FeedCollorédo
GeschichteBrockhaus 1882

Collorédo, ein vielverzweigtes österr. Adels-Der Weit hat seinen Ursprung in dem alten Hause er Freiherren von Wallsee in Schwaben, seinen nächsten Ahnherrn aber in Wilhelm von C., der 1302 den Bau des festen Schlosses C., unweit des Fleckens Mels (Melz) in Friaul, begann, wonach er sich mit seinen Nachkommen benannte. Von seinen vier Söhnen starb Mathiusius bald nach dem Vater; die andern, Asquin, Bernhard und Weickardt, begründeten drei Zweige des Hauses. I. Die Asquinische Linie, deren Stammvater (Asquin) in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrh. lebte, zerfiel im 16. Jahrh. durch die Brüder Johann und Friedrich in zwei Aste. Der älteste Ast erlosch mit dem Grafen Ludwig von C. 1694. Ludwig von C., ein Sohn Friedrichs, ward 19. März 1588 mit dem ganzen Geschlecht von Kaiser Rudolf in den Reichsfreiherrenstand erhoben und erhielt 1591 die Erlaubnis, sich des Titels und Wappens der ausgestorbenen Herren von Wallsee zu bedienen. Die drei Söhne Ludwigs, Lelius, Hieronymus und Rudolf, erhielten mit ihrer Nachkommenschaft 1624 die reichsgräfl. Würde. Rudolf von C., geb. 2. Nov. 1585, war unter Ferdinand II. und Ferdinand III. Feldmarschall der kaiserl. Armeen, zeichnete sich im Dreißigjährigen Kriege, insbesondere bei Lützen, und 1648 durch die Verteidigung Prags aus, war an der Wallensteinschen Katastrophe beteiligt und starb 24. Jan. 1657. Auch sein Bruder, Hieronymus von C., geb. 1582, that sich im Dreißigjährigen Kriege hervor und blieb 1638 beim Entsatze von St.⸗Omer, wo er als Feldmarschalllieutenant die Reiterei edre Mit Graf Ludwig von C., dem Sohne des letztern, welcher als Feldzeugmeister 28. Dez. 1693 starb, erlosch die Squinische Linie. II. Die Bernhardinische Hauptlinie des Geschlechts zerfiel durch die Brüder Hieronymus J. und Thomas in zwei Linien, die von Mels und die Mantuanische. — A. Zu der Mantuanischen Linie oder den Nachkommen Hieronymus' I., die 1624 zugleich mit dem Asquinschen Aste in den Reichsgrafenstand erhoben wurde, gehörte Graf Johann Baptist von C.⸗Wallsee. Derselbe zeichnete sich 1642 bei Leipzig aus und ward 1648 von Venedig zum Feldmarschall für den Krieg gegen die Türken erwählt. Er fiel bei der Verteidigung von Candia im Okt. 1649. Sein Bruderssohn, Jobü0 Baptist von C., gest. 1729 als kaiserl. O berofmarschall, hinterließ zwei Söhne, Karl Ludwig und Camill. a) Der ältere derselben, Graf Karl Ludwig von C., geb. 22. Aug. 1698, Ma: 1767, wurde der Stifter der eigentlichen Mantuanischen Linie, die jedoch mit seinem jüngsten Sohne, dem Grafen Johann Baptist Franz von C., geb. 1731, gest. 25. Jan. 1815 als Generalmajor, wiederum erlosch. Ein Bruder des letztgenannten war Graf Anton Theodor von C. (geb. 10. Aug. 1726, gest. 1811), seit 1777 Fürst-Erzbischof von Olmütz, seit 1803 Kardinal. b) Graf Camill von C. (geb. 17. Sept. 1712, gest. 21. Dez. 1797), der Universalerbe seiner Muhme, der Fürstin Montecuculi, wurde Ahnherr der Böhmischen Linie oder der Linie C.⸗Wallsee. Der Enkel des letztern, Graf Franz de Paula von C., geb. 29. Okt. 1799, war von 1843 bis 1847 Gesandter in Petersburg, dann in London (1849—56), endlich in Rom. Er starb in Zürich während der Friedensunterhandlungen 26. Okt. 1859. Mit ihm erlosch auch die Böhmische Linie im Mannsstamme. — B. Der jüngere oder Thoma sische Ast der Bernhardinischen Hauptlinie blüht in Italien noch gegenwärtig in wei um 1765 entstandenen Speziallinien, in der zu Padua und der zu Muscletto und Udine. III. Die Weickardtsche Hauptlinie, welche 14. Febr. 1629 von Kaiser Ferdinand II. in den Reichsgrafenstand erhoben wurde, erhielt ihren Namen von Weickardt, dem obenerwähnten vierten und jüngsten Sohne Wilhelms von C. Zu seinen Nachkommen gehörten die Brüder Fabius und Camillus. Der erstere hatte sechs Söhne. Einer derselben, Fabricius von C., geb. 1576, bekleidete unter Ferdinand II. von Medici die erste Ministerstelle und starb 1645. Seine Reise an den kaiserl. Hof beschrieb sein Begleiter Daniel Eremita, ein Flamländer, in lat. Sprache. Sein Neffe, Fabius II., Marchese von Sta.