Condotta (ital.), Führung, Geleit, Warentransport, Fracht; auch Kriegführung durch Condottieri; per c. di NN., durch den Frachtfuhrmann NN. Condottiéêri hießen in Italien die Anführer von Soldtruppen, welche auf bestimmte Zeit in den Dienst von Haub d und Republiken traten, oft auch auf eigene Hand das Kriegshandwerk trieben, um plündern und brandschatzen zu können. Die endlosen Fehden der ital. Staaten und Fürsten untereinander riefen sie ins Leben, und mit dem Verfall der Feudalverfassung gewannen sie weite Verbreitung. Schon die Visconti und Scala schufen etwas Ahnliches, indem sie Soldaten in Deutschland für lic werben ließen, auf deren Treue und Anhänglichkeit sie Vertrauen setzten; doch waren diese Banden Soldatenrepubliken mit eigenem Recht, deren höchste Gewalt ihren Sitz in der Gesamtheit Leten Später kam die Macht einzelner Persönlichkeiten mehr zur Geltung. So bildete Lodrisio Visconti um 1339 eine förmlich organisierte Bande und fand hierin bald zahlreiche Nachfolger. Nachdem um die Mitte des 14. Jahrh. das Waffenhandwerk fast ganz in den Händen von Ausländern gewesen, unter denen Herzog Werner von Urslingen, Graf Lutz von Landau, der Johanniterritter Montréal, Sir John Hawkwood u. a. sich hervorthaten, schuf um die Zeit des Anfangs des großen Schisma Alberigo da Barbiano wieder errender Truppen, aus denen die beiden großen einander entgegenstehenden Soldatenschulen der Braccesken und der Sforzesken sich entwickelten, und berühmte Kapitäne, die Fortebracci und Piccinini, Carmagnola, Coleone, Francesco Sforza u. a. hervorgegangen sind. Jetzt erst konnten Verbesserungen in der Bewaffnung und Taktik eingeführt werden, und durch die C. erschien zum erstenmal seit dem Altertume wieder eine wirkliche Kriegskunst an Stelle des Waffenhandwerks. Die Blütezeit der C. fällt mit der Zeit der Renaissance zusammen; damals war die Manövrierkunst hoch entwickelt, doch suchten die C. ihre Zwecke möglichst ohne blutige Kämpfe zu erreichen, da es in ihrem Interesse lag, einander nicht allzu viel Schaden zu thun. War der Gegner genötigt, sich unter ungünstigen Verhältnissen zum Treffen zu stellen, so galt er für besiegt; nach kurzem Scheingefecht suchte man möglichst viele Gefangene zu machen, namentlich solche, welche gutes Lösegeld zu zahlen im Stande waren. Furcht und Mißtrauen sch 1h chten stets die Fürsten und Republiken, welche sich ihrer bedienten, und verhinderten ebenfalls größere Erfolge. Die Umwandlung des Kriegswesens seit den mit 1494 begonnenen franz.⸗span. Feldzügen führte auch die Umwandlung der Soldtruppen herbei. (Vgl. Ricotti, «Storia delle Compagnie di ventura, 4 Bde., Tur. 1844.) Ubrigens trat in Frankreich im 14. Jahrh. eine ähnliche Erscheinung in den sog. Compagnies grandes hervor, veranlaßt durch die langen, verheerenden Kriege wischen Frankreich und England. Das Übel wurde 0 arg, daß sich endlich sogar die Bauern, mehrerer südl. Provinzen, unter dem Namen Paciferes, zu einer Art Brüderschaft vereinigten, um diese räuberischen Banden mit Waffengewalt zu vernichten. Nichtsdestoweniger erschienen sie bald darauf unter dem Namen Tard-Venus wieder, schlugen das königl. Heer 1361 zu Brignais bei Lyon, woselbst der Connétable von Frankreich, Jacques de Bourbon, sein Leben verlor, verschwanden aber für immer aus Frankreich, als der Connétable du Gues⸗ (lin sie beredete, mit nach Spanien zu ziehen, um für Heinrich Trastamare gegen dessen Bruder Peter den Grausamen zu fechten.