FeedCissoide
PflanzenreichBrockhaus 1882

Cissoide, eine krumme Linie der dritten Ordnung, hat ihren Namen von ihrer Ahnlichkeit mit einem Epheublatte, und soll von dem griech. Geometer Diokles im 2. Jahrh. v. Chr. erfunden worden sein. Newton hat eine Methode angegeben, um die C., die mittels eines Kreises aus einzelnen Punkten konstruiert werden kann, organisch linstrumental), d. i. durch Bewegung eines rechten Winkels zu beschreiben. Gissus L., eine Gattung kletternder Sträucher aus der Familie der Ampelideen, deren Arten in den Tropenländern heimisch sind und dort in Wäldern als sog. Lianen auftreten. Sie haben abwechselnd gestellte Blätter, den Blättern gegenüberstehende Wickelranken und blattwinkelständige, unscheinbare Blüten mit kleinem Kelch, vierblätteriger Blumenkrone und einem kurzen Griffel, aus denen sich kleine ein⸗ bis viersamige Beeren entwickeln. rmißt, sind unter K aufzusuchen. Mehrere Arten besitzen schön, manche sogar prachtvoll gefärbte Blätter, weshalb dieselben zu beliebten Blattdekorationspflanzen der Warmhäuser geworden sind. Die bisjetzt bekannt gewordene schönste Art ist C. discolor Blume aus Java. Sie hat dunkelrote Zweige, rosenrote Ranken und herzförmig-längliche, lang zugespitzte, gesägte Blätter, welche unterseits purpurrot, oberseits samtartig dunkelgrün und hier mit weißen Flecken und violettpurpurrotem Rande geziert sind. Schöne Arten sind auch C. antarctica Vent. aus Australien und C. vitiginea L. aus Ostindien. Aus den Beeren der C. antarctica wird im südl. Australien ein weinartiges Getränk, der sog. «cKänguruweinv, hergestellt. Die Arten der Gattung C. werden neuerdings zur Gattung Vitis (s. d.) gerechnet. iste (lat., d. i. Kiste, Kästchen) wird eine Art von meist rlech genaumn Kästchen oder Büchsen aus Bronzeblech genannt, die man besonders in Präneste, dann auch in den Gräbern Etruriens findet. Gewöhnlich enthalten sie Bade⸗ und Toilettengerät, das man den Verstorbenen mit ins Grab zu geben pflegte. Auf dem Deckel dieser Gefäße stehen Figuren als Griff, Tierklauen bilden die Füße; auch ist sowohl die C. selbst wie der Deckel gewöhnlich mit gravierten Zeichnungen versehen, welche Scenen athletischer Kraft und Geschicklichteit, vorwiegend aber Frauenscenen darstellen, in denen es sich um den Preis der Schönheit hioleche Es kommen auch C. vor, bei welchen die bildliche Darstellung nicht graviert, sondern aus dem Metallblech getrieben ist. Die auf dem Deckel als Griff angebrachten Figuren wie die Füße der C. sind regelmäßig gegossen und ziemlich roher, lokaler Fabrik, während das Gesaß selber mit seinen Verzierungen und figürlichen Darstellungen oft nach griech. Vorbildern von bessern, meist lokalen Künstlern gearbeitet ist. Das interessanteste und schönste Exemplar, das von C. auf unsere Zeit gekommen, ist die von ihrem Entdecker so genannte Ficoronische C. der Kircherschen Sammlung im Collegio romano. Die rings um den Körper derselben eingegrabene Darstellung der Argonautensage kann zu dem Schönsten und Bedeutendsten von antiker Linearkomposition Lauch e. werden. über die Ficoronische C., welche auch E. Braun in neun großen, von Wiesner gestochenen Blättern mit Erläuterungen herausgab (Lpz. 1848), vgl. Marchi, La cista atletica del museo Kircheriano (Rom 1848, mit Atlas), und O. Jahn, Die Ficoronische Cistar (Lpz. 1852). Eine andere Art von etruskischen C. sind die Aschencisten, quadratische Graburnen aus Stein oder gebrannter Erde mit Deckeln, auf denen die Gestalt des Verstorbenen liegend dargestellt ist. Dieselben nigen mit geringen Ausnahmen der handwerksmäßigen Technik einer spätern Zeit an und sind stets Produkte etruskischer Kunstfertigkeit. Die in polychromem Relief, mitunter auch nur in Farben auf der Graburne selber ausgeführten Darstellungen sind von der mannigfaltigsten Art, teils aus den Sagenkreisen, teils Scenen aus dem Leben, Bilder des Todes und des jenseitigen Lebens u. dgl. Die etrusk. Aschenurnen sind zuletzt und am besten herausgegeben von H. Brunn, I rilievi delle urne etruschen (Bd. 1, Rom 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 414Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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