FeedJohann Perrerch Jos. Fabian Sebastian)
GeschichteBrockhaus 1882

Johann Perrerch Jos. Fabian Sebastian), Erzherzog von Gsterreich, 1848 49 deutscher Reichsverweser, geb. 20. Jan. 1782 zu Florenz als Sohn des Großherzogs Peter Leopold von Toscana, des nachherigen Kaisers Leopold II., und der Marie Ludovica, Tochter König Karls III. von Spanien. Er erhielt seine Erziehung in Florenz und Wien, wurde im Kriege mit Frankreich schon im Sept. 1800 Generalissimus des österreich. Heeres in Bayern, jedoch 3. Dez. 1800 bei Hohenlinden geschlagen, und zog sich, da der Friede von Lunéville vorläufig den Krieg beendete, wieder in das Privatleben zurück, wurde dann zum Generaldirektor des Genie-und Fortifikationswesens in Osterreich ernannt und wirkte namentlich in den Kämpfen von 1805 und 1809 für die Bewaffnung und Erhebung des Volks in Tirol. Im J. 1809 erhielt J. den Oberbefehl über die 80000 Mann starke österr. Südarmee gegen den Vizekönig Eugen, welchen er in dem Kampfe bei Sacile am 16. April 1809 besiegte. Er wandte sich dann nach Norden, wurde jedoch am 14. Juni bei Raab geschlagen. Daß die verspätete Ankunft seines erschöpften Heeres bei Wagram nicht schuld an dem Verluste der dort stattfindenden Schlacht war, ist aktenmäßig festgestellt. Im J. 1815 befehligte J. die österr. Reserven am Oberrhein und zwang die Festung Hüningen am 26. Aug. 1815 zur Übergabe. Seit jener Zeit widmete sich der Erzherzog fast ausschließlich seinen naturwissenschaftlichen und histor. Studien und wandte sich mit besonderer Vorliebe den Alpenländern, insbesondere der Steiermark zu, für die er von großer kulturhistor. Bedeutung wurde durch seine rege Teilnahme an allen Gegenständen des öffentlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Lebens im Lande. Im J. 1811 schon begründete er durch das Geschenk seiner reichen wissenschaftlichen Sammlungen das Museum und die höhere Lehranstalt Joanneumo in Graz. Die Mißgunst des wiener Hofs, welche sich den populär gewordenen Prinzen, der 1827 die Tochter des Postmeisters Plochl in Aussee heiratete, zuwandte, schwand nach dem Tode des Kaisers Franz. Anna Plochl (geb. 1804) wurde zur Baronin von Brandhofen, später zur Gräfin von Meran erhoben und lebt in Graz. Der einzige Sohn dieser Che ist der im J. 1839 geborene Graf Franz von Meran. Im J. 1848 ernannte der geflüchtete Kaiser Ferdinand J. zu seinem Stellvertreter; wegen seiner deutschnationalen Gesinnung wählte ihn dann die Nationalversammlung in Frankfurt a. M. zum deutschen Reichsverweser. Allein bald wurde ihm die Unhaltbarkeit dieser Stellung, in welcher er für Osterreich mannhaft eintreten zu müssen glaubte, klar; nach dem Abschlusse des sog. Interims resignierte er am 20. Dez. 1849, verließ Frankfurt und kehrte nach Steiermark zurück, wo er zumeist sein Palais in Graz bewohnte. Er starb 10. Mai 1859 zu Graz. Am 8. Sept. 1878 wurde ein großes Brunnenmonument zu Graz, welches des Erzherzogs überlebensgroße Figur zeigt, enthüllt. Vgl. von Leitner, «Johann Baptist, kaiserl. Prinz und Erzherzog von Osterreicho, in dem Werke Hlubeks: (Ein treues Bild des Herzogtums Steiermarky (Graz 1860), die beste Biographie J.s; ferner Schimmer, Das Leben und Wirken des Erzherzogs Johann von Ssterreicho (Mainz 1849); Schneidawind, Das Leben des Erzherzogs Johann von Ssterreicho(Schaffhausen 1849); Ant. Schlossar, „Erzherzog Johann von Ssterreich und sein Einfluß auf das Kulturleben der Steiermarks (Wien 1878); derselbe, «Erzherzog Johann Baptist von Esterreichh (Wien 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 864Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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