FeedClaude (Jean)
ReligionBrockhaus 1882

Claude (Jean), bedeutender Theolog der reform. Kirche Frankreichs, geb. 1619 10 La Sauvetat im südl. Frankreich, studierte zu Montauban und ward 1654 Pfarrer zu Nismes; doch wurde ihm von der Regierung verboten zu predigen, nachdem er als Präsident der Synode zu Nismes 1661 die vorgeschlagene Union mit den Katholiken gen Jah: hatte. Dasselbe UlaEre ihm nach einigen Ja ren zu Montauban. Er begab sich nach Paris und schrieb hier KRéponse aux deux traités intitulés: La perpétuité de la foi de l'église touchant PEucharistie (Charenton 1665), eine Widerlegung des Traktats der Pierre Nicole und Antoine Arnauld (f. d.), worin sie zu erweisen suchten, daß die kath. Lehre von der Transsubstantiation (s. d.) von den Aposteln her in der Kirche herrsche. Gegen die Verteidigung der Messe durch den Jesuiten Nouet und den Jansenisten Arnauld schrieb C. KTraité de 1Eucharistie contenant une réponse au livre du P. Noueto (Amsterd. 1668) und „Réponse au livre de M. Arnauldo (Rouen 1670), und gegen Nicoles Angriffe auf die Calvinisten „La défense de la réformationo (Rouen 1673, Par. 1844). Von der Gemeinde Charenton bei Paris ward C. 1666 zum Pfarrer gewählt, mußte aber nach der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 Frankreich verlassen und begab sich nach dem Haag, wo sein Sohn Pfarrer war. Hier schrieb er KPlaintes des protestants eruellement opprimés dans le royaume de Francen (Köln 1686 u. öfter). C. starb 13. Jan. 1687. Sein Sohn gab noch heraus: «Oeuvres posthumes de Jean C. (5 Bde., Amsterd. 1688). Vgl. de Ladeveze, Abrégé de la vie de M. C.v (Amsterd. 1687). laude Lorrain, eigentlich Claude Gellée, berühmter franz. Lands chaftsmaler und Kupferätzer, 685 1600 in dem lothring. Schlosse Chamagne Vogesendepartement) stammte von armen Eltern und kam im 12. Jahre nach Freiburg zu seinem Bruder, einem Holzschneider, von dem er die Anfangsgründe der Zeichenkunst lernte. Ein Verwandter, Spitzenhändler, nahm ihn mit nach Italien, wo der damals in Neapel ansässige deutsche Landschaftsmaler Gottfr. Wals aus Köln sein Lehrmeister in der Architektur, Perspektive und Landschaftsmalerei wurde. Er begab sich von hier nach Rom zu Agostino Tassi, bei dem er bis 1625 blieb, und kehrte sodann in sein Vaterland zurück, von wo er wieder nach Rom ging um sich 1627 für immer dort niederzulassen. Viel beschäftigt von den Päpsten Urban VIII., Alexander VII. und Clemens IX. und vielen weltlichen Fürsten und reichen Privatpersonen, lebte C. zu Rom in großem Wohlstande, und starb daselbst 21. Nov. 1682. Die großen Galerien in Italien, Frankreich, England, Spanien und Deutschland besitzen von ihm Werke. Vier seiner vorzüglichsten Gemälde, die vier Landschaften, von Haldenwang als Morgen, Mittag, Abend und Dämmerung in Kupfer gestochen, befinden sich jetzt in der kaiserl. Galerie zu Petersburg. Sein vorzüglichstes Werk, auf welches er selbst den meisten Wert legte, ist die Abbildung eines Wäldchens der Villa tadama. Bei der großen Nachfrage nach seinen Bildern und den teuern Preisen, die er forderte, fehlte es nicht an Kopien und Nachahmungen, die unter seinem Namen gingen, und mit denen schon bei seinen Lebzeiten ein einträglicher Handel getrieben wurde. Um diesen Unterschleif hintertreiben und darlegen zu können, was von ihm herrühre, sammelte C. die Skizzen seiner Gemälde oder leichte Sepiakopien nach denselben in ein Buch, welches er sein Buch der Wahrheito (Liber veritatis) nannte. Dieser kostbare Schatz ist in den Besitz des Van Vo von Devonshire in England gekommen; John Boydell gab die Sammlung faksimiliert heraus (Lond. 1774— 77). Von C.s Zeichnungen befinden sich die meisten im Britischen Museum. Bei ungemeinem Reichtum der Erfindung, kraft dessen er in den Gegenständen einen beständigen Wechsel anzubringen wußte, übte C. ein ernstes und tiefes Studium. In der Wahrheit, womit er die Wirkung der Sonne zu den verschiedenen Stunden des Tags auszudrücken wußte, steht ihm nur Poussin zur Seite, der ihn in Schönheit der landschaftlichen Massen und ihrer Anordnung noch übertrifft, ohne ihm jedoch in dem unvergleichlichen Duft der Fernen und der Wärme des Kolorits 2af barm., Alle seine Nebenbuhler aber übertraf C. darin, daß er den dunkelbeschatteten Stellen seiner Gemälde eine tauige Feuchtigkeit zu leihen wußte, die nicht wenig zu der reizvoll duftigen Frische beitrug, welche in seinen Bildern herrscht. Am liebsten malte er unbegrenzte Aussichten, in deren Ferne das Auge sich verliert. Er pflegte seine Landschaften mit großartiger Prachtarchitektur auszustatten und zum Schauplatz eines muthischen oder histor. +. standes zu machen. Man hat von C. auch etliche 40 Radierungen, die mit geistreicher, aber etwas schwerfälliger Nadel ausgeführt sind, und von welchen die ersten Abdrücke im Kunsthandel außerordentlich teuer bezahlt werden. Sie beweisen, daß C. im Figurenzeichnen höchst geschickt war; wenn er die Figurenstaffage seiner Landschaften manchmal von Lauri, Allegrini u. a. verfertigen ließ, so geschah dies nach damals gebräuchlicher Art. Eine beträchtliche Anzahl seiner Bilder (425) ist im achten und neunten Bande des Catalogue raisonnén von John Smith beschrieben. Heliogravierte Nachbildungen seiner radierten Blätter liefert das Werk: 4Eauxfortes de C. le L., reproduites et publièes par Amand-Durando (mit erläuterndem Text von G. Duplessis, Par. 1875). Glaude os, aperi oculos, lat. Sprichwort: «„Schließe den Mund und halte die Augen offeno, d. — sieh und schweige. von Frankreich, geb. 14. Okt. 1499 als älteste Tochter Ludwigs XII. und Annas von Bretagne, ward als die reichste Erbin Europas (die Eltern schenkten rmißt, sind unter K aufzusuchen. ihr mit andern Besitztiteln die Bretagne und Mailand) längere Zeit von dem jungen Karl von Oster⸗⸗ reich, dem spätern Kaiser Karl V., umworben, aber trotz der diesem günstigen Luns pon Dul ihrer Mutter von ihrem Vater mit Franz von Valois, Grafen ö von Angouléme, schon 1506 verlobt und Mai 1514 vermählt. Nach Ludwigs XII. Tod bestieg ihr Gemahl den Thron. Die Ehe an der Seite des lasterhaften Königs war für C. eine traurige. Sie starb 20. Juli 1524, wie es heißt vergiftet durch die Folgen der Ausschweifungen des Königs, nachdem sie ihm drei Söhne, deren zweiter ihm als Heinrich II. nachfolgte, geboren hatte. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 438Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6