FeedCavaignac
GeschichteBrockhaus 1882

Cavaignac (Eugene nn. 1848 Staatsoberhaupt der Französischen Republik, des vorigen Bruder, wurde zu Paris 15. Okt. 1802 geboren. Er begann 1820 seine militärischen Studien in der Polyauf als U Schule, verließ dieselbe zwei Jahre darauf als Unterlieutenant vom Geniewesen und besuchte dann die Ecole d'applicationo zu Metz. Im J. 1824 trat er in das 2. Genieregiment ein, wo er 1828 zum Kapitän aufstieg. Als solcher machte er die franz. Expedition nach Morea mit. C. befand sich 1830 mit seinem Regiment in Garnison zu Arras und uf hier von allen Offizieren zuerst für die Julirevolution Partei. Unter der neuen Regierung wurde er nach Afrika versetzt, wo er zur Auszeichnung bald Gelegenheit fand. Er wurde 1837 Bataillonschef, 1840 Oberstlieutenant, 1841 Oberst und 1844 Brigadegeneral. An Lamoricières Stelle versah er das Kommando der Provinz Oran, als er 1848 mit der Nachricht von der Werzun revolution zugleich die Kunde erhielt, daß er zum Divisionsgeneral und Gouverneur von Algier ernannt sei. In die Nationalversammlung gewählt, reiste er nach Paris, wo er zwei Tage nach dem Attentat vom 15. Mai 1848 ankam und das Kriegsministerium übernahm. Als am 23. Juni in Paris der Bürgerkrieg ausgebrochen war, übertrug die Nationalversammlung C. die Militärdiktatur. Während des viertägigen Straßenkampfes bewies C. die höchste Thatkraft, Ausdauer und Geistesegenwart. Nachdem am 28. Juni die Ruhe wiederhergestellt war, gab er der Nationalversammlung die ihm übertragenen außerordentlichen Vollmachten zurück. Die Nationalversammlung wählte ihn nun einstimmig zum Haupt der Exekutivgewalt und siche Kabinettspräsidenten, d. h. zum verantwortichen Staatsoberhaupt der Republik. Durch Wachsamkeit, Strenge und Festigkeit zeigte er sich diesem hohen Posten gewachsen. Die äußere Ruhe und Sicherheit war völlig hergestellt, als er sechs Monate später (20. Dez. 1848) die Zügel der Regierung dem Präsidenten Ludwig Napoleon überlieferte. Als Kandidat zur Präsidentenstelle, bei der es sich nur um die Wahl C.s oder Ludwig Naoleons Handeln konnte, erhielt er selbst etwa 1½ ill. Stimmen. Das Depart. Lot wählte ihn wieder in den Gesetzgebenden Körper, wo er mit einigen Gesinnungsgenossen das republikanische linke Centrum bildete. Als Redner zeigte er sich wortkarg, aber klar und stets gemehsen, selbst bei den heftigsten parlamentarischen Stürmen. Während des Staatsstreichs vom 2. 1851 wurde auch C. verhaftet und nach dem Schlosse Ham abgeführt, aber bald wieder freigelassen. Er heiratete hierauf die Tochter des Bankiers Odier, nahm seinen Abschied aus der Armee und verließ auf einige Zeit sebgebende Später wurde er in Paris in den Geetzgebenden Körper gewählt; doch trat er nicht in denselben ein, weil er den Eid auf die neue Verfassung verweigerte. C. lebte seitdem in der Nähe von Mans in größter Zurückgezogenheit. Er starb auf seinem Schlosse Ournes bei Flee im Depart. Sarthe 28. Okt. 1857. C. schrieb „De la régence d'Alger, note sur L'occupatione (Par. 1839).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 85Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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