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ErdkundeBrockhaus 1882

Congo oder auch Kon Rs bei den Portugiesen Zaire (spr. Seire), d. h. Meer, von Stanley als Livingstone derei der größte Strom von Niederguinea an der Westküste und einer der beiden großen Ströme Südafrikas. Soweit man jetzt nach Stanleys großartiger Entdeckungsfahrt 1877 den Lauf des Stroms beurteilen kann, entspringt er als Tschambesistrom in 9“ südl. Br. und 32° östl. L. (von Greenwich, 75 Kmim S. vom Südende des Tanganjikasees in den Mambwebergen, und fließt nach SW. in den See Bangweolo. An der Nordwestecke des Sees tritt der Flun wieder aus, fließt nördlich unter dem Namen Luapula, und tritt dann in 9· 30,, nach etwa 250 Em gewundenen Laufes, in den See Mweru oder Moero Okata, unfern nordwestlich von der Hauptstadt Casembe des Reiches Lunda, in 914 m Höhe. Aus diesem See ausgetreten, fließt er gerade nördlich als Luvwa zu dem in 6 südl. Br. gelegenen Landschisee, in nißt, sind unter K aufzusuchen. welchen von O. her der westl. Ausfluß des Tanganjikasees, der Lukuga, mündet. Kurz vor seiner Einmündung in den Landschi nimmt der Luvwa genannte Hauptstrom links den etwa unter 12 30 südl. Br. auf dem Kone-Gebirge entspringenden Lualaba auf. Aus dem Nordwestende des Sees Landschi nimmt der C. die Richtung nach NNW. und empfängt rechts den Luamo, angeblich mit 160 Zuflüssen, unter welchen rechts der Lolinde. Dann erreicht er in 4 15“ südl. Br. und 26 16 östl. L. von Greenwich im Lande Manjuema den Ort Njangwe. Vom Landschi-See bis hierher führt nach Webb der C. den Namen seines obenerwähnten Zuflusses Lualaba (oder Lualawa). Bis hierhin war der Lauf durch Livingstone her vor Stanley im allgemeinen bekannt, und von hier begann Stanley am 5. Nov. 1876 seine Entdeckungsfahrt. Zunächst beginnt eine Reihe von Wamn im Strome. Derselbe Rlic hier bei den Wainya Ruärowa, bei den westlich anwohnenden Bakusu Ruwärowa. Im N. breitet sich der ungeheuere Wald von Uregga aus. Der C. empfängt nach N. hin rechts acht prächtige Ströme, wie den Lira, Urindi, Lowwa, und links vier: Ruiki, Kasuku, Lumami und Black. In etwa 1 30 südl. Br. empfängt er links den aret Lumami und wird weiterhin außerordentlich breit und überreich an Katarakten, den sog. Stanley-Fällen. Etwa vom Aquator an wendet sich der Strom nach NW. bis in 1 52“ nördl. Br., 825 km westlich vom Westufer des Albert Nyanza. Dieser 210 km lange Nordwestlauf geht durch das Gebiet der menschenfressenden Koruru, in deren SW. Watwa, das Gebiet der Zwerge, liegt, und während desselben münden von der rechten Seite die wichtigen Ströme Mbura und der noch bedeutendere Aruwimi, welche man für den Uélle Schweinfurths halten wollte. Etwa in 22 östl. L. und in 2 5“ nördl. Br. erreicht er im Lande der Barua, die ihn IZkutu-Ja-Congo nennen, den nördlichsten Punkt seines Lauses, und wendet sich nun nach WSW., wo ihm der Ukere rechts zugeht. Er fließt nun durch zwei Längengrade westlich und wird nach Aufnahme des links zu ihm tretenden großen Sankuru noch mächtiger und inselreicher; nachdem er sich in 1 nördl. Br. und 19“ östl. L. nach S. gewendet hat, geht er durch fünf Breitengrade nach SSW., nimmt nahe südlich vom Aquator links seinen größten Nebenfluß, den mächtigen Ikelemba oder Uruki auf (wahrscheinlich der Unterlauf des Cassai), welcher ihm an Breite und Wasserfülle fast gleich ist und 210 km weit ihm parallel, in gleichem Bette, nach S. läuft, mit theefarbenem Wasser, während der C. graubraun ist. Südlich von 3 südl. Br. nimmt er links den dem vorigen parallel laufenden großen Ibari-Nkutu auf, den Stanley für den untern Lauf des Quango hält, rechts dagegen den Bangala, Kunja, Mpaka und Lawson. Sein 