FeedDacien
GeschichteBrockhaus 1882

Dacien (Dacia) hieß während der röm. Kaiserzeit das Land zwischen der Theiß, Donau, dem Dniestr und den Karpaten, also die Osthälfte von Ungarn, Siebenbürgen, die Walachei, die Moldau, die Bukowina und ein Teil von Bessarabien. Die Bewohner dieses Landes, die Dacier (Daci), die in mehrere Stämme zerfielen, werden gewöhnlich zu der thrazisch-getischen Völkergruppe gerechnet. Durch häufige Einfälle in das Gebiet der Römer, denen sie unter ihrem König Decebalus besonders ur Zeit des Kaisers Domitian (81—96 n. Chr.) schr gefährlich wurden, nötigten sie endlich Trajan zum Vernichtungskriege. In zwei Feldzügen (101 —102 und 105 —107 n. Chr.) wurde ihre Kraft den Pepir die Hauptstadt Sarmizegethusa (bei em jetzigen Varhely im Hatzeger Thale) wurde erobert, das Land großenteils zur Provinz gemacht und mit massenhaften roman. Ansiedelungen aus allen Teilen des Reichs bedeckt. Als röm. Provinz blühte das Land in erstaunlicher Weise auf, bedeckte sich mit vielen Städten und Dörfern und wurde besonders auch durch die Goldbergwerke in den Gebirgen Siebenbürgens wichtig. Nur in den östl. Teilen des Landes erhielten sich freie Dacier. Seit der Mitte des 3. Jahrh. wurde D. von Germanen überflutet. Aurelianus gab daher 270 die Provinz auf und versetzte die röm. Kolonisten über die Donau nach den mittlern Teilen der Provinz Mösien; man nannte dieses Gebiet seitdem Dacia ripensis und Dacia mediterranea. In Betreff der Abstammung der heutigen Rumänen ist in neuester Zeit eine lebhafte Diskussion im Gange. Während man früher ziemlich allgemein dieses Volk für Abkömmlinge eines im Lande zurückgebliebenen Restes romanisierter Dacier ansah, kam neuerdings die Ansicht auf, daß die in den Ländern der nördl. Balkanhalbinsel während der byzant. Zeit entwickelte walachische, aus römischen und thrazisch-mösischen, aber durch und durch romanisierten Elementen erwachsene Bevölkerung nach der Entstehung des Walachisch-Bulgarischen Reichs (1186), und zwar erst seh dem zweiten und dritten ahrzehnt des 13. Jahrh., in die heute Rumänien genannten Länder im Norden der Donau eingewandert sei. (Vgl. Rösler, „(Romän. Studienv, Lpz. 1871). Rösler hat jedoch neben vielen zustimmenden Stimmen auch starken Widerspruch gefunden. Die Erhaltung starker dacischer Reste im Lande vertrat namentlich J. Jung, zuletzt in den Büchern Römer und Romanen in den Donaulandeno (Innsbr. 1877) und „Die romanischen Landschaften des Römischen Reichsv (Innsbr. 1881). Besonders bemerkenswert ist auch das Buch von J. L. Pic «über die Abstammung der Rumänen » (Lpz. 1880), der die Möglichkeit einer Entstehung eines großen walachischen Volks auf der Balkanhalbinsel bestreitet; nach seiner Darstellung hielten sich die Dacier nach der Flucht der Römer in den westl. und nördl. Gebirgen iebenbürgens, und ging die 0 encher 2 es neuen rumän. Volks hauptsächlich von der Land schaft Marmaros aus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 767Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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