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ErdkundeBrockhaus 1882

Colorado ist der Name dreier großer Flüsse (Rios) in Amerika. Der Westliche Colorado (C. del Oceidente, C. of the West, früher auch C. de California genannt), nach dem Columbia der bedeutendste Strom, der aus dem Gebiet der Vereinigten Staaten in den Stillen Ocean fällt, hat mit Einschluß seines nördlichsten Quellstroms einen Lauf von 3200 km und entsteht unter dem 38.“ nördl. Br. aus der Vereinigung des etwa 800 km langen Green-River mit dem 560 km langen Grand-River. Der Green-River entspringt im westl. Teil des Territoriums Wyoming im Felsen-Loben im Windriver-Range am Fuße des 4136 m hohen Fremont Peak, etwa unter 43 15 nördl. Br. unweit des Lewis und des Bighorn, also des Columbia⸗ und Missourigebietes, fließt erst südlich, dann in einem östl. Bogen um die Uintah-Mountains sich windend und dabei auf eine kurze Strecke den nordwestl. Teil des Staates C. durchlaufend, wieder gegen S. durch Utah, wo er sich mit dem Grand-River vereinigt. Von seinen Nebenflüssen ist der Hampah oder Bärenfluß, der White-River, Uintah und San-Rafael zu nennen. Der Grand-River entsteht unter dem Namen Bunkara unter 40 17 nördl. Br. in dem Mittelpark des Felsengebirges im nördl. Teil des Staates C. und fließt durch diesen sowie durch das Territorium Utah im allgemeinen in südwestl. Richtung. Bedeutendere Zuflüsse erhält er nur vom S. her, und zwar den South-Fork oder Gunnison und den Rio de los Dolores. Der auf diese Weise gebildete Strom fließt nunmehr unter dem Namen C. bis zur Einmündung des von N. her aus dem Wahsatchgebirge kommenden Rio Virgen durch Utah und Arizona gegen SW. Auf dieser Strecke nimmt der C. vom O. alei den San-Juan und den C.⸗Chiquito oder Kleinen C. in sich auf und durchbricht verschiedene undurchdringliche Felsenwüsten vulkanischer Gebirgsmassen in langen Casions (s. d.). Dann wendet er sich im ganzen südwärts, die Grenze zwischen Nevada und Californien einerseits und Nehona andererseits bildend, nimmt vom O. her sunächst etwa unter 34 20“ nördl. Br. den Bill-Williams-Fork, dann Fort Numa gegenüber an der mexik. renze den aus Neumexiko kommenden Rio Gila auf, durchbricht eine Reihe Felsbänke von 20—24 m Höhe und erreicht, in einer Breite von 400 m, nach einem sehr gewundenen Laufe den Meerbusen von Californien (. d.). Vom W. her erhält der C. keine bedeutenden Zuflüsse. In seinem Unterlaufe hat er 2 m, bei Nippflut 3, bei Springflut bis 10 m Tiefe. Die Schiffbarkeit des Stroms und zwar nur für Dampfboote eigentümlicher Konstruktion reicht nicht über die Mündung des Rio Virgen hinauf. Das 4—10 km breite Thal des C. in seinem Laufe nach S. besitzt lange Strecken fruchtbaren Bottomlandes und stellenweise dichte Wälder. Zwischen der untersten Thalstrecke und dem 250 km westlich am Stillen Ocean gelegenen californischen Küstenort San-Diego liegt die Coloradowüste genannte Einöde, berühmt durch ihre zahlreichen Schlamm- und Heißwasserquellen. Bei hohem Wasserstande tritt der C. aus seinen Ufern und ergießt sich in das Gebiet dieser Wüste, welches 90 m unter dem Meeresspiegel liegt, und bildet dann den New-River. In dem Thale des untern Laufs finden sich Spuren alter Bewässerungskanäle, bei Fort Yuma Reste span. Missionsgebäude aus der ersten Hälfte des 18. Jahrh. Auf ein höheres Alter deuten im Gebiete des Rio Gila und obern C. zahlreiche Reste verfallener Häuser, ja ganze Ruinenstädte. Man vermutet in diesen jetzt verödeten Gebieten die Urheimat der Tolteken und Azteken. Das gesamte Flußgebiet des C. umfaßt 660 550 dkm. davon entfallen auf den Green-River 122 300, auf den Grand-River 68560, auf den C.⸗Chiquito 75800 und auf den Rio Gila 177 726 qkm. Der Östliche Colorado, einer der größten Flüsse des Staates Texas, entspringt zwischen 32“ und 33° nördl. Br. und 102 westl. L. von Greenwich an der öden Hochfläche des Llano-Estacado in etwa 1400 m Höhe, unweit Ernkos, iept den Quellen des etwa gleichgroßen Brazos, fließt erst 300 Em in fast östl. Richtung durch das Land der Comanches-Indianer, dann mit vielen Windungen und Katarakten gegen SO. über die Stadt Austin und mündet nach einem Laufe von etwa 1460 km bei dem Hafenorte 4. Oeiae in den östl. Teil der Matagordabai. eine bedeutendsten Nebenflüsse sind der Concho, San-Saba und Llano. Die große Matagordabai wird durch eine schmale Nehrung vom Mexikanischen Golf abgesperrt und ist im Innern so seicht, daß größere Schiffe nicht zum C. gelangen können. überdies wird der C. 17 km oberhalb der Mündung durch eine sog. Rast oder Anschwemmung von Treibholz En pait⸗ die ihn veranlaßt, sich in mehrere Arme zu spalten. Nach überwindung dieses Hindernisses können Schiffe bis Austin 320 Em hinauffahren, flache Dampfboote noch 90 km weiter, aber nur während der vier Monate des Hochwassers. Der C. ist ein schöner, klarer Strom, der auf zwei Drittel seines Laufs eine sehr fruchtbare Gegend durchströmt. Das gesamte Flußgebiet umfaßt 106 755 akm. Der Südliche Colorado, im südl. Teil der südamerik. Republik Argentina, nördlich von dem Rio Regro, entsteht etwa unter 35° südl. Br. aus dem Rio Grande und Rio de Barrancas, die aus den chilen. Cordilleren kommen und gegen SO. fließen. Nach ihrer Vereinigung heißt der Fluß im Inlande Gobu-Leobu (Großer Fluß). Derselbe nähert sich auf etwa 110 Em der großen Laguna Amarga „(Bittersee), die von NW. her das vereinigte Wasser des Rio Salado oder Chadi Leobü und Desaguadero aufnimmt, und mündet unter 39. 51 südl. Br. und 62e 4 westl. L. von Greenwich in das Atlantische Meer. Sein etwa 1200 km langer Lauf ist nur wenig bekannt. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 516Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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