FeedCrispi (Francesco)
GeschichteBrockhaus 1882

Crispi (Francesco), radikaler ital. Staatsmann, geb. 4. Okt. 1819 zu Ribera di Girgento in Sicilien, studierte in Palermo die Rechte und ließ sich dann als Advokat in Neapel nieder. Nach dem Ausbruche der sicil. Revolution im Jan. 1848 kehrte er nach Palermo zurück, nahm einen hervorragenden Anteil an den kriegerischen Ereignissen und wurde Abgeordneter. Als die Reaktion siegte, gehörte er zu den 43 Patrioten, die von der Amnestie ausgeschlossen wurden. Er war hierauf in Piemont als Publizist thätig, wurde aber nach dem mailänder Putsch vom 6. Febr. 1853 als ach Malta und Republikaner ausgewiesen, ging nach Malta und von da nach London. Im J. 1859 wieder nach Piemont zurückgekehrt, trat er für die Befreiung Italiens durch die organisierte Staatskraft Piemonts energisch ein, begab sich in demselben Jahre nach Sicilien, um für Garibaldi das Terrain vorzubereiten, beteiligte sich als einer der Tausendo an den nachfolgenden Kämpfen und wurde zu Talamone zum Obersten ernannt. In Neapel war er eine Zeit lang Sekretär des Diktators und wenige Tage Minister des Außern im Kabinett Liborio Romano. Seit 1861 ist C. Mitglied des ital. Parlaments, seit 1870 als Vertreter des Wahlkreises Tricarico: 1865 wurde er als Führer der radikalen Konstitutionellen zum ersten Vizepräsidenten der Kammer gewählt. Als die bisherige Opposition 1876 Regierungsmehrheit wurde, fiel auf C. die Wahl zum Kammerpräsidenten, in welcher Eigenschaft er 1877 eine Rundreise durch Europa unternahm. Nach dem Falle Nicoteras wurde er am 26. Dez. 1877 im zweiten Ministerium Depretis Minister des Innern, mußte aber, wegen Bigamie angeklagt, schon 6. März 1878 feine Entlassung nehmen. Zwar wurde er in dem nachfolgenden Prozesse von der Anklage der Bigamie freinißt, sind unter K aufzusuchen. gesprochen, weil C.s erste, 1854 geschlossene Ehe nur kirchlich eingesegnet war; doch vermochte er sich von der moralischen Schuld nicht zu reinigen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 678Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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