FeedCluny
ReligionBrockhaus 1882

Cluny, ehemals auch Clugny, Stadt im franz. Depart. Saöne-Loire, Arrondissement Macon, an der Grosne und an der Eisenbahn Macon-Paray, zählt (1876) 4007, als Gemeinde 4540 E. und ist berühmt geworden durch sein Benediktinerkloster. Vom Herzog Wilhelm dem Frommen von Aquitanien im J. 910 gestiftet, um bei dem allgemeinen Verfall der Klosterzucht ein Muster der Strenge und Ordnung zu sein, hat es lange Zeit die Führung gehabt in dem großen Kampfe für Reorganisation des Mönchtums und Derernt0r der Kirche von der Staatsgewalt. Der erste Abt Berno, aus einem alten burgund. Grafengeschlecht stammend, war, ehe er nach C. kam Abt des Benediktinerklosters Beaume in der Diöcese Dijon und führte die Regel des heil. Benedikt in voller Strenge ein. Der zweite Abt Odo (927—941) verschärfte dieselbe noch durch mancherlei Zusätze (die sog. Consuetudines Cluniacenses). Von C. aus wurden neun Klöster begründet, alte reformiert und bald entstand die Kongregation von C. oder der Orden der Cluniacenser, d. h. eine Vereinigung von zahlreichen Klöstern, welche sich unter dem Abt von C. als ihrem Oberaupt und unter der dortigen Regel verbanden. m 12. Jahrh. zählte man deren in Frankreich, Italien, Spanien, England, Deutschland und Polen über 2000. Die Poom Non von C., zuerst im 12. Jahrh. gesammelt vom Mönch Bernhard, vervollständigt durch Petrus Venerabilis, befreiten es von der bischöfl. Gewalt und stellten es unmittelbar unter Rom. Der Abt von C. hatte fast unbeschränkte Gewalt über alle untergebenen Klöster. Das Leben der Brüder war genau geregelt, wechselnd ar ver0l Arbeit und geistlichen übungen; lästig war besonders das Gebot des Schweigens. Die Ordenstracht war schwarz. Die Päpste statteten C. reich mit Privilegien aus und fanden hier wiederum die kräftigste Unterstützung im Kampfe gegen das Kaisertum. Aus dem Orden gingen bald nacheinander drei Päpste hervor. Gregor VII., Urban II. und Paschalis II. Je mehr aber die Unabhängigkeit und der Reichtum von C. zunahm, desto mehr bedurfte es selbst wieder einer Reform. Vergebens suchten die Abte Hugo V. 1204 und Heinrich I. 1308 eine solche durchzuführen. Als 1528 der Kardinal Johann von Lothringen zum Abt gewählt wurde, geriet der Orden vollständig in Abiuche ühr von den Guisen. Spätere Resormweruche führten nur zu endlosen Streitigkeiten. Aufgehoben wurde die Abtei 1790. Von der prächtigen Kirche stehen nur noch Ruinen, die übrigen Gebäude werden anderweitig verwendet. Gegen Ende des 15. Jahrh. ließen sich die Abte von C. zu Paris einen Palas, das Hötel de Cluny, erbauen, welcher 1833 von Du-Sommerard (s. d.) zur Aufstellung seiner ungemein reichen Sammlung von mittelalterlichen Kunstgegenständen erworben ward, 1842 aber mit letztern an den Staat überging. Vgl. Champly, Uistoire de l'abbaye de C.„ (Macon 1866); Pelargus, «Geschichte der Abtei C. (Tüb. 1858); Greeven, Die Wirksamkeit der Cluniacensero (Wesel 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 464Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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