Cluse (La), Ort zwischen Denhet O und der Grenze der Schweiz, im franz. Depart. Doubs, wo sich die von Pontarlier nach der Schweiz führende Straße gabelt und durch zwei ziemlich starke Forts gesperrt ist. Als die in der Schlacht an der Lisaine (s. d.) geschlagene franz. Armee unter Bourbaki durch die Operationen der unter General von Manteuffel in Eilmärschen herangekommenen deutschen Südarmee gegen die Grenze der Schweiz gedrängt wurde, versuchte die 3. Division des 18. franz. Armeekorps am 1. Febr. 1871 bei C. unter Mitwirkung der mit schwerem Geschütze bewaffneten Forts dem Vormarsche der deutschen Vorhut (preuß. 7. Infanteriebrigade unter General Du-Trossel) Einhalt zu thun, um den ruhigen Abzug des franz. Heeres über die Grenze zu ermöglichen. Man verzichtete deutscherseits darauf, sich der Stellung mittels frontalen, voraussichtlich sehr verlustreichen Angriffs zu bemächtigen, sondern ließ die zu beiden Seiten der Straße hinführenden Gebirgshänge durch Infanterie besetzen, welche sodann allmählich vordrang und nach Einbruch der Nacht die Straßengabelung besetzte. Hiernach überschritt auch die franz. Nachhut die neutrale Grenze, jenseit deren die franz. Truppen entwaffnet und interniert wurden. Cluseret (Gustave Paul), franz. Offizier und Mitglied der Commune, geb. 13. Juni 1823 zu Paris, wurde seit 1841 auf der Militärschule zu St.⸗Cyr erzogen und 1843 Unterlieutenant, trat bei der Revolution von 1848 als Kapitän in die Mobilgarde ein und wurde 1855 Kapitän im 8. Jägerregiment. Da er in dieser Stellung mazzinistischen Grundsätzen ergeben war, nahm er 1858 einen Abschied und machte unter Garibaldi als Oberst den Zug nach Sicilien und Neapel mit. Mit demselben Grade fand er 1861 eine Anstellung in der Armee der Vereinigten Staaten und nahm im Bürgerkriege an den Operationen in Westvirginien teil. Später der Armee des Generals Fremont zugeteilt, wurde er 14. Okt. 1862 Brigadeüßt, sind unter K aufzusuchen. eneral. Nach Beendigung des Kriegs gab C. in teuyork eine Wochenschrift unter dem Titel New Nation heraus, welche darauf berechnet war, Fremonts Wahl zum Newerbung zu empfehlen. Als dieser 1864 seine Bewerbung aufgab, ging das Journal ein, und C. hielt Vorträge über Strateie. Seit 1867 weilte C. wieder in Frankreich, schrieb für sozialistische Blätter, ging auch einmal als Agent der Internationale nach Neuyork und stand mit Varlin und Bakunin in naher Verbindung. Nachdem im Sept. 1870 die Republik erklärt worden war, traf C. in Lyon ein, wo man ihm die Formierung eines Bataillons Freischützen übertrug. C. versuchte dort, eine Republik nach den Prinzipien des J. 1793 und eine Konföderation der südl. Provinzen Zrankreichd unter dem Namen einer Liga des Südens ins Werk zu setzen. Am 28. Sept. 1870 drang er an der Spitze seines Bataillons ins Stadthaus, verhaftete den Maire, den Präfekten und den Divisionsgeneral und ließ durch Acclamation erklären, daß adie öffentliche Gewalt fortan dem Komitee des öffentlichen Wohlso, welches aus den Häuptern der verschiedenen sozialistischen Sekten zusammenesetzt war, angehören solle; sich selbst ließ er zum hef der nationalen Verteidigung von Lyon ernennen. Die Nationalgarde warf jedoch die Emeute nieder und nahm mehrere Rädelsführer gefangen, doch C. gelang es, zu entkommen. Er wandte sich nach Marseille und suchte seine Umtriebe fortzusetzen. Doch scheiterten dieselben an der energischen Haltung des Präfekten Esquiros, und C. floh nach Genf. Kaum jedoch war Paris Jan. 1871 wieder zugänglich geworden, als er ungesäumt dorthin eilte. Die sozialistische Revolution, die sich 18. März 1871 zum Meister von Paris machte und dort die Commune erklärte, brachte C. in den Vordergrund der Ereignisse. Ein Dekret des Exekutivausschusses des sog. föderalistischen Centralkomitee von Paris ernannte ihn 4. April desselben Jahres zum Chef der Verwaltung des Kriegs. Als solcher entwickelte C. eine rege Thätigkeit; besonders bemühte er sich, die militärische Brauchbarkeit der aufständischen National⸗ und Mobilgarden zu heben. Aber schon 30. April wurde er seiner Stellung enthoben, verhaftet, nach dem Gefängnis Mazas gebracht und wegen Verrats und Unfähigkeit in Anklagezustand versetzt; sein Stabschef Rossel wurde sein Nachfolger im Amte. Da C. keiner Schuld überführt werden konnte, so wurde er wenige Tage vor der Erstürmung von Paris durch die Regierungstruppen in Freiheit gesetzt. Er entfloh hierauf nach England und von dort nach Mexiko. Das Kriegsgericht zu Versailles verurteilte ihn im Herbst 1872 in contumaciam zum Tode. C. hat auch einige militärpolit. Schriften veröffentlicht.