FeedCochin
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Cochin, Cotschin (ind. à Daürin Malabar Handelsstadt und Seehafen im Distrikte Malabar der indo-brit. Präsidentschaft Madras, an dem nördl. Ende einer langen und schmalen, eine Meeresbucht von beträchtlichem Umfange und großer Tiefe seewärts begrenzenden Landzunge gelegen. Obgleich der Eingang in dieses Haff durch vor demselben liegende Sand⸗ und Morastbänke für tiefgehende Schiffe beträchtlich erschwert wird, diese auch während des Südwestmonsuns daselbst nicht ganz sicher liegen, so ist dasselbe doch von größter Wichtigkeit, weil C. der einzige Ort der Westküste südlich von Bombay ist, wo große Seeschiffe, ja selbst Kriegsfregatten gebaut werden können, wofür die Wälder der westl. Ghats das „im durh Albunamentlich +½½ liefern. C. kam durch Albuuerque, der daselbst 1503 die erste europ. Niederassung in Indien gründete, in den Besitz von Por⸗ +9½7 und gelangte bald durch beträchtlichen Handel mit den Nachbarländern und Europa zu großer Blüte. Diese nahm noch zu unter den Holländern, die C. 1663 den Portugiesen entrissen hatten. Sie legten breite und gerade Straßen an, verbesserten und erweiterten die schon von ihren Vorgängern stammenden Festungswerke und erhoben die Stadt zum Mittelpunkte eines sehr großartigen, alle Naturprodukte sowohl als die Erzeugnisse der Kunst und Industrie von Europa und Asien umfassenden Handelsverkehrs. Im J. 1796 wurde C. von den Engländern erobert, welche 1806 alle Festungswerke und andern öffentlichen Gebäude in die Luft sprengten, wobei durch die Heftigkeit der Explosionen auch die meisten Wohnhäuser einstürzten. wurde infolge dessen von allen wohlhabenden Bewohnern verlassen und verfiel in jeder Hinsicht. In diesem Zustande wurde es an die Holländer zurückgegeben, die es bis 1824 behielten, wo es durch Tauschvertrag für immer an England gelangte. Erst seit dieser Zeit hat C. angefangen, sich wieder zu erholen, ist aber noch lange nicht zu seinem frühern Glanze und Reichtum zurückgekehrt. Die während der holländ. Herrschaft sehr zahl-Dendes außer den Europäern aus allen handeltreibenden Völkern Asiens zusammengesetzte Bevölkerung beträgt (1875) 13 775. Handel, Schiffahrt, Schiffbau und Fischfang bilden die Hnnec tigung. Unter der Bevölkerung befinden sich viele Abstammlinge von Portugiesen und Holländern welche verarmt und, was die erstern betrifft, au in intellektueller und sittlicher Beziehung gänzlich heruntergekommen sind. Auch lebt dort eine Anzahl von indischen, sog. schwarzen, und von europäischen, sog. weißen oder Ianaz Juden. Der indo-brit. Vasallenstaat Cochin, an dem Meere, nördlich von dem Distrikte Malabar gelegen, südlich von dem Vasallenstaate Trawancore begrenzt, zählt auf 3525 gkm (1875) 601 114 C. (meist Hindu). Hauptstadt ist Tripontary, 11 km von der Stadt C. entfernt. Das Land, früher an Hyder-Ali von Mysore zinsbar, wurde 1792 und 1809 Vasallenstaat der Englisch-Ostindischen Kompagnie und befindet sich seit 1839 in zunehmendem Aufblühen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 474Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Handwerk & Gewerbe 6