Changarnier (Nicolas Anne Theodule), franz. General, geb. 26. April 1793 zu Autun im Depart. Sasne:et-Loire, wurde in der Kriegsschule von St.⸗Cyr gebildet, verließ diese 1815 als Unterlieutenant und trat in die königl. Garde. C. ging 1830 als Lieutenant nach Aonf wo er 1836 bei dem ersten Feldzuge nach onstantine Bataillonschef war und sich während der Rückzugsgefechte als Führer der Nachhut auszeichnete. Er stieg rasch zum Oberst, dann zum Brigadegeneral und Divisionseneral empor, befehligte in Algier, als daselbst im Febr. 1848 die Nachricht vom Sturz der königl. Regierung aus Frankreich anlangte, und übernahm aus den Händen des Herzogs von Aumale, damaligen Obergouverneurs der Kolonie, die provisonische Regierung von Algerien, in Abwesenheit Cavaignaes, der zu diesem Posten zunächst berufen war. Kurz darauf wurde er an Stelle Cavaignacs Obergouverneur, jedoch bald wieder abberufen, trat dann als Deputierter in die Nationalversammlung und wurde Oberbefehlshaber der Nationalgarde von Paris, im Dezember auch Kommandant der 1. Militärdivision (Paris). Dieser vielseitigen und schwierigen Thätigkeit unterzog er sich bis zur itte Mai 1849 und übernahm dieselbe auch nach den revolutionären Bewegungen Mitte dchie desselben Jahres aufs neue. Er war ein ent chiedener 9905—3 der Orléans und hatte durch einen energischen Tagesbefehl an die Armee von Paris sowohl die Nationalversammlung wie auch die hauptstädtische Bevölkerung gegen sich 4 Mapoleon Diese Verhältnisse erleichterten Ludwig Napoleon 1565 Beseitigung. Im Jan. 1851 wurde er sowohl des Kommandos der 1. Militärdivision wie des Oberbefehls über die Nationalgarde von Paris enthoben. Vom Depart. Somme in die Nationalversammlung gewählt, stimmte er gewöhnlich mit der Rechten. In der Nacht des Staatsstreichs, 2. Dez. 1851, wurde er auf Befehl Napoleons in seiner Wohnung festgenommen und durch Dekret vom 9. Jan. 1852 aus Frankreich verbannt. C. lebte zunächst zu Mecheln in Belgien, später, nach Erlaß der allgemeinen Amnestie, auf seinen Besitzungen im Depart. Saöne-et-Loire. Obgleich ein Gegner des Kaiserreichs, bot er nach Ausbruch des Französischen Kriegs im Interesse des Vaterlandes seine Dienste der Regierung an. Er kam 8. Aug. 1870 nach Paris, gelangte aber dort zu keinem Ziele. Am 10. Aug. stellte er denselben Antrag in Metz direkt an den Kaiser und wurde, jedoch ohne Kommando, dem Hauptauartier der Rheinarmee zugeteilt. C. blieb fortan in Metz an der Seite Bazaines. Am 25. Okt. begab sich C. zu-Besc eines tags zuvor vom Kriegsrate gefaßten Bef chlusses in das Hauptquartier des rinzen Friedrich Karl nach Corn (üdlich von Metz), um die Erlaubnis auszuwirken, daß die Rheinarmee das Lager bei Metz verlassen und, ohne 10 kapitulieren, in Algerien oder im südl. Frankreich, gewissermaßen interniert, verbleiben dürfe. Seine Anträge wurden indes abgelehnt, weshalb er an den weitern Kapitulationsverhandlungen persönlich nicht mehr Anteil nahm. Nach Abschluß des Friedens wurde C. Mitglied der Nationalversammung, wo er sich zum orléanistischen rechten Centrum hielt, nahm als Richter teil an dem zur Aburteilung mehrerer Generale eingesetzten Kriegsgericht, wurde in den Senat berufen und starb 14. Febr. 1877 zu Paris.