Hué, auch Hué-fu genannt, die Hauptstadt des Reichs Annam (s. d. in Hinterindien, zugleich Haupthandelsplatz der Provinz Dangtrong oder Cochinchina an der Ostküste derselben, ungefähr 15 km von der Mündung des Flusses Hué gelegen, hat eine stark fluktuierende, von einigen nur auf 30 000, von andern bis auf 100000 Seelen geschätzte Bevölkerung. Dieselbe treibt beträchtlichen Handel und beschäftigt sich mit verschiedenen Manufakturen. Der Ort ist aus früherer Zeit durch franz. Ingenieure stark befestigt, mit starken Außen- und Innenwerken, einer Citadelle, 20 m hohen Mauern, breiten Gräben, einer Kanonengießerei, Magazinen, Arsenalen und Werften versehen, welche letztern an einem die Stadt durchziehenden Schiffahrtskanal liegen. Auf den Werften werden Kriegsschiffe zum Teil nach europ. Mustern gebaut. Der König bewohnt einen weiten, befestigten Palast. Die gewöhnlichen Wohnhäuser sind meistens aus Bambus errichtet. Vor dem Hafen liegt eine Morastbank, auf welcher das Wasser bei Springfluten nur 4—5 m mtheich u Durch den im Mai 1884 zwischen Frankreich und China zu Tien-tsin abgeschlossenen Vertrag, kraft dessen China das franz. Protektorat über Annam und Tongking anerkennt und seine drei südl. Grenzprovinzen dem allgemeinen Handel eröffnet, hat auch H. für Frankreich eine erhöhte Wichtigkeit erhalten.