FeedCochinchina (chines. Ko-tschin-tsching)
ErdkundeBrockhaus 1882

Cochinchina (chines. Ko-tschin-tsching), häufig in weiterm Sinne als gleichbedeutend mit Annam (. 0 gebraucht, obgleich es streng genommen nur die östliche, sich zwischen 10½ und 17½ nördl. Br. längs dem Meere erstreckende, von den Annamiten Dang-trong genannte Provinz dieses Reichs bezeichnet, ist in der Zusammensetzung Nieder-C. La basse Cochinchine) Name der erst in neuerer eit von Frankreich erworbenen Besitzungen in Hinterindien. Letztere, westlich vom en von Siam, nordwestlich von Kambodscha, nordöstlich von Annam, südöstlich von dem Chinesischen Meere begrenzt und gegen Süden in dem Kap Camao genannten Vorgebirge spitz auslaufend, bestehen hauptsächlich aus der früher zu Kambodscha gehörenden, den südöstlichsten Teil dieses Reichs bildenden, aber seit 1689 nach und nach von Annam eroberten, das untere Stromgebiet und die Mündungen des Me-khong-Flusses umfassenden Landschaft Saigon. über die Geschichte des Erwerbes von diesem Gebiete durch Frankreich s. Annam. Das französische Cochinchina besteht, bei einem Gesamtareal von 59 458 qkm, seinem größten Teile nach aus flachem, niedrig gelegenem, sehr reich bewässertem Alluviallande. Nur in seinem nördlichern, an Annam angrenzenden Teile, in den sich die untersten Stufen der, letzteres Reich in der Richtung seiner Längsachse durchziehenden granitischen Gebirgskette hineinerstrecken, nimmt der Boden mehr und mehr den Charakter eines Hügel- und niedrigen Gebirgslandes an. + befindet sich auch der 5—600 m hohe Ba-⸗dinh oder Dienbau, der höchste Berg von Nieder-C. Der Me-khong-Strom teilt sich in Kambodscha in drei Arme: einen nördlichen, der zur Zeit des Hochwassers (April bis November) seinen Überfluß in den Bien-ho oder Großen See abführt, und zwei südliche, die als Vorderer und Hinterer Fluß (Tien-giang und Han-giang) in geringer Entfernung voneinander durch C. dem Meere zufließen und dort mit sechs großen und verschiedenen kleinern Armen münden. Während diese Arme des Me-khong die Kolonie in eine nordöstl. und eine südwestl. Hälfte scheiden, wird die nordöstliche von vier andern starken, aber nur kurzen Flüssen durchzogen, dem Donnai oder Fluß von Bien-hoa, dem Paßno. die sich ue dem Großen und dem Kleinen Zaico, die sich vereint durch den Loirap und eine andere große Mündung beim Kap Imd Deden ins Meer ergießen. Alle diese Flüsse sind bedeutend genug, um tiefgehende Schiffe zu tragen, doch ist ihr Eingang in der Regel durch Sand⸗ und Morastbänke versperrt, auf denen nicht mehr als 3—4 m Wasser steht. Unter den Me-khong-Armen ist der nach Mitho führende Kua-dai der günstigste, da seine Mündung Schiffen bis zu 5 m Tiefgang die Einfahrt gestattet. Ihm ist aber der Loirap mit dem in ihn mündenden Flusse von Saigon bedeutend überlegen, da seine Tiefe selbst bei Ebbe überall bis nach Saigon hinauf, wo er noch eine Breite von 400 m . für Dreidecker genügt. Eine Menge kleinerer Flüsse und zahllose natürliche Kanäle, welche die Ströme untereinander und mit dem Golf von Siam im Westen verbinden, vervollständigen das hydrogr. Netz und bedingen durch die Bewässerung sowie durch den rb von Schlamm während des Hochwassers eine große Fruchtbarkeit des Bodens, der hier hauptsächlich zur Reiskultur verwendet wird und bedeutende Überschüsse von diesem für Südasien wichtigsten Nahrungsmittel zur Ausfuhr liefert. Aber auch das höher gelegene Land im Norden der Kolonie besitzt einen sehr fruchtbaren, für den Anbau von Indigo, Tabak, Baumwolle, Sesam, Hanf, allerlei Gemüse, Erdnüssen (Arachis hypogaea), Zuckerrohr, Betelpfeffer, Mais, Maulbeerbäumen u. s. w. geeigneten Boden. Zum Teil hat dasselbe auch noch Wälder, in denen, unter andern für die verschiedensten technischen Zwecke geschickten Holzarten, auch das sog. Adlerholz (s. unter Aquilaria) vorkommt, welches seines Wohlgeruchs wegen einen wichtigen Ausfuhrartikel nach den meisten ostasiat. Ländern bildet. (Vgl. Karte: Hinterindien und Indischer Archipel.) Das Klima ist, wie das aller niedrig gelegenen feuchten Tropenländer, für noch nicht acclimatisierte Curopäer wenig gesund. Unter 8½ bis 11½/ nördl. Br. und im Gebiete der Monsune gelegen, hat