Chieri, uralte Stadt in der ital. Provinz und dem Kreise Turin, 14 km im SoO. von Turin, durch eine Zweigbahn nach Trofarello mit der Bahn Turin-⸗Alessandria verbunden, ist Sitz eines Gerichtshofs und zählt (1881) 9494, als Gemeinde 12888 E. Von drei Seiten wird der Ort von fruchtbaren Hügeln eingeschlossen, auf welchen sich noch im Mittelalter viele kleine Städte und Schlösser erhoben. Ein Arm des Tepice teilt C. in zwei Hälften. An zum Teil prächtig gebauten Kirchen (Sta.⸗Maria della Scala, vom 8 1405, ist das größte got. Gebäude Piemonts), Klöstern, Wohlthätigkeits⸗ und Bildungsanstalten ist die Stadt sehr reich. Seit 1813 besitzt C. ein Theater. In und um C. sind bedeutende Leinwebereien und Seide⸗ und Baumwollspinnereien. — Zur Zeit des Römerreichs hieß die Stadt Carea. Im 9. und 10. Jahrh. unter Oberherrschaft der Bischöfe von Turin, konstituierte sie sich im 11. Jahrh. als unabhängige Republik, die aber später (1155) von Friedrich Barbarossa bekämpft und aufs neue der geistlichen Herrschaft unterworfen wurde. In den folgenden Jahrhunderten wechselte C. häufig die Herrschaft, war in vielfache Kriege verwickelt und wurde 1551 von den Franzosen verwüstet. Emanuel Philibert, Herzog von Savoyen, brachte C. dauernd in den Besitz seines Hauses; Victor Emanuel erhob es zum Fürstentum. Vgl. Cibrario, Delle storie di C.v (2 Bde., Tur. 1827; 3. Aufl. 1855).