FeedChasidim
ReligionBrockhaus 1882

Chasidim (d. i. die Frommen) ist die Bezeichnung einer neuern jüd. Sekte, deren Ursprung auf Wund aus Mindziboz, gewöhnlich Baal-Schem underthäter), abgekürzt: Bescht (um 1750), zurückgeführt wird. Verzückungen und angebliche Visionen verschafften ihm den Ruf eines Wundermannes, eines Abgesandten Gottes, und führten ihm eine große Anzahl Anhänger zu. Gleich den ältern Kabbalisten trat er feindselig und spöttelnd gegen den Talmud auf, unterschied sich aber von ihnen dadurch, daß er nicht ein düsteres, ascetisches Leben, sondern im Gegenteil Fröhlichkeit und Lebensgenuß als Kriterien eines gottgefälligen Daseins bezeichnete. Das Gebet besonders müsse aus einer angeheiterten Stimmung hervorgehen. Eine solche pflegte dann auch auf eine ziemlich rohe Weise erzeugt zu werden, durch Genuß geistiger Getränke, Springen, Händeklatschen, Lärmen und Schreien, wozu noch Waschungen nach Weise der alten Essäer und eigentümliche Kleidung traten. Nach ihm fanden sich bald feinberechnende Köpfe, die 18 den Anschein eines Verkehrs mit himmlischen Kräften gaben, Wunderkuren ausführten und durch ihre Anhänger die abenteuerlichsten Berichte über ihre Wunderkraft verbreiten ließen und die sich stets mehrende Zahl der Hilfesuchenden brandschatzten. Vergebens traten angesehene Rabbiner, wie Elia Wilna (gest. 1798), gegen die unjüd. Neuerungen, gegen die Verspottung des Talmud, gegen ihre blödsinnigen und ketzerischen Schriften auf. Noch in der Gegenwart treiben die Zaddikim oder Rebbes, wie sich diese angeblichen Gottesmänner nennen lassen, ihr sehr einträgliches, auf Aberu und Unbildung beruhendes Unwesen und ilden eins der wesentlichsten Hindernisse für die Verbreitung von Kultur bei den Juden Galiziens und Rußlands.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 202Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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