Chemnitzer (Iwan Iwanowitsch), russ. Fabeldichter, geb. 1745 in Enotajewsk (Gouvernement Astrachan), stammte von deutschen, angeblich aus Chemnitz in Sachsen eingewanderten Eltern und beann auf des Vaters Wunsch, der Militärarzt war, dedizin zu studieren, konnte aber seinen Widerwillen gegen die Anatomie nicht überwinden und nahm deshalb 1757 Kriegsdienste, aus welchen er nach mehrern Feldzügen 1769 als Lieutenant austrat. Da es ihm an allen Subsistenzmitteln fehlte, war er froh, endlich beim Berg-Kadettenkorps angestellt zu werden. Mit einem seiner Gönner besuchte er 1776 Deutschland, Frankreich und Holland. Hierauf wurde er Hüttenverwalter, mußte aber 1781 sein Amt aufgeben, weil sein Gönner aus dem Dienste getreten war. Um sich und einer alten Mutter den Unterhalt zu sichern, nahm er das ihm angebotene Amt eines Generalkonsuls in Smyrna an, wo er jedoch bald in unheilbare Melancholie verfiel. Er starb 20. März 1784. C. war es, der zu einer Zeit, in welcher der franz. Pfeudoklassizismus in Rußland die unumschränkteste Herrschaft übte, der russ. Fabel zuerst den nationalen und zeitgemäßen Charakter verlieh, wodurch sich später die sihor ocret Fabeln auszeichneten. Ein fast kindlicher Charakter, in dem Geist mit Herzensgüte gepaart war, machte ihn Lafontaine ähnlich, von dem er auch manches entlehnt hat, namentlich aber übersetzte er aus Gellert. Seine Fabeln erschienen während seines Lebens anonym (1778—8 und kamen erst 1799 unter seinem Namen heraus. Die besten Ausgaben sind die von Ponomarew (3 Hefte mit Biographie, Mosk. 1836), von Smirdin (Petersb. 1847) und besonders die neueste: C.s Schriften und Briefwechsele (herausg. von J. Grot, Petersb. 1873).