das Land während des regenbringenden Südwestmonsuns (Mai bis Oktober) eine wenig variierende Temperatur von 16—24 R., zur Zeit des trockenen Nordostmonsuns aber (Oktober bis April) Reich sie am Tage bisweilen auf 285 und fällt des Rachts auf 13½. Am stärksten ist die Hitze im Monat Februar und im Anfang des —— Die Bevölkerung des französischen C. belief sich 1878 auf 1592202, der Mehrzähl nach Annamiten (1409 835); hierauf folgen der Zahl nach 105577 Kambodschaner, 45911 Chinesen, 9410 Malaien; Europäer gab es 1143, Malabaren 600, Tagalen 65. Die Zahl der eingeborenen kath. Christen betrug 55600. Die Mission von C. hat ihren Sitz zu Saigon und besteht aus einem Bischof, 48 franz. Missionaren, 26 eingeborenen Priestern, 15 Katecheten und 75 eingeborenen Lehrern und Lehrerinnen; sie zählt 35 Parochien mit 158 Kirchen und Kapellen, die allerdings meist Strohhütten sind. Ein großes Seminar befindet sich zu Saigon, ein kleines zu Cainhun, Provinz Vinh-⸗long, eine Katechetenschule zu Tandinh (bei Saigon). Außerdem bestehen 4 Klöster und 62 Primärschulen, die von 3377 Schülern besucht werden. Eingeteilt wird das Land in 4 Provinzen: Saigon, Mitho, Lersallen, und Bassac, die in 19 Arrondissements zerfallen. Zu Nieder-C. gehört auch noch die etwa 150 EKm mißt, sind unter K aufzusuchen. von der Küste entfernte, bei dem Friedensvertrage vom 5. Juni 1862 von Annam an Frankreich ab-Cemein Insel Pulo-Condor. Die selbständige emeindeverwaltung, welche die Franzosen vorfanden, ließen sie größtenteils bestehen, nur wird die höchste Ortsobrigkeit (annamitisch Xad jetzt vom Gouverneur ernannt: die Provinzialverwaltung und Justizpflege wurden dagegen wesentlich umgestaltet. Die unter dem Marineministerium hehende Kolonialregierung besteht aus dem Gouverneur und einem Rate, zu welchem der Militärkommandant, der Chef der Verwaltung und der Direktor des Innern gehören. Die Verwaltung der Provinzen und ihrer Unterabteilungen liegt in den Händen von sog. Inspecteurs des affaires indigènes, deren Chef der Direktor des Innern ist. Wie unter ihrer frütar Herrschaft sind auch jetzt die Eingeborenen miitärpflichtig, aber es wird nur eine kleine Anzahl nach franz. Muster eingekleidet und bewaffnet, die meisten stellt man in die Milizen ein, denen man ihre frühere Organisation und Bewaffnung gelassen hat und die von den Gemeinden unterhalten werden. Der Sitz des Gouverneurs und der Oberbehörden ist Saigon, das seit der Occupation durch die Franzosen zu einer wichtigen Flottenstation geworden und durch Dampfschiffahrtslinien mit Nordamerika, Europa, Australien, allen ind. Häfen, China, Japan und den Philippinen verbunden ist. Bedeutende Neubauten, namentlich eines Marinearsenals, die Anlage von Docks u. s. w., haben die erforderlichen Räumlichkeiten geschafft, und gehoben durch einen lebhaften, zum großen Teil in deutschen Händen befindlichen Handelsverkehr bietet Saigon den franz. Kriegsschiffen in den ostasiat. Gewässern den vortrefflichsten Stützpunkt. Infolge seiner Annexion von Nieder-C. wußte Frankreich sich auch das Protektorat über Kambodscha (s. d.) und hierdurch freien Zugang in das Innere von Hinterindien mittels des Me-khong-Flusses zu erwerben. Litteratur. Vgl. Veuillot, La Cochinchine et la Tonquino (Par. 1859); Cortambert und de Rosny, Tableau de la Cochinchiner (Par. 1863); Aubaret, «Histoire de la Basse-Cochinchine (Par. 1867); Pallu, Iistoire de Pexpédition de Cochinchine en 18645 (Par. 1864); Taillefer, La Cochinchine, ce qu'elle est, ce qu'elle sera. Deux ans de séjour dans ce pays, de 1853 à 18555 (Périgueux 1865); Prudhomme, «Souvenirs de 'expédition de Cochinchine, 1861-620 (Par. 1865); Lemire, Cochinchine française et royaume de Cambodgep (Par. 1869); Rickmers, Die franz. Flottenstation Saigono (Geestem. 1871); «Deutschands Interessen in Ostasieno (Berl. 1871); Bouillevaux, L'Annam et le Cambodgeo (Par. 1875); (Annuaire des marées de la Basse-Cochinchine et du Tongkin pour l'an 18825 (Par. 1881); Favre, (La Cochinchine française en 18815 (Par. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 475Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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