FeedCrocius (Johann)
ReligionBrockhaus 1882

Crocius (Johann), reformierter Theolog, geb. 28. Juli 1590 zu Laasphe in der Grafschaft Wittgenstein, wo sein Vater Paul C., der Herausgeber des Großen Martyrbuchsov, damals Prediger und Inspektor war, studierte zu Herborn und Marburg, ward hier 1608 Magister, 1609 Major der Stipendiaten, 1612 Hofprediger des Landgrafen Moritz und Professor an der Ritterakademie zu Kassel, 1613 Doktor der Theologie. In den * 1616 und 1617 war C. in Brandenburg thätig bei der Einführung des reformierten Kirchenwesens; 1617 um Professor der Theologie, Prediger und Konsitorialrat in Marburg ernannt, war C. mehr als 40 Jahre lang der erste theol. Wortführer der reformierten Kirche Hessen-Kassels. Als im J. 1624 Landgraf Ludwig von Hessen-Darmstadt, auf Tillys Truppen gestützt, in Marburg das Luthertum wieder einführte, mußte auch C. weichen, doch wurde in Kassel eine reformierte Gegenuniversität eröffnet, mißt, sind unter K aufzusuchen. und nach Beendigung des Kriegs kehrten die reformierten Theologen 1653 nach Marburg zurück. Hier starb C. am 1. Juli 1659. C. war der letzte bedeutende Theolog des 17. Jahrh., welcher ein lebendiges Bewußtsein davon hatte, daß die 4 mierte Kirche Deutschlands nicht von Calvin, sondern von Melanchthon ausgegangen sei, daher gleich der luth. Kirche auf der Augsburgischen Konfession ruhe und mit ihr wesentlich verwandt sei. Daher war er bemüht, der zunehmenden Feindschaft zwischen Lutheranern und Reformierten zu wehren durch Schriften wie die KSummarische Nachricht u. s. w.» (Grebenstein 1636), Deecclesiae unitate (1650). In demselben Geiste ist die von C. und dem Superintendenten Hütterodt verfaßte Hessische Kirchenordnung vom J. 1657 gehalten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 680Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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