FeedChiemsee oder das Bayrische Meer
VerkehrBrockhaus 1882

Chiemsee oder das Bayrische Meer, der größte See Bayerns, auf der Hochebene zwischen dem Inn und der Salzach, am Fuß der Alpen, 512 m über dem Meere gelegen, ist 18 km lang, 11 km breit, bis 140 metief und 193 qkm groß. Außer der Prien und Roth nimmt er im S. die Große oder Kitzbühler Achen auf, und im N. fließt aus ihm die Alz zum Inn ab. Das sumpfige Rordgestade und die vielen nordwestlich in geringer Entfernung gelegenen kleinern Seebecken deuten auf einst Hhern Umfang. Im ganzen sind die unmittelbaren Ufer des Sees Rach und einförmig, im O. und W. gut bebaut, im N. und S. bewaldet; in weiterer Entfernung bilden die Bayrischen und Salzburger Alpen einen schönen Hintergrund der Landschaft. Das südl. und westl. Ufer umschlingt die München-Salzburger Eisenbahn, und ein Dampfschiff befährt den See, zu dessen Besuch die Eienbahnstation Prien den bequemsten Absteigpunkt bietet. Der See hat hellgrünes Wasser, eigt sich oft sehr stürmisch und ist berühmt wegen seines Reichtums an Fischen, vortrefflichen Forellen, Lachsen, Hechten und Karpfen. Die Hauptzierde des Sees sind seine schon von den Römern bewohnten drei reizenden Inseln, die am Eingang eines südwestl. Busens liegen, mit zusammen 380 E. Herrenwörth oder Herrenchiemsee, die größte, hat 11 Km im Umfang und enthält einen mit Damwild bevölkerten Hochwald sowie eine ehemalige Mönchsabtei, deren schloßartige Kloster- und Wirtschaftsgebäude nebst Brauerei, guter Verpflegung und hübschen Gartenanlagen zu längerm Aufenthalt ¹ sind. Seit 1873 ist die Insel, deren herrliche Waldungen von der Gefahr völliger Ausrodung bedroht waren, Eigentum des Königs Ludwig II. von Bayern, der hier mit großem Aufwande ein umfangreiches und prächtiges Schloß erbauen ließ. Die kleinere Insel Frauenwörth oder Frauenchiemsee hat ein wiederhergestelltes Nonnenkloster, ein Fischerdörfchen, ein besuchtes Gasthaus, früher ein ganz besonders beliebter Aufenthalt von Malern, die hier in Wort und Bild ein launiges Album gestiftet haben, und mehrere einfache Landhäuser von münchener Einwohnern. Die dritte oder Krautinsel, die kleinste, war ehemals der Küchengarten für beide Klöster, ist unbewohnt, aber mit Gemüse⸗ und Kornfeldern bebaut. Beide Klöster sind von Herzog Tassilo gestiftet: Frauenchiemsee 766, Herrenchiemsee 776 als Abtei der Augustiner-Chorherren. Letzteres war zugleich Bistum, seit 1218 reichsfrei, aber später unter das Erzstift Salzburg gestellt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 256Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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