lincoln ernannte ihn Anfang Dez. 1864 zum obersten Richter (Chiet Justice) des höchsten Gerichtshofs (Supreme Court) der Vereinigten Staaten, das höchste Amt auf Lebenszeit, das die Verfassung der Union kennt. Sein Versuch, bei der Präsidentenwahl von 1868 die Stimmen der Demokraten als ihr Kandidat zu erhalten, schlug fehl. Seitdem war C. politisch ohne Bedeutung. Er starb bei einem Besuche in der Stadt Neuyork 7. Mai 1873.