Cherubini (Maria Luigi Carlo Zenobio Salvatore), einer der hervorragendsten neuern Komponisten, geb. zu Florenz 14. Sept. 1760, hatte, nachdem er von seinem Vater (Musiklehrer und Accompagnateur am Pergola-Theater) den ersten musikalischen Unterricht erhalten, Bartolomeo Felici und dessen Sohn Alessandro, sowie Pietro Bizarri und Giuseppe Castrucci zu Lehrern in verschiedenen Zweigen der Tonkunst. Schon von seinem 13. Jahre an lenkte er durch kirchliche und weltliche Kompositionen die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich, und Ende 1777 wandte er sich, mit einem Jahrgeld vom Großherzog Leopold II. von Toscana versehen, behufs höherer Ausbildung noch an Sarti in Bologna. Mit Eifer und Beharrlichkeit arbeitete er unter den Augen dieses Meisters auch als dieser 1779 als Domkapellmeister nach Mailand ging, bis ins Jahr 1780, wo er seine erste Oper „Quinto Fabios zu Alessandria auf die Bühne brachte. Dieser folgten bis 1784 noch sechs bis sieben andere 6, an schon i ital. Theater. Sodann begab er sich, nun schon ein berühmter Komponist, nach London, wo er 1785 und 1786 die Opern La linta principessay und (Giulio Sabinop lieferte. Seit 1786 wurde Paris C.s zweite Heimat, von wo aus er 1787 abermals nach London und dann nach Turin ging, in letzterer Stadt seine Ifigenia in Aulide mit großem Erfolg auf die Bühne bringend. Seine erste franz. Oper, Démophoonv (1788), machte kein großes Glück. Von 1789 bis 1792 war er bei der neuerrichteten Italienischen Oper als musikalischer Regisseur und als Komponist beschäftigt; 1795 wurde er einer der Inspektoren des Konservatoriums. Im J. 1791 ließ er die Lodoiskay zur Aufführung fand welche Oper nicht nur ungemeinen Beifall fand, sondern auch eine gänzliche Umwandlung seines dramatischen Stils bekundete. Dieser neue Stil äußerte zugleich so mächtige Wirkungen, daß fast alle bessern damaligen franz. Opernkomponisten der neuen Weise nachstrebten. C. selbst veröffentlichte, auf der eingeschlagenen Bahn fortschreitend, an bedeutenden dramatischen Werken 1795 Elisa, ou le mont St.-Bernardo, 1797 (Médéer (eine seiner großartigsten Opern), 1798 &L'hoötellerie portugaiseos, 1799 La punitiono, 1800 lärste Oper), 1803 &Anacréon, ou l'amour fugitifo, 1804 das große Ballet Achille à Scyroso. Nach Wien berufen, ging dort Anfang 1806 seine Oper „Faniskas in Scene, welche mehr die Bewunderung der Kenner als die Gunst des Publikums erhielt. In die folgenden Jahre fallen die Opern und Les Abencérageso (1813). So hochgeehrt auch sein Name in der Musikwelt war, blieb do die äußere Lage C.s eine wenig glänzende, da seine Inspektorstelle am Konservatorium nur gering dotiert war und er noch dazu wegen freimütiger Außerungen dem Kaiser Napoleon IJ. gegenüber sich dessen Ungnade zugezogen hatte. Infolge seiner gedrückten Lage verließ er sogar 1808 Paris und lebte einige Zeit in Zurückgezogenheit beim Prinzen von Chimay. Hier widmete er sich vorzugsweise der Kirchenmusik, der er von nun an seinen Hauptruhm verdanken sollte. Nach der Restauration der Bourbons verbesserte sich allmählich seine Stellung; er wurde 1816 Surintendant der Königlichen Kapelle, für die er eine große Anzahl von kirchlichen Tonstücken schrieb, darunter die prächtigen Messen und das herrliche Requiem in C-moll. In demselben Jahre erfolgte auch seine ECrnennung zum Kompositionsprofessor am Konservatorium, und 1822 erhielt er das Direktoriat dieses Institus, das er zu einer Musteranstalt für ganz Europa erhob. Für dasselbe schrieb er ausgezeichnete Gesangübungen und ein weitverbreitetes Lehrbuch des Kontrapunktes. Auf der Bühne hatte er sich seit 1813 nur in einigen, in Gemeinschaft mit andern komponierten Gelegenheitsopern (Bayardo, «Blanche de Provenceo) vernehmen lassen. Im J. 1833 kam Ali-Babap auf die Bühne der Großen Oper, sein letztes dramatisches Werk. Er starb 15. März 1842 in Paris. C. schloß sich namentlich seit der Lodoiska mit Bewußtsein den Bestrebungen der Deutschen Schule an, und ist in seiner Totalität kaum mehr den ital. Tonsetzern beizuzählen. Der üppig-weichen Melodik seiner Landsleute abgeneigt, wendete er sich der reichern harmonischen und thematischen Entwickelung sowie der bedeutsamern Charakterisierung der großen Meister der Wiener Schule zu. Unterstützt wurde er dabei durch seine 1 und 16. Riner musikalische Bildung und den hohen Adel seiner Gesinnung. Vgl. Bellasis, «C. Memorials illustrative of his lifeß (Lond. 1874).