FeedCoriolanus
GeschichteBrockhaus 1882

Coriolanus ist der Beiname des röm. Patriciers Gnäus Marcius (der ihm von andern bei-I* te Vorname Gajus beruht auf einem Irrtum). ac den röm. Geschichtsbüchern erhielt er diesen Beinamen für die 493 v. Chr. durch seine Tapferkeit herbeigeführte Eroberung Coriolis, eines wichtigen Waffenplatzes der Volsker. Feindselig gegen die Plebejer gesinnt, riet er, als bald nach jenem Ereignis Hungersnot das Volk bedrückte, im Senat dazu, die aus Sicilien angelangten Getreidevorräte den Plebejern vorzuenthalten, wenn sie sich nicht zur Abschaffung des erst zwei Jahre vorher errungenen Tribunats verständen. Die Tribunen luden ihn, als dies kund ward, vor die plebejische Volksversammlung, die damals, 491 v. Chr., zuerst zum Gericht über einen Patricier zusammenberufen wurde. C. ward verurteilt und ging zu seinem Gastfreunde, dem Könige der Volsker, Attius Tullius, nach Antium ins Exil. Als nun anläßlich der Feier der Eircensischen Spiele die Volsker mit Attius nach Rom strömten, warnte letzterer nach einer zwischen ihm und C. verabredeten List die Konsuln vor einem andstreiche der Volsker. Antuch dessen wurden die Volsker genötigt, vor Anbruch der Nacht Rom R verlassen, und erklärten wegen dieser Beleidigung om den Krieg. C., neben Attius Tullius zum Feldherrn erwählt, eroberte die röm. Kolonie Circeji und einige andere röm. Städte, sowie ganz Latium und lagerte sodann fünf Milien vor Rom bei den Cluilischen Gräben, von wo aus er die Acker der Plebejer verwüsten ließ, während er die der Patricier schonte. Da die Römer nicht gerüstet waren und die Plebejer mißtrauisch sich weigerten, zu kämpfen, so sandte in der Bedrängnis der Senat fünf Konsulare an C., die ihm den Beschluß, durch welchen er als röm. Bürger wiederhergestellt ward, überbrachten. Aber C. verlangte auch die Zurück-Lant alles bis dahin den Volskern abgenommenen andes und gewährte eine Frist von 33 Tagen. Am 31. Tage kamen zehn Konsulare zu ihm; doch C. gab nichts von seiner Forderung nach. Als am folenden Tage auch die Priester ihn vergeblich angesicht hatten, stieg die Verzweiflung in Rom aufs Außerste. Da zogen am dritten Tage die edelsten Frauen, geführt von C.“ greiser Mutter Veturia und seiner Gattin Volumnia, in das Lager. Durch die Thränen seiner Mutter ward er erweicht. (Du hast zwischen dem Vaterlande und deinem Sohne gewählt; 25 entsage der Rückkehro, sprach er zu ihr, und führte das volskische Heer zurück. Die Erzählung, daß er hierauf sogleich von den erbitterten Volskern ermordet worden sei, und eine andere, daß er sich selbst den Tod gegeben habe, beruht auf einer den äl Umbildung der ältern Sage. Nach Fabius, em ältesten röm. Annalisten, lebte er unter den Volskern noch lange und ist erst als Greis, oft über das Elend der Verbannung klagend, gestorben. Nach seinem Tode sollen ihn die röm. Frauen ein ganzes Trauerjahr betrauert haben. Diese Erzählung von C. ist ganz unhistorisch; sie widerspricht fast in allen Punkten direkt feststehenden Thatsachen. Shakspeare ehandelt. Vgl. Mommsen, Die Erzählung von En. Marcius C.v im Hermes⸗ (Bd. 4, Berl. 1870) und in den Röm. Forschungeno (Bd. 2, Berl. 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 599Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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