Clive (Robert, Lord), der Begründer der brit. Macht in Ostindien, wurde 29. Sept. 1725 auf dem Gute Styche in Shropshire geboren und kam 1743 als Schreiber in die Kanzlei der Ostindischen Kompagnie. In Madras vertauschte er die Feder mit dem Degen und wurde während der Belagerung von Pondichery 1744 zum Fähnrich, nach der Einnahme des Fort Devicotta 1748 zum Zahlmeister ernannt. Er nahm 1751 die Stadt Arcot und schlug wiederholt, unter anderm bei Kondscheveram und Kaselong, mit geringen Streitkräften die überlegenen Feinde. Von einem heftigen Nervenfieber befallen, das ihn in eine düstere Stimmung versetzte, die ihn nie wieder verließ, kehrte er 1752 nach England zurück, wo er zum Oberstlieutenant und zum Befehlshaber des Fort St. Georg ernannt wurde. Er traf 1755 wieder in Ostindien ein, wo er die mißt, sind unter K aufzusuchen maharattischen Raubstaaten züchtigte. Diese und andere Waffenthaten, welche die Fortschritte der Engländer in Ostindien bekundeten, erregten besonders das Mißfallen des vom Mogul fast unabhängigen Nabob von Bengalen, Suradscha-Daula, welcher die brit. Niederlassungen in Bengalen über4.. Kalkutta plünderte und gegen die Engländer rchtbare Grausamkeiten übte. Mit einer kleinen Flotte und 1900 Mann wurde C. an die Mündung des Ganges geschickt, um von da aus die bengal. Macht zu zügeln. Während er 1757 Kalkutta besetzte, näherte sich der Nabob an der Spitze von 50000 Mann und einer zahlreichen Artillerie, wurde aber durch das entschlossene Benehmen C.s zu einem rieden bestimmt, in welchem er Kalkutta den Engändern überließ und überdies noch einen Landstrich von Bengalen abtrat. Als C. sich demnächst anschickte, die Franzosen von den Ufern des Ganges u vertreiben, rüstete sich Suradscha-Daula insgeeim von neuem, um die Engländer mit Hilfe der ranzosen zu bewältigen. Nachdem aber C. einen erwandten und General desselben, Mir-Dschaffier, durch große Versprechungen gewonnen, griff er an der Spitze von 1000 Europäern, 2000 Sipoys und 8 Haubitzen 26. Juni 1757 bei Plassy die aus 20000 Reitern und 40000 Mann Infanterie be59399 1 und mit 53 Kanonen versehene Armee des abob an und schlug dieselbe vollständig. Er besetzte die Hauptstadt Murschidabad und ließ Mir-Dschaffier zum Nabob von Bengalen ausrufen; Suradscha-Daula wurde auf der Flucht ermordet. Dieser Sieg begründete die brit. Macht in Ostindien. Mir-Dschaffier mußte für seine Erhebung der Kompagnie ungeheuere Entschädigungssummen ahlen. C. allein erhielt 256000 Pfd. St., außerem den Titel eines Edeln des Mogulreichs und infolge dieser Würde ein Lehn, das ihm jährlich mehr als 30000 Pfd. St. einbrachte. Es gelang ihm, den Einfluß der Franzosen vollständig zu brechen. m J. 1760 9 5 England zurückgekehrt, wurde „von Volk und Regierung mit Auszeichnung emdund m und 1762 zur Würde eines Peers von Irand mit dem Titel Baron C. von Plassy erhoben. Als drei Jahre später die Unruhen in Ostindien von neuem ausbrachen, begab er sich als Chef der Armee und oberster Gouverneur aller engl. Besitzungen 1764 abermals nach Kalkutta. Bei seiner Ankunft war der Nabob von Aud, der erbittertste Feind der Engländer, schon geschlagen; auch hatte der Mogul, der als Prätendent bei dem Nabob von Aud sich aufhielt, bereits den Schutz der brit. Wafsen angerufen. C. benutzte diesen Umstand, sich 1765 von dem Mogul im Vertrage von Allahabad zum Lehnsträger der Provinzen Bengalen, Bahar und Orissa erheben zu lassen, und gewann hiermit der Kompagnie gegen Zahlung einer Pension die Herrschaft über Länderstriche von mehr als 15 Mill. Bewohnern. Schon 1767 legte er indes aus Gesundheitsrücksichten sein Amt nieder und kehrte nach Europa zurück. Der König verlieh ihm den Bathorden; das Parlament aber erhob gegen ihn die Beschuldigung des Mißbrauchs seiner Gewalt in Ostindien, und auf Antrag Burgoynes wurde er 1772 in Untersuchung gezogen. Er verteidigte sich so gut, daß der Antrag vom Parlament nicht nur verwor-Nas sondern auch anerkannt wurde, daß er dem Vaterlande große Dienste geleistet habe. Allein die Ungerechtigkeiten, zu denen er in Ostindien im Interesse der Kompagnie seine Hand bot, lassen sich trotzdem nicht ableugnen. C. hatte sich in Ostindien ein ungeheueres Vermögen erworben, dem die Komagnie noch eine Pension von 10000 Pfd. St. hinzugte. Obwohl im Besitz unermeßlicher Güter, ward er des Genusses derselben nicht froh, und machte 29. Nov. 1774 durch einen Pistolenschuß seinem thatenreichen Leben ein Ende. Vgl. die Biographien C.s von Carfaccioli (Lond. 1775), Malcolm (3 Bde., Lond. 1836) und Gleig (Lond. 1848). Auch Macaulay hat C.s Leben in einem ausgezeichneten Essay (Lord C. and letters and diary of Madame d'Arblays, Lpz. 1858) behandelt.