Chenier (Marie Joseph de), franz. Dichter, geb. 28. Aug. 1764 zu Konstantinopel, wo sein Vater, der als histor. Schriftsteller bekannte Louis de C., damals Generalkonsul war, nahm Anteil am Nasttionalkonvent und an allen 1. Versammlungen bis 1804 und beschäftigte sich in denselben besonders mit öffentlichen Unterrichtsangelegenheiten. Er wurde zum Mitglied des Nationalinstituts ernannt, dessen Stiftung er eifrigst befördert hatte, und nachher Oberaufseher des allgemeinen Unterrichtswesens, mußte aber seine Stelle aufgeben, als sich Napoleon zum Kaiser krönen ließ. Er starb 10. Jan. 1811. Eine Ausgabe seiner sämtlichen Werke erschien (Par. 1826) in 8 Bänden. C. ist der Hauptdramatiker der Revolution. Seine Tragödien, wie «Charles IXy (1789 bis 1798 häufig aufgeführt), La mort de Calasv (1791), Caius Gracchuso (1792), Fenélono (1793), bestes Trauerspiel), Brutus et Cassiusv, haben die Tendenz, die willkürliche Staatsgewalt und die geistliche Tyrannei zu bekämpfen. Außerdem schrieb er Episteln (wie La Calomniev), patriotische Hymnen und Lieder, wie Le chant du départo, von Mehul in Musik gesetzt, und Veillons mißt, sind unter K aufzusuchen. au salut de 'Empires, und ein Tableau historique] des progrès de la littérature française depuis ö 1789 (6. Aufl., Par. 1834).