FeedChemnitz (Martin)
ReligionBrockhaus 1882

Chemnitz (Martin), einflußreicher luth. Theolog des 16. Jahrh., geb. 9. Nov. 1522 zu Treuenbrietzen in der Mark Brandenburg, erhielt zu Magdeburg seine Schulbildung und studierte zu Frankfurt a. O und zu Wittenberg, mußte aber seine Studien mehr. fach unterbrechen, um als Lehrer zu Kalbe a. S und zu Wrietzen die nötigen Mittel zu erwerben Er studierte Mathematik und Astronomie, ward zu und 1550 Bibliothekar des Herzogs Albrecht. Jetz erst wandte sich C. der Theologie zu; das Auftreter Osianders verleidete ihm Königsberg, er begab sic wieder (1553) nach Wittenberg, wo er Tischgenoss und eifriger Zuhörer Melanchthons wurde. In R 1554 begann er Vorlesungen zu halten über Melanchthons Loci communeso, woraus sein dogmatisches Hauptwerk hervorging, die Loci theologicio (herausg. von Polykarp Leyser, chmei 1591). Im J. 1554 siedelte C. nach Braunschweig über, zunächst als Koadjutor des Superintendenten Mörlin, seit 1567 als Superintendent. Hier entfaltete C. eine reiche Thätigkeit als Prediger und Haupt der braunschw. Kirche und als Teilnehmer an den wichtigsten theol. und kirchlichen Verhandlungen jener Zeit. In letztern zeigte sich C. immer mehr als Anhänger der exklusiv luth. Lehrweise und entschiedener Gegner der mildern Melanchthonischen Richtung. Gegen die Melanchthonisch-Calvinische Auffassung des Abendmahls richtete er die Schriften: Vera et sana doctrina de praesentia corporis et sanguinis Christi in ccena Dominio (Lpz. 1560) und «Repetitio sanae doctrinae de vera praesentia corporis et sanguinis Christi in coena (Lpz. 1561; deutsch von Enache Mit Jakob Andreä zusammen ordnete C. nach dem Regierungsantritt des Herzogs Julius das Kirchenwesen entwarf als Lehrordnung das Corpus doctrinae Juliumv (1569). Für die prot. Kirche in Preußen entwarf er zusammen mit Mörlin das Corpus doctrinae Prutenicumo (1566). einem Gutachten über den «Wittenberger Kate ismuso (1571) wandte er sich gegen den Kryptocalvinismus. Mit Jak. Andreä war er dann eifri bemüht um Abfassung und Einführung der Kon ordienformel. Die immer weiter sich ausdehnende Wirksamkeit der Jesuiten veranlaßte ihn, die gefährlichen Grundsätze derselben aufzudecken und zu bekämpfen in der Schrift: Theologiae Jesuitarum praecipua capitap (Lpz. 1562). Als von kath. Seite mehrere Verteidigungen der Iamite erschienen, sah sich C. veranlaßt, seine Polemik gegen die Lehre der kath. Kirche selbst und zwar gegen die Beschlüsse des Tridentiner Konzils zu richten. So entstand sein gelehrtes Werk EXamen concilii Tridentinio (4Bde., Lpz. 1865—73; neue Ausg., Frankf. 1707). Er starb zu Braunschweig, nachdem er 1584 sein Amt niedergelegt, 8. April 1586. Die von ihm angefangene Harmonia evangelistarumo wurde von Leyser und Joh. Gerhard vollendet. Vgl. Lentz, (Dr. Martin Kemnitz. Ein Lebensbild aus dem 16. Jahrh.r (Gotha 1866); Hachfeld, Martin C. nach seinem Leben und Wirkeno (Opz. 1867). Sein Sohn, Martin C., geb. 15. Okt. 1561, wurde 1593 Rat des Herzogs Bogislav XIII. von Pommern, 1618 Geheimrat und Kanzler des n zogs Friedrich von Holstein-Gottorp und starb zu Schleswig 26. Aug. 1627. — Bogislav Philipp von C., einer der fünf Söhne des Letztgenannten, geb. zu Stettin 9. Mai 1605, trat in holländ., dann in schwed. Kriegsdienste, ward auf Empfehlung des Kanzlers Oxenstjerna von der Königin Christina von Schweden zum Rat und Historiographen ernannt, 1648 in den Adelstand erhoben und starb auf seinem Gute zu Hallstad in Schweden 17. Mai 1678. Er ist der Verfasser der unter dem Namen Hippolytus a Lapide erschienenen merkwürdigen Schrift De ratione status in imperio nostro Romano-Germanico ete. (1640; 2. Aufl., Freystadt 1647), in welcher die kaiserl. Gerechtsame in ihre Grenzen zurückgewiesen und eine freiere Behandlung des Staatsrechts angebahnt mwurde. Auch schrieb C. „Der königl. schwedische ermißt, sind unter K aufzusuchen. 236 Chemnitz (Matthäus Friedr.) in Deutschland geführte Kriego (nach der Handschrift herausg., 6Bde., Stockh. 1855—59).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 235Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6