FeedCimbern oder Kimbrer
ErdkundeBrockhaus 1882

Cimbern oder Kimbrer, ein Volk german. Stammes, welches von seinem alten Sitze an der Nordsee (auf der Cimbrischen Halbinsel und an der westl. Ostsee) her durch Germanien in die Keltenländer an der mittlern Donau, zunächst wohl nach dem Lande der Bojer in Böhmen, dann nach dem der Skordisker in Serbien und Bosnien gezogen war, zuerst 113 v. Chr. in den östl. Alpen, in dem Lande der Taurisker, als neuer furchtbarer Feind der Römer erschien und bei Noreja, unweit St. Veit nördlich von Klagenfurt, im heutigen Kärnten, den Konsul Gnäus Papirius Carbo schlug. Die C. drangen jedoch nicht, wie die Römer besorgten, in Italien ein, sondern zogen westwärts durch Helvetien nach dem südl. Gallien, wo sie sich zuerst wieder 109 v. Chr. den Römern zeigten. Sie baten den röm. Senat um Überlassung von Ländereien, was ihnen aber abgeschlagen ward. Unter ihrem König Bojorix besiegten sie nun im Gebiete der Allobrogen den röm. Konsul Marcus Junius Silanus. Der Konsul Lucius Cassius Longinus fiel 107 (bei Agen an der Garonne) in einer Schlacht gegen die helvet. Tiguriner und Tougener, die sich, wie es scheint, damals noch nicht den C. angeschlossen hatten. Die furchtbarste Niederlage aber erlitten die Römer durch die C. 6. Okt. 105 bei Arausio (jetzt Orange) unweit des Rhöne, wo drei Heere unter dem Konsul Gnäus Mallius Maximus, dem Prokonsul Quintus Servilius Cäpio und dem Konsular Marcus Aurelius Scaurus von ihnen vernichtet wurden. Doch auch jetzt drangen die C. nicht nach Italien vor. Sie wandten sich vielmehr westwärts über die Pyrenäen nach Spanien, von wo sie, 103 v. Chr., von den tapfern Keltiberern zurückgeschlagen, wiederum nach Gallien zurückkehrten, dessen atlantische Hälfte sie zunächst überfluteten. Sie drangen nordwärts bis zur Seine vor, wo sie endlich von seiten der Eidgenossenschaft der Belger ernstlichen Widerstand fanden. Die letztern vermoch—⸗ ten sie auch nicht zu überwältigen, als sie durch die Tiguriner und sowie durch die indes von der Ostsee her in Gallien eingedrungenen stammverwandten Teutonen (s. d.) unter deren König Teutobod verstärkt worden waren. Die Führer dieser german. und kelt. Scharen beschlossen daher, jetzt vereinigt nach Italien vorzudringen. Die Römer hatten indes dem Marius (s. d.) den Oberbefehl im südl. Gallien übertragen (104 v. Chr.), von welchem sie allein noch die Rettung von Feinden hofften, deren Körpergröße, Stärke, kühne Tapferkeit und eigentümliche Kampfesweise ihnen von Anfang an Schrecken eingeflößt hatten. Das nach Süden vorrückende Heer der Barbaren hatte sich jedoch bald wieder in zwei Scharen gespalten. Die eine, gebildet durch die C. mit den Tigurinern, sollte, über den Rhein zurückkehrend, durch die schon im J. 113 erkundeten Pässe der Ostalpen, der andere Heerhaufe, der borer aus den Teutonen, den Tougenern und der bereits aus der Schlacht bei Arausio bewährten kelt. Kernschar der Ambronen, durch das röm. Gallien und die westl. Alpenpässe nach ritt u eindringen. Diese zweite Abteilung überschritt im Sommer 102 v. Chr. den Rhöne und zog am linken Ufer desselben herab; aber Marius erwartete sie jetzt in einem festen Lager an der Einmündung der Isere in den Rhone und bot drei Tage lang ihrem Anstürmen Trotz. Nach harten Verlusten gaben sie die Eroberung des röm. Lagers auf und zogen weiter nach