460 m breites Bett wird hier zwischen den ihn einengenden Bergen schmal, breitet sich aber bald wieder zu einem großen See, in 350 m Höhe aus, um sich sofort wieder zusammenzuziehen. Vom Westende dieses Stanley-Pool genannten Sees an beginnen nun endlose Hause 9 im Bette; nach einem ununterbrochenen aufe von 1455 km Länge macht er nun bei Kintamo den ersten Katarakt. Er berührt nämlich hier die Kante eines sich sanft senkenden Tafellandes; es folgen nun 322 km weit, bis zum letzten Falle bei Hellala, die Livingstone-Fälle, von denen 62 die hauptsächlichsten sind. Der Strom fällt auf dieser Strecke um 178,3 m. Er berührt dann das in 22,25 m Höhe gelegene Bomma oder Embomma, und Punta do Lenha, beide ehemals 910 den Sklavenhandel besonders wichtig. Endlich ergießt er zwischen dem Kap oder 4 (Haisie do Padrão im S. und der Shark-Point (Haifischspitze) im N., unterhalb der großen Deltainsel Bulambemba, durch eine fast 10 Km breite Mündung, bei 300 m Tiefe, eine ungeheure Wassermasse in den Ocean; denn er übertrifft an Wasserfülle selbst den Mississippi und steht darin nur dem Amazonenstrome nach. Etwa 160 km aufwärts von der Mündung soll er 100m Tiefe haben. Die Einfahrt wird durch die starke Strömung erschwert; er kann aber von großen Schiffen 180 Km weit aufwärts befahren werden; so weit Hehel auch die Dampfer auf ihm hinauf. Stanley hält das ganze Bett des C. für einen trocken gewordenen See von 1140 km Breite, etwa 1600 000 qkm groß, dessen ehemaliger Boden wenig gestört worden ist, da die Absätze auf demselben, aus der mesozoischen Zeit, überall deutlich vor Augen liegen. Die Mündung des C. wurde 1484 durch Diego de Cam entdeckt, welcher auf das Ende des Südufers eine der Steinsäulen mit einem Kreuze und dem portug. Wappen setzte, mit welchen König Jo-Padr die Entdeckungen bezeichnen ließ und welche adräos genannt wurden. Danach ward der Strom Rio do Padräo genannt und das Kap heißt noch jetzt danach. Tuckey kam am 5. Juli 1816 an der Mündung des C. an, war aber nur im Stande, 350 kmeweit aufwärts den Strom zu erkunden, dessen unterste Fälle seitdem 1863 von Burton und 1873 von der Expedition Grandys besucht worden sind. Livingstone, Cameron und Stanley aber verdankt man erst die Aufschließung dieses 4500 km langen Riesenstroms. Stanley hat den Vorschlag gemacht, den seit Jahrhunderten Congo genannten Strom Livingstone zu nennen. Ende 1882 waren auf der Strecke von der Mündung bis Stanley-Pool bereits 14 Stationen angelegt; darunter sind für Stanleys weiteres Vordringen am Strome besonders Vivi, Isandschila und Manjanga als feste Stützpunkte wichtig. Brazza (s. d.) hat am Südrande des Stanley-Pool bereits die barn Station Nschascha oder Brazzeville angelegt. Von kath. und prot. Missionaren wurden Stationen errichtet zu Banana, San-Antonio, Nemlao, Landana, Boma, Mussuca, Noki, Palaballa, Montiko und Mbu. Den mittlern C. (auch Lualaba genannt) und sein Gebiet erforschte im Frühjahr 1882 der deutsche Afrikareisende Lieutenant Wißmann, welcher im April 1881 von Loanda an der Westküste Afrikas in der Müt war und nach Durchwanderung des in der Mitte des von ihm durchmessenen Gebiets gelegenen Reichs Muata-Jamwos, welches bis dahin noch keinem Forschungsreisenden sich völlig erschlossen hatte, 17. Nov. 1882 in Rritn it anlangte. Diese Reise quer durch Südafrika ist eine der kühnsten Entdeckungsfahrten der Neuzeit. (S. Stanley.) Vgl. außer den Reisewerken von Livingstone, Cameron und Stanley noch: Schütt, «Reisen im südwestl. Becken des C.v (Berl. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 557Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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