FeedHoya
ErdkundeBrockhaus 1882

Hoya, alte Grafschaft im Landdrosteibezirk Han— nover der preuß. Provinz Hannover, größtenteils zwischen der Weser und Hunte gelegen, im N. von Bremen und Oldenburg, im O. von Verden und Kalenberg, im S. vom Regierungsbezirk Minden, im W. von Diepholz und Oldenburg begrenzt, besteht teils aus Moor-⸗, Heide-und Sand-, teils aus Marschboden, welcher reiche Ernten gewährt und sich trefflich zur Viehzucht eignet. Der Umfang der alten Grafschaft wird zu fast 3000 km angegeben. Die einzige Stadt der Grafschaft ist Nienburg (s. d.). Der 20 Em nördlicher an der Weser gelegene alte Flecken Hoya, Station der Linie Eystrup-H. der Hoyger Eisenbahn, hat (1880) 2032 meist prot. E., ein sehr altes, 1295 erneuertes Schloß, mehrere Tabaksfabriken, eine Essigfabrik und lebhafte Flußschiffahrt und ist Sitz eines Amtsgerichts und Hauptort des gleichnamigen Kreises (822 qkm mit 45206 meist prot. C.). — Die Grafen von H. kommen zuerst Anfang des 13. Jahrh. vor, vergrößerten ihre Herrschaft durch verschiedene Erwerbungen, namentlich im 14. Jahrh. der beiden Grafschaften Alt⸗ und Neu-Bruchhausen, und wußten nach Auflösung des welfischen Herzogtums Sachsen lange Zeit ihre Reichsunmittelbarkeit zu bewahren. Als indessen Kaiser Maximilian 1502 die durch Aussterben des Mannsstammes dieser Linie erledigte niedere Grafschaft an Herzog Heinrich den Mittlern von Braunschweig verlieh und dann infolge längerer Lehnsstreitigkeiten die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg in Verbindung mit dem Bischof von Minden 1512 die Grafschaft occupierten, kamen die Grafen von H. erst von 1519 an und nach den Beß Verhandlungen nach und nach wieder in den Besitz der Grafschaft und mußten nun die ganze Grafschaft von dem Hause Braunschweig zu Lehn nehmen. Demzufolge fielen beide Teile, als 1582 das alte Grafengeschlecht ausstarb, dem Landesherrn anheim und teilten seitdem alle die dynastischen Wechselfälle, welche die braunschw. Lande erfuhren.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 420Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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