FeedCompagnonage
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Compagnonage nennt man in Frankreich eine eigentümliche Organisation der Handwerksgesellen, die bis in das Mittelalter zurückreicht und auch Verwandtschaft mit den ältern deutschen Gesellenverbänden besitzt. Sie erinnert in ihren Formen vielfach an die Freimaurerei und umfaßte ursprünglich nur die Baugewerke, welche mit «Zirkel und Winkelmaßv arbeiten. Die C. bildete übrigens niemals eine Einheit, sondern die Verbände zer-Heind in verschiedene Lager, die sich mit größter Feindschaft gegenüberstanden, was noch in den funfziger Zahren sührt Jahrhunderts oft zu blutigen Schlägereien führte. Man unterscheidet hauptsächlich drei Gruppen: die Enfants de Salomono oder (Gavotso, auch Gesellen vom Devoir de libertéy genannt, aus Steinmetzen, Schreinern und Schlossern bestehend, denen sich auch eine Partei der Zimmerleute anschloß; die Enfants de maitre Jacquesv, die ursprünglich ebenfalls nur aus Verbänden von Steinmetzen, Schreinern und Schlossern bestanden, später aber den Devoiro (Ritus, Comment) auch vielen andern Handwerkern mitgeteilt aben; die Enfants du père Soubise o, die urprüglich nur aus Zimmerleuten bestanden, später aber noch die Dachdecker und Gipser zugelassen haben. Die beiden letztgenannten Gruppen hießen „(Compagnons du devoiro oder cdevoirantso (von den «gavots o korrumpiert in dévorants ↄ), Seit 1830 bildete sich eine Reformpartei unter dem mißt, sind unter K aufzusuchen. Namen der „Société de l'Uniono, welche die zu vielen Excessen führende Symbolik der alten C. fallen ließ und nur die praktisch berechtigten Zwecke derselben ! Lalenen wollte. Dieselbe hat nach vielen Schwierigkeiten allmählich Boden gewonnen, obwohl ihr! von den Hilfsgenossenschaften und Gewerkvereinen, wie sie sich in der neuesten Zeit ausgebildet haben, eine große Konkurrenz gemacht wird. Der nächste Zweck der C. war die Unterstützung der Gesellen [! auf ihrer Wanderung; sie fanden in den Städten des regelmäßigen ctour de France eine ständige Herberge (mére), Arbeitsvermittelung, Pflege und Außerdem aber wirkte die C. nach Art der modernen Gewerkvereine auf den Arbeitsmarkt ein, indem sie die Zuwanderung der Gesellen von bereits Meiser un Städten ablenkte, oft auch einzelne Meister und sogar ganze Städte in Verruf (damnation) that, und auch nicht selten trotz des strengen Koalitionsverbotes wohlorganisierte Strikes unternahm. In einigen Gewerben hat sich die C. auch gegenwärtig neben den andern Gewerkvereinsformen behauptet, so namentlich bei den Zimmerleuten in Paris. Vgl. Simon, Etude historique et morale sur le C.v (Par. 1853); Perdiguier, XLe livre du C.v (3. Aufl., Par. 1857); Lexis, &Gewerkvereins⸗ und Unternehmerverbände in Frankreicho

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 543Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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