Italien. Marius folgte ihnen nun mit seinem Heere, bis es bei Aqua Sextiä (Aix) zur Schlacht kam, in welcher die Scharen der Teutonen vernichtet wurden. Nachdem Marius durch diesen Schlag das röm. Gallien vor den Teutonen sichergestellt, eilte er dem Konsul Quintus Lutatius Catulus zu Hilfe, der indessen an der Etsch (unterhalb Trient) durch die von den Tiroler Alpen herabsteigenden Scharen der C. und ihrer Bundesgenossen hart bedrängt war und sich vor denselben zuletzt im Sommer 102 selbst auf das rechte Ufer des Po hatte zurückziehen müssen. Die C. überwinterten in den Landschaften nördlich vom Po. Im Sommer 101 überschritt jedoch das jetzt vereinigte und bis auf 50000 Mann gebrachte röm. Heer unter Marius und Catulus wiederum den Strom und zog gegen die C. Unterhalb Vercellä unweit der Mündung der Sesia in den Po stießen beide Heere aufeinander, und auf den Raudischen Felderno wurde 30. Juli 101 v. Chr. die Schlacht geliefert, die mit dem Untergange der C. endete. Das Fußvolk derselben kämpfte am Gürtel durch lange Ketten verbunden; ihre Reiter, 15000 an der Vobl⸗ waren mit Helm, Schild, Panzer und Speer wohlgerüstet. Nach dem Verlust der Schlacht töteten die Weiber in der Wagenburg sich selbst und die Mrigenn Es sollen 140000 C. in der Schlacht gefallen sein; die Zahl der aund Teutor wird auf 60000 angegeben. Die C. und Teutonen waren mit Weib und Kind, Hab und Gut ausgezogen, um sich eine neue Heimat zu Fölker v doch hatten wohl keinesfalls die gesamten Völker bis auf den letzten Mann ihre alten Wohnsitze verlassen. Die dort zurückgebliebenen Teile beider Völkerschaften wurden ein Jahrhundert später den Römern bekannt. Die Teutonen wohnten ursprünglich an der Ostsee im nordöstl. Deutschland, wo schon „he Pytheas, der Zeitgenosse Alexanders d. Gr., ihrer bei Gelegenheit des Bernsteinhandels gedenkt. Den Namen der C. (ursprünglich Chempho, d. i Kämpfer) trug zu der Zeit des Tacitus eine an nißt, sind unter K aufzusuchen. ö 77 zwar kleine, aber Icuhus Völkerschaft, von welcher Gesandte an Augustus kamen. Dieselbe wohnte im äußersten Norden Germaniens, am Ocean, nach Plinius und Ptolemäus auf der Nordsone des na * benannten Cimbrischen Cheronesus, in dem heutigen Jütland. Üüber die Abstammung ist viel gefabelt worden. Griech. Schriftsteller verbanden die C. ohne allen Grund mit den Kimmeriern. Sallust nennt sie Gallier. Dem Cäsar dagegen wie dem Tacitus und Plutarch galten sie für Germanen, und von den meisten neuern * ist ihre deutsche Abstammung auch festgehalten worden. Bei den Teutonen ist diese, wie schon der Name bezeugt, nicht zu bezweifeln. Aus 6000 Mann des großen gemischten Heeres, das im J. 102 gegen Italien zog und diese kleine Abteilung zur Hut der Beute an der Sambre zurückgelae hatte, erwuchs später das Volk der Aduatuker. gl. allmann, „Die C. und Teutoneno (Berl. 1870); Roy de Bellogoêt, Ethnographie gauloise, ou mémoires critiques sur l'origine et la parenté des Cimoneriens, des Cimbres ete. (2. Aufl., revidiert von Maury, 2 Tle., Par. 1875). Eimeélien (vom grch. πρνον, Kostbarkeiten, Kleinodien, dann besonders der Kirchenschatz; daher Cimeliarch, der Schatzmeister der Kirchen Eiment, s. Cement. [und Klöster.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 400Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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