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ReligionBrockhaus 1882

Clemens XIV. (Giovanni Vincenzo Antonio, dann Lorenzo Ganganelli), Papst von 1769 bis 1774, geb. zu San-Arcangelo bei Rimini 31. Okt. 1705 als Sohn eines Arztes, trat im Alter von 18 J. in den Minoritenorden und studierte Philosophie und ubor. der die er dann mit Erfolg lehrte, ward Konsultor der Inquisition und 1759 Kardinal. Nach dem Tode C. XIII. dauerte das Konklave drei Monate, bis 19. Mai 1769 Ganganelli gewählt ward. Seine Abneigung gegen die Jesuiten war bekannt; dennoch zögerte er mehrere Jahre mit ihrer Auflösung, um durch diplomatische Unterhandlungen mit den Höfen möglichst große Zugeständnisse dafür einzutauschen. Erst am 16. Aug. 1773 veröffentlichte er das Breve Dominus ac redemtor nostero, welches die Gesellschaft Jesu aus Rücksichten für den Frieden der Kirche, aber Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IV. für alle Zeitens aufhob. Von diesem Augenblick an war sein Leben ein von Furcht geängstigtes, und allmählich schwanden seine Kräfte. Er starb an skorbutischen Übeln 22. Sept. 1774. Die Vermuiung, daß er vergiftet worden, obgleich C. selbst daran geglaubt zu haben scheint, grundlos. Sein Monument in der Kirche der Apostel zu Rom führte Canova nach Volpatos Angabe aus. C. zeichnete sich durch Freisinnigkeit, Staatsklugheit, gründliche Gelehrsamkeit und milden Charakter rühmlich aus. Er beförderte Künste und Wissenschaften, unter anderm auch durch die Stiftung des Clementinischen Museums, das, durch Pius VI. und Pius VII. bereichert, zur schönsten Zierde des Vatican wurde. An Schriften hat C. nichts hinterlassen als Briefe und Sendschreiben. Die von Caraccioli (s. d.) 80) raltes ser⸗ Wahres mit Falschem, ebenso die „Nouvelles lettres intéressantes du pape C. XIV= (3 Bde., Par. 1776 u. öfter; deutsch, Lpz. 1790). Vgl. Caraccioli, La vie du pape C. XIVy (Par. 1775; deutsch, Frankf. 1776):. Reumont, Ganganelli, Papst C. XIV., seine Briefe, seine Zeit; (Berl. (2 Bde., Lpz. 1853), worauf Streitschriften von Crétineau-Joly u. a. folgten. Die Schrift von Latouche, C. XIVet Carlo Bertinazzi, correspondance inédite (Par. 1827), ist eine sinnreiche, anziehend geschriebene Fiktion.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 449Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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