FeedCisteaux oder Citeaux
ErdkundeBrockhaus 1882

Cisteaux oder Citeaux, deutsch Cisterz, Dorf im franz. Depart. Cöte-d'Or, Arrondissement Beaune, Kanton Nuits, Gemeinde St. Nicolasles-Citeaux, 9 km östlich von Beaune am Vouge, mit 500 E. Der Ort entstand neben einer berühmten Abtei, welche 1098 der Herzog Eudes I. von Burgund und der Abt Robert von Molesme gründeten. Unter dieser Abtei standen 1800 und 1400 Frauenklöster in ganz Europa und Palästina. Die ersten Herzöge von Burgund haben sämtlich ihre Gräber in der Abteikirche, der reichsten und ausgedehntesten in der ganzen Provinz; erst in der Revolution wurde dieselbe zerstört. Die Gebäude der Abtei, welche eine Zeit lang Ch. Fourier zu dem Versuche eines Phalansteriums gedient haben und alle wieder aufgebaut sind, dienen jetzt 500 zu einer Ackerbaukolonie vereinigten Gefangenen als Wohnplatz. Nahe liegt der berühmte größte Weinistercienser, geistlicher Orden, ein Zweig des Benediktinerordens, erhielt seinen Namen von dem Stammkloster Cistercium (Citeaux) bei Dijon in der Diöcese Chälons, welches der heilige Robert (10241110) 1098 gründete. Aus einem vornehmen Geschlechte der Champagne stammend, trat Robert früh in den Benediktinerorden, versuchte als Prior von Montier-la-Celle und als Abt von St. Michael zu Tonnere vergeblich, die deshalb Strenge wiederherzustellen, und ließ sich deshalb mit 20 Gleichgesinnten an dem wüsten Orte Citeaux nieder, um hier ein Mönchsleben nach strengster Regel zu begründen. Paschalis II. bestätigte das Kloster 1100. Anfangs hielt die Strenge der Regel vom Eintritt zurück, nachdem aber im J. 1113 der heil. Bernhard (s. d.) mit 30 Genossen in den Orden eingetreten war, dehnte derselbe sich rasch aus und besaß um 1200 bereits gegen 2000 Klöster in Frankreich, Deutschland, England, Skandinavien, Spanien, Italien und Ungarn. Bernhard heißt deshalb öfter der zweite Stifter des Ordens, und die C., besonders in Frankreich, Bernhardiner. Im J. 1119 wurden in der sog. »Urkunde der Liebe y (charta caritatis) die Grundzüge der Verfassung des Ordens festgestellt und von Innocenz III. bestätigt. Der Abt von Citegur war danach das Haupt des Ordens und mußte jährlich selbst oder durch einen Abt sämtliche Klöster des Ordens visitieren. Ihm standen zur Seite die Abte der ältesten vier Töchterklöster, Clairvaux (seit 1113), Laferte (seit 1115), Fiese keit (seit 1114) und Morimond (seit 1115). Diese leiteten die Angelegenheiten des Ordens unter unmittelbarer Aufsicht des Papstes. Über ihnen stand das alljährlich zu Citeaux zusammentretende Generalkapitel, zu dem die nähern Abte alljährlich, die entserntern in bestimmten Zwischenräumen sich einfinden mußten. Um die itte des 13. Jahrh. begann der Verfall der C. teils durch Nachlassen von der strengen Regel, teils durch innere Zwistigkeiten. Reformen wurden vergeblich versucht von Clemens IV. in der Bulle Clementina (1265), von Benedikt XII. in der Bulle Benedictina; es bildeten sich selbständige Kongregationen und seit 1615 zerfielen die französischen C. in solche der strengen und der laxen Ooserdanz. In ihrer Blüteeit bertrafen die C. alle andern Orden an Ansehen, Einfluß und Reichtum. Von ihnen sind ausegangen die Ritterorden von Calatrava, Alcantara, Montesa und Alfama in Spanien, die Barfüßer oder Feuillants und die Trappisten. In Deutschland war das älteste Cistercienserkloster zu Altcampen, seit 1122, und das berühmteste zu Altenzelle (s.d.) seit 1175. Schon vor der Reformation gingen „viele Klöster ein, die meisten in der Französischen ermißt, sind unter K aufzusuchen. Revolution. Gegenwärtig hat der Orden die meisten Mitglieder in Österreich, außerdem einige in Italien, Belgien, Polen und der Schweiz. Die Tracht der C. besteht in einem weißen Gewand mit schwarzem Skapulier, schwarzer Kapuze und schwarzem wollenen Gürtel. In Frankreich gibt es Cistercienserinnen, die auch Bernhardinerinnen genannt werden. Stephan Harding — das erste Kloster derselben 1120 zu Tart in der Diöcese Langres; ihre Zahl stieg auf 6000. Aus ihnen gingen hervor 1588 die Feuillantinnen in Frankreich, 1599 die Kongregation der span. Rekollekten, 1622 die Kongregation der göttlichen Vorsehung und des heil. Bernhard in Frankreich und Savoyen,‚ 1653 die Töchter des kostbaren Blutes unsers Herrn Jesu Christi, die Nonnen von Port-Royal u. a. Gegenwärtig sind sie für Wuterreich und Deutschland aufgehoben. 1—— inter, „Die C. des nordöstl. Deutschlando (3 Bde., Gotha (Bd. 1, Wien 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 415Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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