FeedCousin-Montauban
GeschichteBrockhaus 1882

Cousin-Montauban (Charles Guillaume Marie), Graf von Palikao, franz. Divisionsgeneral, wurde 24. Juni 1796 zu Paris geboren als unehelicher Sohn der Tochter des 1825 verstorbenen Generallieutenants de Launay de Picardois. Er trat 1814 in die Armee, diente während der Restauration kurze Zeit in der Kompagnie der Garden von Artois, später (1815) im 3. Kürassierregiment, worauf er einen dreijährigen Kursus in der Kavallerieschule von Saumur durchmachte und 1818 als Lieutenant in das 2.Kürassierregiment versetzt wurde. Den Feldzug von 1823 in Spanien machte er in der Kavalleriedivision des Generals Roussel d'Hurbal mit und war zuletzt Ordonnanzoffizier beim General Toussaint. Nach Frankreich zurückgekehrt, wurde C. in das 1. Regiment reitender Artillerie, dann 1831 als Lieutenant zum 2. Regiment Chasseurs d'Afrique nach Algerien versetzt und blieb nun ununterbrochen 26 Jahre auf afrik. Erde. Zu seinen vorzüglichsten Thaten gehören seine mutige Führung als Kapitän am 6. Aug. 1833 im Gefecht bei Tafarua, 3. Dez. desselben Jahres bei Uad-Tamasa, 24. Juni 1836 in den Kämpfen vor Tlemcen, 6. Juli im Gefecht an der Sikah, 18. Jan. 1841 bei Sidi-Lakdar, und 23. Dez. 1847 war es ferner C., der als Oberst des 2. Regiments Chasseurs d'Afrique die Gefangennahme des Emir Abdel-Kader bewirkte, wofür er Ende Jan. 1848 das Kommandeurkreuz der Ehrenlegion mf und Am 21. Sept. 1851 wurde er rigadegeneral und führte die Subdivision von Tlemcen, von wo aus er eine Expedition gegen die marokk. Stämme der Beni-Snassen unternahm und diese 15. Mai und 10. Aug. 1852 auf der Ebene von Sidi-el-Azuz und an den Ufern des Kis aufs Haupt schlug. Drei Jahre später, 28. Dez. 1855, wurde er zum Divisionsgeneral und Gouverneur der Provinz Oran (später Konstantine) befördert, von wo aus er 13. Jan. 1858 als Kommandeur der 21. Militärdivision nach Limoges berufen, jedoch bald in gleicher Stellung nach Tours und Rouen versetzt wurde. Dort traf ihn in den letzten Tagen des J. 1859 der —— des Kaisers, die Führung der gegen China bestimmten Erpeditionsarmee zu übernehmen. C. schiffte sich 12. Jan. 1860 Toulon ein und kehrte im Juli 1861 nach Frankreich zurück. Für seine im Verein mit den Engländern gegen die 0 nesen erfochtenen Siege (12. Aug. 1860 bei Sin-ko, 17. Sept. bei Tschang-kia-huang und 21. Sept. bei Pa-li-kia-ho), die er jedoch durch die vandalische Zerstörung und Plünderung des herrlichen Sommerpalastes des Kaisers von China, Nuen-nuen-yuen bei Peking, beschmutzte, wurde ihm von Napoleon III. (26. März 1860) das Großkreuz der Ehrenlegion, 4. März 1861 die Senatorwürde und 2. Jan. 1862 der Titel eines Grafen von Palikao verliehen. Der Kaiser, bei dem C. in hoher Gunst stand, forderte für ihn ferner von den Kammern eine erbliche Dotation von 30000 Frs. Rente, doch wurde mach Ansinnen vom Gesetzgebenden Körper, namentlich wegen der Plünderung des Sommerpalastes, abgelehnt. C. erbat seinen Abschied; der Kaiser verweigerte indes wach 28 und sandte ihn an Canroberts Stelle nach Lyon als Kommandeur des 4. Korps und der 8. Militärdivision. Gelegentlich der Budgetberatung im J. 1872 hat sich nachträglich herausgestellt, daß C. damals für den Berlus der ihm zugedachten Rente in Kapital (589 500 Frs.) abgefunden wurde und daß dieser Betrag auf die von der chines. Regierung mug durch ein Birr zahlende Kriegskostenentschädigung durch ein Virement verrechnet worden ist. Bei Ausbruch des Kriegs 1870 war C. zunächst für das Oberkommando der nach der Ostsee bestimmten Landungstruppen in Aussicht genommen, nach den ersten Niederlagen der franz. Armee aber wurde er von der Kaiserin-Regentin mit Spaets uur 5 des Kaisers an Stelle Olliviers nach Paris zur Bildung (9. Aug. 1870 des sog. Verteidigungsministeriums berufen. C. übernahm den Vorsitz nebst dem Portefeuille des Kriegs und charakterisierte sich während seiner kurzen Amtsperiode durch unwahre Berichte vom Kriegsschauplatze, sowie dadurch, daß er den abenteuerlichen Zug Mac-Mahons nach Osten hin, zur Befreiung des Marschalls Bazaine und des in Metz eingeschlossenen Heeres, anordnete. Im übrigen hat C. aber während der kurzen Zeit seines kriegsministeriellen Wirkens mit bemerkenswerter 10 delde die Organisation von Verstärkungen für die Feldarmee sowie die Verteidigungsanordnungen für Karer ins Werk gesetzt. Der Sturz des zweiten aisertums (4. Sept.) vertrieb ihn während der rmißt, sind unter K aufzusuchen. Dauer des Kriegs aus Frankreich. Nach Wiederherstellung des Friedens zurückgekehrt, schrieb er zur Verteidigung seiner militärischen Anordnungen eine Broschüre unter dem Titel Un ministère de la guerre de vingt-quatre jours du 10 aoùt au 4septembre 18705 (Par. 1871), hielt sich von polit. Thätigkeit fern und starb 8. Jan. 1878 zu Versailles.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 647Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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