⸗Sofia, hinterließ zwei Söhne, Ferdinand und Fabricius II. Leander von C., ein Sohn des letztern, geb. 25. Sept. 1639, wurde 1686 Kardinal und starb 8. Jan. 1709 als Großpönitentiar zu Rom. Sein ältester Bruder Ferdinand gründete durch die beiden Söhne Hieronymus und Rudolf die beiden noch blühenden Linien des Weickardtschen Hauptzweigs, die Hieronymische (später furstliche) Linie und die Rudolfinische Linie. — A. Graf Hieronymus von C., der Ahnherr der fürstlichen Linie, geb. 1674, war von 1714— 17 Landeshauptmann in Mähren, seit 1725 Obersthofmarschall und starb 2. Febr. 1726 zu Wien. Von seinen vier Söhnen zeichneten sich besonders aus: Graf Anton von C., geb. 14. Nov. 1707. Derselbe trat 1728 in die Armee und rückte hier bis um Feldmarschall auf, wurde 1766 Direktor der sämtlichen Militärakademien, um deren Umgestaltung er sich namhafte Verdienste erwarb, und starb 3 Wien 17. März 1785. Sein Bruder, Graf Karl orromäus von C., geb. 1718, war von 1753 rmißt, sind unter K aufzusuchen. bis 1757 Gesandter am engl., dann am russ. Hofe und starb, seit 1758 Feldmarschalllieutenant, zu Venedig 28. Okt. 1786. Graf Rudolf Joseph von C., der älteste Sohn des Grafen Hieronymus und Bruder des vorigen, geb. 6. Juli 1706, seit 1737 Reichsvizekanzler, ward 29. Dez. 1763 von Kaiser Franz I. mit seiner männlichen Descendenz nach dem Rechte der Erstgeburt in den Reichsfürstenstand und 1764 in den erbländischen Fürstenstand erhoben. Er starb 1. Nov. 1788 und hinterließ 18 Kinder. Von seinen Söhnen sind zu nennen: 1) Graf Joseph Maria von C.⸗Mels und Waldsee, geb. zu Regensburg 11. Sept. 1735, trat frühzeitig in die Armee, zeichnete sich im Siebenjährigen Kriege aus und wurde unter Joseph II. Generaldirektor der Artillerie, um deren dem Turt⸗ er sich große Verdienste erwarb. Nach dem Türkenkriege zum Feldmarschall erhoben, erhielt er den Oberbefehl über das Beobachtungskorps an der preuß. Grenze und wurde 1805 als Staats-⸗ und Konferenzminister mit den Geschäften des Kriegsministeriums betraut, die er bis 1809 ununterbrochen führte. C. starb 26. Nov. 1818. 2) Graf Wenzel Joseph von C., eb. 15. Okt. 1738, avancierte 1784 zum Feldmarschalllieutenant, während des Türkenkriegs 1789 zum Feldzeugmeister, wo er das Observationskorps in Galizien kommandierte. Er kämpfte 1792 mit Erfolg gegen Frankreich vor Onnaing und Estrées, 1796 war er Landeskommandierender von Mähren, dann Inspektor der Militärgrenze. Seit 1807 war er Präsident des polit.⸗ökonomischen Gremiums beim Hofkriegsrate, welchem Amte er einige Jahre vorstand, wurde 1808 zum Feldmarschall ernannt und starb 4. Sept. 1822 zu Wien. 3) Fürst Franz de Paula Gundaccar von C., der älteste der Brüder, vermählte sich 6. Jan. 1771 mit Maria Isabella Anna Ludomilla, Reichsgräfin von Mansfeld, und nahm für sich und seine Nachkommen den Namen Colloredo-Mansfeld (s. d.) an. — B. Die Rudolfinische Linie des Weickardtschen Hauptastes gründete Graf Rudolf von C., Vizegraf von Mels (geb. 1676, gest. 1714).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 508Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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