Chaudes-Aigues, Chaudesaigues (Calentes Aquae der Römer), Städtchen und stark besuchter Badeort im Arrondissement St.⸗Flour des franz. Depart. Cantal in der Auvergne, am Fuße des Aubracgebirges, 58 km östlich von Aurillac, in 650 m Meereshöhe in der tiefen Thalschlucht des Baches Remontalou, der in die Truyere, einen Zufluß des Lot, sich ergießt, gelegen. Der Ort zählt 1200 E., welche Webereien, Gerbereien, Leimsiedereien und Färbereien unterhalten und beträchtlichen Handel mit Wachs und Zinndraht treiben. Die aus vulkanischen Felsen hervorbrechenden erdigalkalischen Thermalquellen haben 57 bis 81. C., die Par-Quelle ist die heißeste Frankreichs. Das Wasser wird zum Trinken, Baden und Douchen hauptsächlich gegen rheumatische Leiden ebraucht, von den Einwohnern außerdem in der Hauswirtschaft und im Winter sogar zum Heizen der zur ebenen Erde gelegenen Zimmer, zum Kochen und Waschen benutt, indem die Quellen durch kleine Kanäle in alle Häuser geleitet worden sind. Jährlich kommen etwa 1000 Gäste zu diesem Badeorte. Von ö den 450 Häusern werden 360 durch die Quellen bis 26 warmgeheizt. Auch befindet sich ein künstlicher Brütofen im Orte. In der Nähe ist die kalte Eisenquelle Condamine, und bei dem Dorfe Sain te-Marie sind zwei eisenhaltige Natronsäuerlinge, deren Wasser viel versandt und besonders häufig in C. getrunken wird. Chandet (Antoine Denis), franz. Maler und Bildhauer, geb. zu Paris 31. März 1763, war ein Schüler von den eis trug bereits in seinem 21. Jahre den ersten Preis bei der Akademie davon. Hierauf ging er nach Rom, wo er als Bildhauer die Werke des klassischen Altertums sich zu Mustern nahm und zugleich im Verein mit Drouais Skizzen malte, die großes Talent bekundeten. Im J. 1789 kehrte er nach Paris zurück und wurde nun Mitglied der Akademie, bei der er später als Professor seine Kunst lehrte. Seine erste größere Arbeit war ein Basrelief unter dem Peristyl des Pantheon, einen sterbenden Krieger darstellend, den der Genius des Ruhms unterstützt. Sodann arbeitete er die Statue Napoleons J., welche im Saale des Gesetzgebenden Körpers aufgestellt wurde, das Basrelief, welches die Dichtkunst darstellt, im innern Hofe des Louvre; die Statue des Friedens für den Palast der Tuilerien; die des Cincinnatus für den Saal des Senats; die Büsten Sebastian Bourdons, Belisars, Malesherbes, Denons, Fourcroys, des Kardinals Maury, Sabatiers und Leroys. Zu seinen schönsten Werken gehört die Statue eines jungen Mädchens, welches über eine Sinnpflanze, die unter ihren Händen sich zusammenzieht, in Erstaunen und Nachsinnen gerät, und die des jungen Cyparissus. In Deutschland sind seine Werke selten. Der Graf Fries in Vöslau bei Wien besitzt die herrlichen Marmorbüsten seines Vorfahren Moritz und dessen Gemahlin Maria Theresia. C. starb zu Paris 19. April 1810. Chanudiere, Fluß in Canada, Provinz Quebec, kommt aus dem Meganticsee in der Nähe der Grenze der Vereinigten Staaten als ansehnlicher Strom, fließt nach NNW., dann durch ein goldführendes Terrain und mündet, 500 m breit, etwa 12 km oberhalb von Quebec in den Lorenzstrom. Kurz vor seiner Mündung macht er den 30 m hohen Chaudièrefall, einen der wasserreichsten und imposantesten in Amerika. Sein Lauf vom See hat 200 km Länge. Chandordy (Emile, Graf von), franz. Staatsmann, geb. um 1825, studierte an der Rechtsschule zu Paris und trat dann 1850 in den diplomatischen Dienst. Er wurde Attachs bei der franz. Gesandtschaft in Rom, wurde später andern Gesandtschaften beigegeben und unter dem Minister Drouyn de l'Huys Direktor im Ministerium des Auswärtigen, in welcher Stellung er auch unter dessen Nachfolgern bis zum Sturz des Kaiserreichs sich erhielt. Als nach der Revolution vom 4. Sept. 1870 Jules Favre die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten übernahm, wurde C., der schnell seine polit. Farbe gewechselt hatte, in seinem Posten bestätigt. Er siedelte Mitte Sept. 1870 mit der Delegation der neuen Regierung zuerst nach Tours und später, im Monat Jan. 1871, nach Bordeaux über, und zwar als Stellvertreter Jules Favres in der Verwaltung des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten. Der Name C. wurde erst in weitern Kreisen durch seine beiden Rundschreiben vom ö 10. Okt. 1870 an die europ. Kabinette bekannt, in welchen er, gegenüber den beiden Erlassen des Grafen Bismarck vom 13. und vom 16. Sept., das Recht Deutschlands, durch Annektierung von franz., ehemals zum Deutschen Reiche gehörigen Gebietsteilen seine Grenzen gegen eine erneuerte Invasion Frankreichs zu schützen, bestritt und nachzuweisen huchte, daß durch die Abtretung von Elsaß und Lothringen an Deutschland Frankreich zu einer Macht zweiten Ranges herabsinken würde. Zwei spätere Rundschreiben (vom Nov. 1870 und Jan. 1871) beschuldigten die Deutschen einer barbarischen Kriegführung und suchten die Anklagen Bismarcks gegen die franz. Gesetzwidrigkeiten und Brutalitäten zu entkräften. Sein Hauptstreben war, England zu einer diplomatischen Intervention zu bewegen. Diesem Zweck galten verschiedene seiner Noten. Odo Russell, dem diplomatischen Agenten im versailler Hauptquartier, schlug er im Dez. 1870 vor, dem Grafen Bismarck die Wahl zwischen folgenden drei Vorschlägen zu lassen: entweder Waffenstillstand mit der Bedingung der Verproviantierung der Hauptstadt, um eine Nationalversammlung zu wählen, oder Friedensschluß ohne Gebietsabtrekung, oder Einberufung eines europ. Kongresses zur Erörterung der zwischen Frankreich und mißt, sind unter K aufzusuchen. Deutschland schwebenden Fragen. Als sich im März 1871 das Nationalverteidigungskomitee auflöste und Thiers an die Spitze der Verwaltung getreten war, fand C. zunächst keine Verwendung. Am 8. Febr.1871 in die Nationalversammlung gewählt, hielt er sich zur konservativen Rechten, ohne eine parlamentarische Rolle zu spielen. Unter dem Ministerium Broglie wurde C. 5. Dez. 1873 zum Gesandten für die Schweiz ernannt und 3. Okt. 1874 zum Botschafter in Madrid. Unter dem Ministerium Dufaure 1876 als außerordentlicher Bevollmächtigter zur Konferenz von Konstantinopel abgesandt, machte er durch feindselige Kundgebungen gegen Deutschland von sich reden. Es war bezeichnend, daß Gambetta, als er 14. Nov. 1881 das Ministerium übernahm, C., an die Stelle des zurücktretenden Generals Chanzy, zum Botschafter in Petersburg ernannte. Bevor er aber diesen Posten antrat, wurde Gambetta (26. Jan. 1882) gestürzt. Das nachfolgende Ministerium Freycinet bestätigte die Ernennung C.s nicht, sondern ließ denselben auf seinem Posten in Madrid.