FeedCino da Pistoja
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Cino da Pistoja, ital. Rechtsgelehrter und Dichter, geb. 1270 zu Pistoja, stammte aus der Familie Sinibaldi, studierte in Padua und Boogna und verwaltete darauf das Richteramt zu Pistoja bis 1307, wo er mit der Partei der Weißen, welcher er angehörte, verbannt wurde. Er ging zu einem Freunde an der Grenze der Lombardei, Filippo Vergiulesi, und verliebte sich in dessen Tochter Selvaggia, die aber noch in demselben Jahre starb. Von 1309 bis 1311 hielt er sich in Frankreich auf. Mit dem Heere Kaiser Heinrichs VII. kam er dann nach Rom, und später war er einige Zeit in Neapel angestellt. Erst seit 1312 begann er sich wissenschaftlich zu beschäftigen. Er arbeitete einen Kommentar über den Codex Justinians, den er 1314 beendete, wurde in demselben Jahre Doktor der Rechte zu Bologna und lehrte nun zu Treviso, seit 1323 zu Perugia und seit 1334 zu Florenz. C. starb zu Pistoja 24. Dez. 1336. Dante, der ihn häusig nennt und rühmt, war sein Freund. Als Dichter bildet er den bergang zu Petrarca, welcher für seinen Schüler gilt. Sein Kommentar wurde seit 1483 mehrmals gedruckt. Die vollständigste Ausgabe seiner Poesien, deren Hauptgegenstand seine Geliebte Selvaggia ist, besorgte Ciampi (Pisa 1813; nachgedruckt, Pistoja 1826), der auch eine Lebensbeschreibung des Dichters (Pisa 1808; 3. Ausg. 1826) verfaßte. C.s Rimed wurden von Carducci (Flor. 1864) herausgegeben. Oinꝗ Codes, s. unter Code Napoléon. CEinq-Mars (Henri Coiffier de Ruzé6, Marquis de), Günstling Ludwigs XIII. von Frankreich, bekannt durch sein Komplott gegen Richelien, war der zweite Sohn des Marquis von Effiat, Marschalls von Frankreich, und wurde 1620 geboren. Richelieu (. d. brachte den 18jährigen C. an den Hof, um ihn zum Freund des Königs zu machen, diesen aber dadurch selbst um so besser zu beherrschen. C. wußte durch Gewandtheit und Liebenswürdigkeit die volle Gunst des Königs zu gewinnen, der ihn alsbald mit den hohen Hofämtern ausstattete, suchte dann aber den Minister selbst zu stürzen. Es war das letzte der Komplotte, die Richelieus Bahn durchkreuzten; Gaston von Orleéans (s. d.) und der jüngere de Thou (f. d.), in gewissem Grade der König selbst waren darin verwickelt, der Vertrag mit Spanien 1. März 1642 ein erster glücklicher Schlag gegen den Kardinal. Dieser beobachtete von Narbonne aus die Intrigue seit ihrem Erstehen; es gelang ihm, den König von den Verschwörern abzubringen und die Xsihrie die C.“ und de Thous zu bewirken. Man führte die Unglücklichen nach Lyon, wo sie in Gegenwart Richelieus und auf das Geständnis des feigen Herzogs von Orléans verurteilt und 12. Sept. 1642 enthauptet wurden. Das Schicksal des jungen C., der bei Hofe den Namen Monsieur le Grand führte, erregte große Teilnahme und ist wiederholt der Gegenstand poetischer Behandlung gewesen, so in dem Roman A. de Vignys: C., ou une conjuration sous Louis XIIILD (2 Bde., Par. 1826 u. öfter; zuletzt 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 406Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6