Choral bedeutet eine kirchliche Melodie, welche von mehrern einstimmig gesungen wird. Der Name entstand in der kirchlichen Musik des Mittelalters und bezeichnete als musica choralis den einfachen, durch Papst Gregor d. Gr. gestalteten Gesang der liturgischen Stücke im Gegensatze zur musica figuralis oder einem kunstvollen Tonsatze für mehrere Stimmen. Die alten Melodien, welche zur mittelalterlichen Choralmusik gehören, zwar nicht taktlos, aber doch taktfrei gehalten, sind rhythmisch und namentlich melodisch oft von großer Schönheit. Sie wurden von der kirchlichen Figuralmusik als Grundmelodien oder Themen verarbeitet und heißen als solche cantus firmus. Eine besondere, von der mittelalterlich kirchlichen Weise abweichende Ausbildung und abgeschlossene liedartige Gestalt erhielt der C. in der luth. Kirche. Luther sammelte alle Hauptmelodien der alten Kirche von dem sog. Ambrosianischen Lobgesange aus dem 4. Jahrh. an bis auf seine Zeit, vermehrte sie durch herrliche eigene Erzeugnisse und regte seine Freunde, Dichter wie Musiker, zu gleichen Thaten an. Bald entstanden ganze Sammlungen (von denen diejenigen, welche die Melodien enthalten, Choralbücher genannt werden) und wuchsen nach und nach zu Tausenden an. Luthers bahnbrechende That hatte in kirchlicher wie in musikalischer Hinsicht gleich gęroße Folgen. Der