FeedDe Sanctis (Francesco)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

De Sanctis (Francesco), ital. Staatsmann und Schriftsteller, geb. 28. März 1817 zu Morra Irpino im Salernitanischen, wurde in seinem 18. Jahre Lehrer an einer militärischen Anstalt in Neapel und gründete zwei Jahre später eine eigene Schule, in der er moderne Wissenschaft und Vateriflandsliebe in einer Weise lehrte, die dem bourbonischen Regiment Anlaß zu allerlei Verfolgung gab. Im J. 1848 war er Unterstaatssekretär im Unterrichtsministerium in Neapel; im Frühling 1850 wurde er in Cosenza verhaftet und drei Jahre in Castel dell' Ovo ohne Untersuchung in enger Haft gehalten. Zur Verbannung nach Amerika bestimmt, gelang es ihm, nach Malta zu entkommen, von wo „aus er sich nach Turin begab, und 1856 kam er als Professor der ital. Litteratur an das Polytechnikum in Zürich. Im J. 1860 übertrug ihm Garibaldi die Verwaltung einer Provinz, hierauf wurde er neapolit. Unterrichtsminister. Der ital. Kammer gehört er seit 1861 an, zweimal bekleidete er eine der Vizepräsidentenstellen derselben; auf dem linken Centrum sitzend gehört er seit langer Zeit zu denjenigen Politikern, welche in einer Verschmelzung der liberalen Elemente der Rechten und der Linken mit Ausschluß der radikalen Elemente die einzig mögliche Grundlage einer starken und dauernden Regierung erblicken. Dem Ministerium des öffentlichen Unterrichts im Königreich Italien stand er dreimal vor, zuerst unter Cavour und Ricasoli vom 22. März 1861 bis zum 3. März 1862, dann unter Cairoli vom 24. März bis zum 11. Dez. 1878, schließlich im Ministerium Cairoli-Depretis vom 25.Nov. 1879 bis zum Ende des J. 1880. Während seines dritten Ministeriums wurde er von einem schweren Augenleiden befallen, woraus sich die Schwäche seiner Verwaltung erklärt. Als Redner und als Schriftsteller steht De Sanctis im heutigen Italien in erster Linie; seine Angriffe im Dirittoy gegen die unlautern Elemente seiner Partei, die Thatsache, daß er als gewesener Minister wieder auf seinen Rses Lche an der Universität zurückkehrte und sein ganzes Leben idealen Interessen widmete, zeigen ihn als einen lautern Charakter. Von seinen vielen Arbeiten sind zu nennen: «Saggi criticio (Neap. 1868; 4. Aufl. 1881), «Studio o saggio eritico sul Petrarca (Neap. 1869), «Storia della letteratura italianap (3. Ausg., 2 Bde., Neap. 1879), Nuovi saggi criticio (2. Ausg., Neap. 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 76Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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